Entstand der erste Film, Asterix der Gallier, noch ohne Beteiligung der Comic-Schaffenden Goscinny und Uderzo so übernahm das Duo bei Asterix und Kleopatra die kreative Kontrolle und die Regie. Im zweiten Teil der beliebten Reihe verschlägt es Asterix, Obelix und Co nach Ägypten, wo sie einem alten Freund von Miraculix helfen wollen.
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Asterix und Kleopatra (Astérix et Cléopâtre)
Zeichentrickfilm Frankreich, Belgien 1968. FSK: Freigegeben ab 6 Jahren. 69 Minuten (PAL-DVD). Kinostart: 20. März 1970.
Deutsche Sprecher*innen: Hans Hessling (Asterix), Edgar Ott (Obelix), Klaus W. Krause (Miraculix), Ursula Herwig (Kleopatra), Walter Bluhm (Numerobis), Martin Hirthe (Pyradonis), Klaus Miedel (Schraubziris), Siegfried W. Schürenberg (Julius Cäsar) u.v.a. Nach dem Comicband von René Goscinny und Albert Uderzo. Drehbuch: Jos Marissen, Eddie Lateste, Pierre Tchernia. Regie: René Goscinny und Albert Uderzo.

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Von Architekten in Ägypten
Um 50 vor Christus. Während seine Legionen bis auf ein Dorf im Nordwesten ganz Gallien erobert haben und besetzt halten schließt Julius Cäsar (deutsche Stimme: Siegfried W. Schürenberg) mit Ägyptens stolzer Königin Kleopatra (Ursula Herwig) eine Wette ab. Wenn es einem ihrer Architekten gelingt innerhalb von drei Monaten einen Palast zu erbauen, dann will er ihre Kultur als der römischen gleichwertig anerkennen. Den Zuschlag für das ambitionierte Bauprojekt erhält der geschätzte Architekt Numerobis (Walter Bluhm), wobei die von ihm erbauten Gebäude nicht sehr stabil sind und ihm beim Scheitern des Projektes droht, von Kleopatras heiligen Krokodilen gefressen zu werden.
In seiner Verzweiflung reist Numerobis in das gallische Dorf, um seinen alten Freund, den Druiden Miraculix (Klaus W. Krause), um Rat zu fragen. Begleitet von Asterix (Hans Hessling), Obelix (Edgar Ott) und dem kleinen Hund Idefix reist der Druide nach Ägypten, um den Architekten bei seinem gigantischen Bauvorhaben zu unterstützen. Pyradonis (Martin Hirthe), der hinterhältige Konkurrent von Numerobis, und sein Handlanger Schraubziris (Klaus Miedel), schmieden unterdessen finstere Plänen, um den Bau des Palastes zu sabotieren…

Während meiner Kindheit bzw. Jugend in den 1990ern wurden die ersten sechs Teile der Zeichentrick-Filmreihe über den berühmten Gallier – Asterix der Gallier (1967), Asterix und Kleopatra (1968), Asterix erobert Rom (1976), Asterix – Sieg über Cäsar (1985), Asterix bei den Briten (1986) und Asterix – Operation Hinkelstein (1989) – mindestens einmal pro Jahr im Fernsehen wiederholt und gehörten damit zu den absoluten TV-Dauerbrennern. Den siebten Teil, Asterix in Amerika (1994), konnte ich sogar im Kino sehen. Für den achten und bis heute letzten überwiegend „traditionell“ gezeichneten Film, Asterix und die Wikinger (2006), unternahm die Vieraugen Kino-Redaktion vor zwanzig Jahren sogar einen Kurztrip in die Schweiz, um sich dort die schweizerdeutsche Fassung auf der großen Leinwand zu gönnen.
René Goscinny (1926-1977) und Albert Uderzo (1927-2020), die Schöpfer der bekannten Comic-Figur und ihrer gezeichneten Abenteuer, erfuhren von der Produktion des ersten Asterix-Zeichentrickfilms erst als dieser schon fertig war. Beim zweiten Streifen war das Duo direkt involviert und führte Regie. Asterix und Kleopatra, basierend auf dem fünften (in Deutschland dem zweiten) Band der Comicserie, kam ein Jahr nach Asterix der Gallier am 19. Dezember 1968 in die französischen Kinos. In Westdeutschland war der Film ab 20. März 1970 auf der großen Leinwand zu sehen und damit über ein Jahr vor (!) dem Vorgänger (Kinostart: 16. Juli 1971).
Während den zahllosen Sichtungen gehörten Asterix und Kleopatra und sein direkter Nachfolger Asterix erobert Rom immer zu meinen ungeschlagenen Favoriten. Die letzten Male sind bestimmt fünfzehn Jahre oder länger her. Ohne die im Privatfernsehen üblichen ausufernden Werbeunterbrechungen ist die Laufzeit recht kurz, wie auch schon beim ersten Teil. Vom Plot her steigert sich die Reihe hier zwar im Vergleich zum eher gemächlichen Vorgänger, doch wirklich ausgefeilt scheint die Handlung nicht. Nachdem die drei Gallier mit Numerobis in Ägypten ankommen kämpfen sie die meiste Zeit ein wenig mit den vom bösen Pyradonis herbeigeführten Widerständen, welche für die im Grunde fast Unbesiegbaren selten ein wirkliches Hindernis darstellen. Ein Schluck vom übermenschliche Kräfte verleihenden Zaubertrank (außer für den dicken Obelix, denn der ist als Kind in den Kessel gefallen und seitdem dauerhaft megastark) und fast jedes Problem wird gelöst.
Dennoch macht Asterix und Kleopatra auch viele Jahre später immer noch sehr viel Spaß, vor allem wegen der auch in den Comics verwendeten, zahlreichen Anspielungen und (teils anachronistischen) Referenzen, vor allem in Bezug auf die überlebensgroße, titelgebende Herrscherin Ägyptens. Wer schon immer mal wissen wollte, warum die Große Sphinx von Gizeh keine Nase mehr hat, wird hier eine augenzwinkernde „Erklärung“ finden. Dazu gibt es eine ganze Reihe von Running Gags, sowohl innerhalb der Handlung dieses Streifens als auch die ganze Filmreihe umfassend. Und drei einfach herrliche Musical-Nummern mit Ohrwurmgarantie: die singende Kleopatra beim Baden (inklusive ihres scattenden Löwen!), Obelix Traum vom Essen und das wundervoll bissige Duett von Pyradonis und seinem Handlanger bei der Zubereitung des giftigen Kuchens.
Und das bekannte Asterix-Thema von Komponist Gérard Calvi bleibt natürlich gleichermaßen ein Evergreen. So viel Charme, Witz und Dynamik erreichten die späteren Filme (auch die Realfilme) zumindest nach meiner Erinnerung nicht mehr. Anfang der 2000er wurde die Vorlage übrigens erneut adaptiert, als Asterix und Obelix – Mission Kleopatra (2002), dem zweiten Teil der Spielfilmreihe.
Asterix und Kleopatra ist auf DVD und BluRay sowie als Stream bei mehreren Anbietern erhältlich. Am 14. Januar 2027 kommt der Zeichentrickfilm wieder für einen Tag in die Kinos.
Fazit: Mit Asterix und Kleopatra gelang den Comic-Schöpfern Goscinny und Uderzo als Regisseuren nicht nur eine spaßige Adaption des gleichnamigen Bandes, sondern auch ein kurzweilig-amüsanter und recht zeitloser Zeichentrickklassiker.
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Marius Joa, 12. August 2026. Bilder: Studiocanal.


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