Und wieder sind zwischen den Staffeln von House of the Dragon, der zweiten von mittlerweile drei Serien aus George R.R. Martins fiktivem Kontinent Westeros, zwei Jahe vergangen. Hat sich das Warten auf die seit ein paar Wochen komplett veröffentlichte dritte Season gelohnt? Ja und irgendwie auch nein.
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House of the Dragon: Staffel 3 (House of the Dragon: Season 3)
Fantasy-Drama-Serie USA 2026. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 8 Folgen. Gesamtlänge: ca. 500 Minuten.
Mit: Emma D’Arcy, Matt Smith, Olivia Cooke, Fabien Frankel, Steve Toussaint, Ewan Mitchell, Tom Glynn-Carney, Bethany Antonia, Phoebe Campbell, Phia Saban, Sonoya Mizuno, Matthew Needham, Abubakar Salim, Freddie Fox, Gayle Rankin, Tom Bennett, Kieran Bew, Clinton Liberty, James Norton, Benjamin Evan Ainsworth u.v.a. Nach Fire & Blood von George R.R. Martin. Adaption: Ryan Condal.

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Feuer und Blut, Triumph und Scheitern
Der familieninterne Konflikt um den Eisernen Thron in King’s Landing und die Herrschaft über die Sieben Königslande von Westeros zwischen der von ihrem verstorbenen Vater, König Viserys, zu seiner Nachfolgerin ernannten Rhaenyra Targaryen (Emma D’Arcy) und ihrem jüngeren Halbbruder Aegon Targaryen (Tom Glynn-Carney) geht weiter. Von Dragonstone aus plant Rhaenyra die Hauptstadt King’s Landing zu erobern und den Eisernen Thron zu besteigen. Aegon, von seiner schweren Verletzung nach der Schlacht von Rook’s Rest gezeichnet, hat King’s Landing verlassen und befindet sich mit seinem Berater Larys Strong (Matthew Needham) auf der Flucht. Aegons einäugiger Bruder Aemond (Ewan Mitchell) sitzt unterdessen auf dem Thron, lässt sich aber von seiner Mutter Alicent (Olivia Cooke) dazu überreden, mit seinem gigantischen Drachen Vhagar nach Harrenhal zu fliegen.
In den Gewässern zwischen Dragonstone und King’s Landing kommt es zu einer großen Seeschlacht, mit den Schiffen der Triarchy unter dem Kommando von Kapitän Sharako Lohar (Abigail Thorne) auf der einen und der Flotte von Corlys Velaryon (Steve Toussaint), Rhaenyras Verwandten und Verbündeten, auf der anderen Seite. Mit der Hilfe der Truppen aus dem Norden gelingt es Rhaenyras Onkel und Ehemann Damon (Matt Smith) die Lannister-Armee in den Flusslanden zu besiegen. Der Eiserne Thron ist für Königin Rhaenyra zum Greifen nah, doch zu welchem Preis? Mit Ormund Hightower (James Norton), dem Cousin von Alicent, betritt ein weiterer mächtiger Lord das Geschehen im Tanz der Drachen…

Nach der wirklich herausragenden ersten Staffel (2022) war ich von der zweiten (2024) teilweise enttäuscht. Zu viel Zeit wurde mit Traumsequenzen verschwendet und durch das Fehlen einer großen Schlacht wirkte das Finale bzw. die ganze Staffel erzählerisch unfertig. Season 3 gleicht diesen inhaltlichen Mangel mit den ersten beiden Folgen aus, welche nicht nur die zuvor verschobene Schlacht nachreicht, sondern quasi die Geschehnisse der zweiten Season stark abrunden, somit indirekt als Folgen 9 und 10 von Staffel 2 fungieren. Mit der dritten Episode erreicht Season 3 ihren Höhepunkt. Leider geht es danach sukzessive etwas bergab.
Dabei fährt man hier wiederholt aus produktionstechnischer Sicht die ganz schweren Geschütze auf. Geschätzte 20 Millionen US-Dollar betrug das Budget pro Folge und das sieht man auch deutlich. Nicht nur, dass es zu Beginn und Ende der dritten Runde jeweils eine große Schlacht gibt, diese erweisen sich zudem als sichtbar aufwändig und beängstigend erfahrbar inszeniert. Auch die zahlreichen Drachen erstrahlen dank der hochwertigen Computer-Animationen in voller Pracht und so macht der im Zentrum der Serie stehende, als „Tanz der Drachen“ bezeichnete interne Konflikt in der Targaryen-Dynastie bisweilen seinem Namen alle Ehre. Die Musik für diesen Tanz liefert einmal mehr der deutsch-iranische Komponist Ramin Djawadi, wobei er hier auch starkes neues Material komponiert hat.
Das dritte Jahr von House of the Dragon funktioniert am besten, wenn die Tragik des Ganzen in den Vordergrund rückt. Vor allem die von Emma D’Arcy erneut herausragend und mit viel Intensivität gespielte rechtmäßige Königin Rhaenyra muss für jeden kleinen Fortschritt bittere Niederlagen in Kauf nehmen. Vor allem durch die verheerenden „Kollateralschäden“ wird für die Zuschauer*innen immer klarer, dass dieser Krieg um die Herrschaft über die Sieben Königslande kein Happy End haben wird.

Obgleich Season 3 inhaltlich etwas runder als die vorherige Staffel wirkt, so gibt es auch hier leider wieder erzählerische Unebenheiten. Zwar machen die meisten Wendungen durchaus Sinn, doch wirken diese nicht selten forciert und eher im „shock value“-Modus aufgezogen. Die erzählerischen Entwicklungen dazu werden eher vernachlässigt. Diese Schwäche könnte daraus resultieren, dass es sich bei den literarischen Vorlagen von George R.R. Martin um ein fiktionales Geschichtsbuch sowie ein paar Novellen handelt, welche keine wirklich auserzählte Handlung bieten, im Gegensatz zu den Das Lied von Eis und Feuer-Romanen.
Showrunner Ryan Condal und sein Autor*innen-Team sind also gezwungen, die Leerstellen zwischen den wichtigen Ereignissen mit eigenem Material aufzufüllen, was ihnen eben nicht so gut gelingt. Aus meiner Sicht sind acht Episoden möglicherweise zu wenig Zeit und zehn wären besser, vergleiche auch die überhasteten, erzählerisch ähnlich holprigen letzten zwei Staffeln der „Mutterserie“ Game of Thrones (2011-2019), welche ja ebenfalls keine „ausformulierte“ Vorlage zur Verfügung hatten.
Mit der vierten Staffel, auf welche wir wieder etwa zwei Jahre warten müssen, wird House of the Dragon zu Ende gehen. Und hoffentlich wird es ein Schlusspunkt auf dem Niveau der Premierenstaffel. Außerdem gibt es ja aus Martins Fantasy-Universum auch noch die ungleich kleinere Serie A Knight of the Seven Kingdoms, deren zweite Season voraussichtlich 2027 starten wird.
Die komplette dritte Staffel von House of the Dragon ist seit dem 10. August 2026 Teil des Angebots von HBO Max und WOW.
Fazit: Weiterhin hochkarätig produziertes und überwiegend stark gespieltes Fantasy-Historien-Drama über den Tanz der Drachen, erzählerisch aber leider immer wieder durchwachsen.
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Marius Joa, 31. August 2026. Bilder: HBO Max.


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