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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 30. November 2019

So wie Hollywood allgemein das Mainstreamkino weltweit beherrscht so dominieren Disney und Pixasr den Animationsfilm-Markt. Werke, die ohne große Studiopower entstehen, haben es da schwer. Umso schöner, dass Netflix dem französischen Beitrag “Ich habe meinen Körper verloren” eine großflächige Veröffentlichung ermöglicht hat.

 

Heroes

Von Sarah Böhlau. Publiziert am 8. August 2007

Die Fernsehserien, die aus Amerika den Weg ins deutsche Fernsehen schaffen, werden seit einigen Jahren immer innovativer und qualitativ besser. Mit der Serie Heroes, die ab diesem Herbst auch in Deutschland läuft, erreicht diese Entwicklung einen vorläufigen Höhepunkt. Sarah Böhlau schreibt über die erste Staffel und ist bereit, einen Superlativ zu wagen: Heroes ist die vielleicht beste TV-Serie aller Zeiten.

Heroes
Fantasy-Mystery-Thriller-Episoden-Drama, USA 2006. Originalkonzept: Tim Kring.
Mit: Adrian Pasdar, Milo Ventimiglia, Hayden Panettiere, Jack Coleman, Santiago Cabrera, Masi Oka, Ali Larter u. a.

I Can Be Your Hero

“In recent days, a seemingly random group of individuals has emerged with what can only be described as “special” abilities. Although unaware of it now, these people will not only save the world, but change it forever. This transformation from ordinary to extraordinary will not occur overnight. Every story has a beginning.”

Heroes erzählt die Geschichten von Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt, die nur eine einzige Tatsache gemeinsam haben. Unabhängig voneinander, in unterschiedlichen Altersstufen und Lebensumständen machen alle die selbe Entdeckung: Sie verfügen über eine übernatürliche Fähigkeit. Diese Fähigkeit fällt bei jedem anders aus, der eine kann Gedanken lesen, ein anderer durch Wände gehen, ein dritter die Zukunft malen. Jeder dieser Menschen reagiert unterschiedlich auf die Entdeckung der eigenen Außergewöhnlichkeit: Während es einige aus Angst verheimlichen, sehen andere die Veränderung in ihrem Leben aus Schicksal an.

Wer nun an Superhelden, insbesondere an X-Men denkt, liegt gar nicht so falsch. Die Serie ist in vieler Hinsicht eine Liebeserklärung an das Comic-Genre, ohne allerdings selbst einer zu sein. Wer mit Fantasy, Science Fiction oder Comics nichts anfangen kann, braucht sich davon nicht abhalten lassen. Die riesige Fangemeinde der Serie besteht nur zu einem kleinen Teil aus den Fans solcher Genres. Denn obwohl es bei Heroes um Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten geht, liegt die eigentliche Faszination in der Zusammenführung der zahlreichen Handlungsstränge. Die Handlung konzentriert sich auf die menschlichen Aspekte und geht mit großen Knalleffekten und Materialschlachten sparsam um. Die Fähigkeiten der Protagonisten werden unauffällig computeranimiert und fast verschämt eingebaut. Trotzdem gibt es einige Anlehnungen und Anspielungen an Comics. So sind einige Charaktere der Serie Comicfans und die Bilder des Malers Isaac Mendes sind in diesem Stil gehalten. Zudem werden auf der Homepage der Serie wöchentlich kurze Graphic Novels veröffentlicht, die die Handlung ergänzen, ohne jedoch für das Verständnis der Serie zwingend notwendig zu sein.

Haupthandlungsstränge der Serie (Vorsicht, SPOILER teilweise bis einschließlich Folge 3)

Der New Yorker Krankenpfleger Peter Petrelli (Milo Ventimiglia) ist auf der Suche nach einem Sinn in seinem Leben. Er hat sich von seinem reichen Elternhaus abgenabelt und arbeitet als Sterbebegleiter für den todkranken Charles Deveaux (Richard Roundtree), in dessen Tochter Simone (Tawny Cypress) er unglücklich verliebt ist. Als sich die ersten Anzeichen einer Fähigkeit bei Peter bemerkbar machen, bricht er zusammen und sucht die Hilfe seines älteren Bruders Nathan Petrelli (Adrian Pasdar), einem ehrgeizigen Politiker, der gerade als Kongressabgeordneter für den Staat New York kandidiert. Peter, der sich im Traum fliegen sieht und dies für seine Fähigkeit hält, wird von Nathan erst nicht erst genommen. Bis die Brüder beim Sturz von einem Hochhaus plötzlich beide fliegen können.

Währenddessen erhält in Indien der Genetiker Mohinder Suresh (Sendhil Ramamurthy) die Nachricht von der Ermordung seines Vaters Chandra Suresh (Erick Avari). Der Vater, ebenfalls ein Genetiker, war in New York auf der Suche nach Beweisen für eine wissenschaftliche Obsession, die zum Bruch mit seinem Sohn führte. Chandra glaubte an die Existenz von Menschen mit einer bestimmten Genmutation, die sich in ungewöhnlichen Fähigkeiten manifestieren. Mohinder fliegt in die USA, um die Leiche seines Vaters abzuholen und sieht sich in Chandras Appartment mit dessen Forschungsarbeit konfrontiert. Mohinder verfolgt halbherzig einige Versuche seines Vaters weiter, Menschen mit einem solchen Genmerkmal zu finden … und trifft Peter Petrelli.

Im texanischen Städtchen Odessa sieht indessen die beliebte Cheerleaderin Claire Bennet (Hayden Panettiere) ihr zufriedenes Leben bedroht, als sie feststellt, dass ihr Körper über grenzenlose Selbstheilungskräfte verfügt. Aus Angst davor, als „Freak“ abgestempelt zu werden, verheimlicht Claire ihre Entdeckung vor ihren Freunden und ihren Adoptiveltern. Sie beginnt auf der Suche nach Antworten nach ihren leiblichen Eltern zu forschen. In immer gewagteren Stunts testet sie währenddessen die Grenzen ihrer Fähigkeit aus und lässt sich dabei von ihrem Kumpel Zack filmen. Dann ist eines der Bänder verschwunden …

Las Vegas
: Die allein erziehende Mutter Nikki Sanders (Ali Larter) steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Da ihr Mann D.L. (Leonard Roberts) im Gefängnis sitzt, verdient sie als Internetstripperin das nötige Geld für sich und ihren Sohn Micha (Noah Gray-Cabey). Um den hochbegabten Mica auf einer Privatschule unterzubringen, hat sie sich Geld vom Unterweltboss Linderman geliehen und der will nun sein Geld sehen. Die Konfrontation mit Lindermans Schlägern enthüllen ein Geheimnis, von dem Nikki bis jetzt nichts wusste: Immer, wenn sie bedroht wird, erleidet sie einen Blackout, während dem ihr gefährliches Alter Ego Jessika die Kontrolle übernimmt.

New York
: Der Maler Isaac Mendes (Santiago Cabrera) kämpft gegen sein Drogenproblem, das ihn bereits die Bezeihung mit seiner Freundin und Kuratorin Simone gekostet hat. Er glaubt außerdem, den Verstand zu verlieren: Die Gemälde, die er im Rausch malt, scheinen die Zukunft vorherzusagen. Als ihn Simone mit einer Überdosis in seinem Atelier findet, ruft die den Krankenpfleger ihres Vaters zu Hilfe: Peter Petrelli. Der entdeckt überrascht ein Bild von Isaac, das ihn selbst beim Fliegen zeigt.

Der junge Programmierer Hiro (!) Nakamura (Masi Oka) aus Tokyo hat entdeckt, dass er das Raum/Zeitkontinuum manipulieren kann: Er kann teleportieren, die Zeit anhalten und sogar durch die Zeit reisen. Zumindest theoretisch. Der Comicfan und Romantiker beschließt sofort, dass seine Fähigkeit ihm zum Held beruft und er sie zum Wohl der Menschheit einzusetzen hat. Den Weg weist bereits sein erster schief gelaufener Zeitsprung: Er strandet in New York, sechs Wochen in der Zukunft, am Tag des Wahlsiegs von Nathan Petrelli. Hiro fällt ein Comicheft von Isaac Mendes in die Hände. Der Held des Comics: Hiro Nakamura. Als Hiro den Maler aufsucht, findet er ihn ermordet und mit geöffneter Schädeldecke vor. Und nur wenig später wird New York von einer atomaren Explosion zerstört. Hiro kann sich gerade noch rechtzeitig ins Japan der Gegenwart teleportieren und macht sich mit seinem besten Freund Ando auf nach Amerika, um die Katastrophe zu verhindern. Als Orientierung benutzen sie den Comic von Isaac Mendes, in dem Abenteuer der beiden bereits vorgezeichnet sind.

Der Polizist Matt Parkman (Greg Gunberg) ist in Los Angeles hinter dem Serienkiller „Sylar“ her, der mit unerklärlichen Methoden arbeitet und seinen Opfern stets das Gehirn entnimmt. Am Tatort eines solchen Doppelmordes kann Matt auf einmal die Gedanken der Menschen in seiner Umgebung hören. Was Matt (noch) nicht weiß: Die Entdeckung seiner Fähigkeit beinhaltet den Schlüssel zum „Sylar“-Fall. Denn Sylar tötet nur Menschen, die wie er eine Fähigkeit entwickelt haben. Bevor Matt jedoch irgendwelche Schlüsse ziehen oder vielleicht seine angeschlagene Ehe durch Gedankenlesen kitten kann, wird er von einer geheimnisvollen Organisation einkassiert und „registriert“. Der Agent, der ihn gefangen nimmt, ist Claire Bennets Adoptivvater (Jack Coleman) …

Und mit solchen Verknüpfungen geht es immer weiter. Die Menschen, die dem Zuschauer in der Pilotfolge vorgestellt werden, haben scheinbar nichts miteinander zu tun, werden aber im Verlauf der Serie immer stärker miteinander verbunden. Immer deutlicher wird ein Netz sichtbar, dass alle „Heroes“ miteinander verbindet: Aus zufälligen Begegnungen werden Freunde, Familienmitglieder entpuppen sich als Regierungsagenten, Unbeteiligte als langjährige Mitwisser, überraschende Verwandtschaftsverhältnisse werden aufgedeckt und eine düstere Zukunft prophezeit, die es im Staffelfinale – gemeinsam – zu verhindern gilt.

Heroes startete im Herbst 2006 auf dem amerikanischen Sender NBC und war auf Anhieb ein riesiger Erfolg. Kein Wunder, denn diese Serie übertrifft qualitativ sogar die meisten Kinofilme und hat ein unglaublich hohes Suchtpotenzial. Wegen der Weihnachts- bzw. Frühjahrsferien wurden zwei mehrwöchige Pausen eingelegt, die entsprechenden Folgen endeten jeweils mit einem ziemlich fiesen Cliffhänger. Als die Fangemeinde deswegen murrte, dachte sich Serienschöpfer Tim Kring für die zweite Staffel, die den Titel Heroes: Generations trägt und ab September in Amerika anläuft, etwas Neues aus. Nach dem selbst für amerikanische Fernsehverhältnisse gewaltigen Siegeszug der Serie ließ NBC Kring freie Hand für ein Lückenfüller-Projekt names Heroes: Origins. Dabei soll in einzelnen, von der Haupthandlung völlig unabhängigen Folgen je ein neuer „Hero“ vorgestellt werden und eventuell in der dritten Staffel zur Haupthandlung dazu stoßen.

Der Plural im Serientitel deutet bereits an, dass die Serie nicht einen Helden, sondern mehrere hat. Etwa ein Dutzend verschiedene Handlungsstränge werden nebeneinander etabliert, überkreuzen sich immer wieder und laufen im Staffelfinale in New York alle zusammen. Diese Struktur erinnert an das Genre des Ensemblefilms. Von einer Hauptfigur lässt sich somit kaum sprechen, auch wenn Peter Petrelli in mancher Hinsicht eine Sonderstellung zukommt. Peter hat keine eigene Fähigkeit, sondern kann die Fähigkeiten von Heroes in seiner Umgebung imitieren und sie auch später wieder abrufen. Dadurch wird er in den Mittelpunkt der Handlung gerückt. Eine Botschaft aus der Zukunft gibt die so etwas wie einen Hauptstrang der Handlung vor. Peter bekommt Besuch von einem älteren, düsteren Hiro aus der Zukunft, der ihm einen Auftrag gibt: „Save the cheerleader, save the world.“ Im ersten Teil der Staffel versucht Peter also zunächst mit Hilfe des jungen Hiro und anhand von Isaacs Bildern, besagten Cheerleader (wie zu erwarten: Claire Bennet) ausfindig zu machen und zu retten.

Zusätzlich dienen noch zwei aus der Handlungslinie herausstechende Folgen als Strukturelemente. Beide verlegen die Handlung komplett auf eine jeweils andere Zeitebene. In Folge 10 („Six Months Earlier“) hat sich Hiro versehentlich sechs Monate in die Vergangenheit teleportiert. Parallel zu den Erlebnissen Hiros in der Vergangenheit werden auch die anderen Charaktere zum selben Zeitpunkt gezeigt und ein Stück ihrer Vorgeschichte enthüllt. Einen ähnlichen Fehler unterläuft Hiro noch einmal in Folge 20 („Five Years Gone“), als es ihn fünf Jahre in die Zukunft verschlägt, wo die Bombe, die Hiro bei seinem ersten Zeitsprung sieht, New York zerstört hat und Menschen mit Fähigkeiten verfolgt und eingesperrt werden. Im zweiten Teil der Staffel muss die Explosion verhindert werden.

Zu den Verknüpfungselementen, die die Handlungsstränge immer wieder aufeinander zu laufen lassen, gehört auch die Tatsache, dass die Genmutation nicht nur spontan auftreten kann, sondern auch vererblich ist. Nicht von ungefähr entwickeln etwa beide Petrelli Brüder Fähigkeiten. Dadurch ist eine zweitere, ältere Generation von Heroes vorhanden, die ihre Fähigkeiten schon länger hat und sich im Hintergrund verborgen hält. Ein weitere wichtige Verbindung ist die „Company“, eine geheimnisvolle Schattenorganisation, die bei einer solchen Thematik natürlich nicht fehlen darf. Diese schwierig einzuordnende Organisation tritt zunächst nur durch Mr. Bennet in Erscheinung (Running Gag der Serie: Mr. Bennets Vornamen erfährt man erst im Staffelfinale). Menschen mit Fähigkeiten werden entführt, untersucht und nach ihrer Freilassung ständig auf Gefährlichkeit überwacht.

Die Schauspieler von Heroes sind größtenteils neue Gesichter. Mit dem fortschreitenden Erfolg der Serie tauchen in der zweiten Hälfte der Staffel ab und zu größere Namen in Nebenrollen auf, z. Bsp. Christopher Eccleston (Doctor Who), George Takei (Mr. Sulu aus Star Trek) oder Malcolm McDowell. Die Optik der Serie zeichnet sich durch eine düstere Grundstimmung und phänomenale Bilder aus. Den verschiedenen Handlungsorten werden bestimmte Farben zugeordnet, in denen die Szenerie gehalten wird, z. Bsp. New York: Blauschwarz. Die Serie wird mit viel Liebe zum Detail umgesetzt. Als wiederkehrendes Element dient beispielsweise ein bestimmtes Symbol, das das Genmerkmal repräsentiert und in den Handlungssträngen immer wieder unauffällig ins Bild rutscht, z.B. auf einem Gemälde, einer Tätowierung oder einer Halskette, ohne jedoch näher erklärt zu werden.

Ab dem 10. Oktober soll die erste Staffel dieser – um noch einmal meine ganz und gar objektive Behauptung aus dem Teaser zu wiederholen – beste aller Fernsehserien auf RTL II laufen. Bitte vom Sender auf keinen Fall abschrecken lassen, denn diese Serie ist auf jeden Fall einen Blick wert!

Fazit: Ein neues Serienkonzept, in Kinoqualität umgesetzt. Macht nach spätestens zwei Folgen süchtig. 10 von 10 Punkten.


Der Wissenschaftler: Mohinder (Sendhil Ramamurthy).

Unverwundbar: Claire (Hayden Panettiere).

Die Frau im Spiegel: Nikki/Jessika (Ali Larter).
Sarah Böhlau, 8. August 2007. Bilder: NBC

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