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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 3. Januar 2019

Wie habt ihr denn Silvesterabend 2018 so gestaltet? Ich für meinen Teil habe mir den gefeierten Genre-Streifen “Mandy” angesehen, mit Nicolas Cage in seiner vermutliche besten Performance seit Jahren.

 

Young Sheldon

Von Marius Joa. Publiziert am 26. Dezember 2018

Als eine der zentralen Figuren der Nerd-Sitcom The Big Bang Theory avancierte der hochbegabte, aber sozial inkompetente Physiker Sheldon Cooper gleichsam wie Darsteller Jim Parsons zum Publikumsliebling. Doch wie gestaltete sich die Kindheit des Genies? Diesem Thema widmet sich Young Sheldon.

Young Sheldon
Comedyserie USA 2017/18. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 22 Folgen (Staffel 1). Gesamtlänge: ca. 420 Minuten. TV-Erstausstrahlung: 8. Januar 2018.
Mit: Iain Armitage, Zoe Perry, Lance Barber, Montana Jordan, Raegan Revord, Annie Potts u.a. Idee: Chuck Lorre und Steven Molaro.

 

 

Die zwei Seiten des Genie-Daseins

Medford, im US-Bundesstaat Texas, 1989. Die Coopers könnten eigentlich eine ganz normale amerikanische Familie sein. Vater George (Lance Barber) arbeitet als Football-Trainer an der hiesigen Highschool. Mutter Mary (Zoe Perry) kümmert sich um Haushalt und Kinder, sorgt außerdem für die Einhaltung christlich-konservativer Werte. Der 14jährige Georgie (Montana Jordan) und die 9jährige Missy (Raegan Revord) sind zwar nicht die hellsten, aber insgesamt doch recht normale Kinder. Ganz im Gegensatz zum dritten Cooper-Sprössling. Sheldon (Iain Armitage), Missys Zwillingsbruder, ist ein absolutes Wunderkind. Nicht nur, dass der Junge über ein eidetisches Gedächtnis verfügt und sich bereits im Grundschulalter mit komplexen wissenschaftlichen Vorgängen beschäftigt, der Knirps hat die Schule im Eiltempo durchlaufen und besucht dieselbe Klasse wie sein fünf Jahre älterer Bruder. Allerdings plagen den Neunjährigen auch diverse Phobien und in sozialer Hinsicht erscheint Sheldon nicht sehr kompetent, vor allem da er seine intellektuelle Überlegenheit immer zur Schau trägt. Keine einfache Lebenssituation, weder für das kleine Genie selbst noch seine Familie. Doch glücklicherweise gibt es da noch Großmutter Meemaw (Annie Potts), deren Lockerheit nicht selten den Tag rettet…

Seit September 2018 läuft in den USA die 12. Staffel der von Chuck Lorre (Mom, Two and a half Men) und Bill Prady (The Muppets.) erschaffene Sitcom The Big Bang Theory. Im Zentrum der Serie über nerdige, sozial unbeholfene Wissenschaftler in Pasadena und ihre “normale” Nachbarin/Freundin steht nicht selten der hochbegabte theoretische Physiker Dr. Sheldon Cooper. Dass sich nach über 10 Staffeln und um die 250 Episoden die Sache aber dann irgendwann totgeritten hat, erkannte mittlerweile auch Sheldon-Darsteller Jim Parsons, dem die Rolle nicht nur horrende Gagen (aktuelle ca. 1 Million Dollar pro Folge, die jeweils an einem einzigen Tag aufgezeichnet wird!) sondern auch einen Golden Globe und vier Emmy Awards einbrachten. Und so wird die ab Anfang Januar 2019 auf Pro Sieben ausgestrahlte Staffel 12 die letzte sein. Ein mehr als weise, wenn auch etwas zu späte Entscheidung. Denn obwohl sich die Figuren im Verlauf der Serie überwiegend weiterentwickelt haben, so bedient “TBBT” auch nach über zehn Jahren die gleichen Muster und wärmt nicht selten uralte Gags wieder auf. Bei einer Nettoepisodenlaufzeit von kaum mehr als 17 Minuten fällt es den Autoren logischerweise auch schwer, eine halbwegs ausgearbeitete Geschichte zu erzählen. Doch ausgerechnet das seit Herbst 2017 in Amerika gestartete Spin-Off Young Sheldon, von welchem ich persönlich im Vorfeld nur einen unnötigen, schalen Aufguss erwartet hatte, gewinnt der Thematik neue Facetten ab.

Gab sich die Mutterserie einige Jahre damit zufrieden, einen Großteil der Scherze auf Kosten der Nerds zu zelebrieren und somit den gängigen Mechanismen der klassischen Sitcom zu folgen, so packen es Lorre und Molaro beim Prequel über den texanischen Wunderknaben anders an, verzichten vor allem auf das bekannte Multikamerasetting. Young Sheldon erinnert eher an Familien-Comedyshows wie Malcolm mittendrin oder The Middle, nur ohne die neurotisch-überzogenen Figuren. Stattdessen überrascht der überwiegende, positive Tonfall und die liebevolle Art des Umgangs mit den Charakteren. Mit großer Nostalgie kommentiert der „alte Sheldon“ Jim Parsons (in der deutschen Fassung dessen bekannte Stimme Gerrit Schmidt-Foß) zwischenzeitlich das Geschehen der Kindheit mit der rückblickenden Weisheit des Erwachsenen. Am stärksten gelingt jedoch die ambivalente Darstellung der Familiensituation. Denn Young Sheldon begnügt sich nicht damit, die Handlung nur aus der Sicht des jungen Genies zu reflektieren, sondern macht auch die Sichtweise der Personen in dessen direktem Umfeld zur weiteren zentralen Perspektive. Nicht nur Sheldon hat es schwer in der einfach gestrickten Welt des Texas Ende der 1980er seinen Platz zu finden, auch seine Eltern und Geschwister haben mit den Besonderheiten des Knaben zu kämpfen. Dabei behält sich die Serie immer wieder seine Liebenswürdigkeit, selbst im Angesicht großer Konflikte. Im Verlauf geht Staffel eins allerdings inhaltlich leider etwas die Luft aus. Weniger als 22 Episoden hätten es eben auch getan.

Nach der Free-TV-Premiere von Januar bis März bzw. September bis November 2018 erschien die erste Staffel von Young Sheldon am 6. Dezember 2018 auf DVD und BluRay. Ab 7. Januar 2019 startet die Ausstrahlung von Staffel 2 auf Pro Sieben.

Fazit: Über weite Strecken gelingt es dem Spin-Off der Figur des Sheldon Cooper und seinem Umfeld neue Facetten abzugewinnen, vor allem dank einer menschlichen Ambivalenz, welche die Originalserie The Big Bang Theory ziemlich vermissen lässt. 7 von 10 Punkten.

Sheldons Eltern und Meemaw
Sheldon entdeckt die Comicwelt

 

Marius Joa, 26. Dezember 2018. Bilder: Warner/Pro Sieben.

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Rubrik TV

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