Er gehört mit Sicherheit zu den größten und besten Filmen aller Zeiten. Im Unter Vieraugen-Podcast besprechen Marius und Johannes den Film in der August-Folge (erscheint in der zweiten Augustwoche). Was zeichnet den Film aus? Und warum langweilt er auch heute, fast 70 Jahre später, nicht?
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Monumentalfilm USA 1959. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 212 Minuten (Blu-ray, inklusive Ouvertüre, Pause und Entr’acte). Kinostart: 26. Februar 1960 (Deutschland).
Mit: Charlton Heston, Stephen Boyd, Jack Hawkins, Hugh Griffith, Haya Harareet, Martha Scott, Cathy O’Donnell, Sam Jaffe u.v.a. Drehbuch: Karl Tunberg (nach dem Roman von Lew Wallace). Regie: William Wyler.

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Ein Film, der seit meiner frühesten Jugend präsent ist
Judah Ben-Hur, der Sohn einer angesehenen jüdischen Familie in Jerusalem, trifft nach vielen Jahren seinen Jugendfreund Messala wieder. Während Messala als Tribun im Dienst des Römischen Reiches Karriere gemacht hat, hält Ben-Hur an seinen Überzeugungen und seiner Heimat fest. Aus der Freundschaft entwickelt sich eine erbitterte Feindschaft, die Ben-Hur alles kostet. Getrieben von Rache und dem Wunsch, seine Familie wiederzufinden, begibt er sich auf einen langen und gefährlichen Weg, der ihn schließlich zu einem legendären Wagenrennen führt. Parallel dazu begegnet er immer wieder einem Mann aus Nazareth, dessen Leben und Wirken die Geschichte auf besondere Weise begleitet.
Es gibt Filme, die sind groß. Und es gibt Filme, die größer sind als das Kino selbst. Ben-Hur gehört für mich ohne jeden Zweifel in die zweite Kategorie. Auch mehr als 65 Jahre nach seiner Entstehung hat dieser Monumentalfilm nichts von seiner Faszination verloren. Im Gegenteil: Gerade heute, in einer Zeit, in der viele Blockbuster vor allem auf digitale Effekte setzen, beeindruckt Ben-Hur durch seine Größe, seine Handarbeit und seine epische Erzählweise mehr denn je.
Dabei war der Stoff schon lange vor William Wylers Version erfolgreich. Bereits 1907 entstand eine erste, heute weitgehend vergessene Kurzfilmfassung. Deutlich bekannter wurde die aufwändig produzierte Stummfilmversion von 1925, die damals zu den teuersten Produktionen überhaupt gehörte und insbesondere mit ihrem spektakulären Wagenrennen Maßstäbe setzte. Dass MGM den Stoff gut drei Jahrzehnte später erneut verfilmte, war also durchaus ein Wagnis – eines, das sich eindrucksvoll auszahlen sollte. Denn die Version von 1959 übertraf ihre Vorgänger in nahezu jeder Hinsicht und wurde selbst zum Maßstab für das gesamte Monumentalkino.
Schon die ersten Minuten machen deutlich, dass hier etwas Besonderes beginnt. Die Ouvertüre erklingt noch vor dem ersten Bild, danach entfaltet sich eine Geschichte, die sich erstaunlich viel Zeit nimmt. Doch genau das ist eine ihrer größten Stärken. Ben-Hur hetzt nie von einer spektakulären Szene zur nächsten. Stattdessen entwickelt sich die Handlung ganz natürlich, lässt ihre Figuren wachsen und gibt ihnen Tiefe. Dadurch funktioniert der Film auch nach fast vier Stunden Laufzeit hervorragend. Langweilig wird er eigentlich nie.
Das liegt vor allem daran, dass die Geschichte unglaublich abwechslungsreich erzählt wird. Politisches Drama, Freundschaft, Verrat, Abenteuer, Familienschicksal, Seeschlacht, Wagenrennen und schließlich eine spirituelle Ebene – all das fügt sich zu einem stimmigen Ganzen zusammen. Jeder Abschnitt des Films fühlt sich anders an und trotzdem wirkt nichts zusammengewürfelt.
Ein ganz wesentlicher Grund dafür ist Charlton Heston. Seine Darstellung des Judah Ben-Hur gehört zu den größten Schauspielerleistungen des klassischen Hollywoodkinos. Heston verleiht seiner Figur Würde, Stärke und Menschlichkeit zugleich. Man nimmt ihm den stolzen Fürstensohn genauso ab wie den gebrochenen Galeerensklaven oder den Mann, der von Rache getrieben wird. Trotz aller Größe wirkt seine Darstellung nie überzogen. Gerade diese Mischung aus Entschlossenheit und Verletzlichkeit macht Ben-Hur zu einer Figur, mit der man über die gesamte Laufzeit mitfühlt.
Nicht minder beeindruckend ist Stephen Boyd als Messala. Seine Figur ist weit mehr als nur der klassische Gegenspieler. Die einstige Freundschaft zwischen beiden Männern verleiht ihrem Konflikt eine emotionale Tiefe, die das berühmte Wagenrennen später noch intensiver wirken lässt.
Natürlich muss man über genau diese Szene sprechen. Das Wagenrennen gehört bis heute zu den spektakulärsten Sequenzen der Filmgeschichte. Und das völlig zurecht. Hier wurden keine Computer eingesetzt, sondern echte Pferde, nachgebaute Wagen und riesige Kulissen. Noch heute entwickelt diese Szene eine unglaubliche Dynamik und Spannung. Man spürt förmlich den Staub, hört das Donnern der Hufe und fiebert mit jeder Runde mit. Dass dieses Rennen auch nach Jahrzehnten noch oft als Referenz genannt wird, kommt nicht von ungefähr.
Überhaupt beeindrucken die Kulissen während des gesamten Films. Ob Jerusalem, die Galeeren, die Villen der Römer oder die riesige Arena – alles wirkt greifbar und lebendig. Man merkt in jeder Einstellung, wie viel handwerklicher Aufwand hinter dieser Produktion steckt. Es entsteht eine Welt, die den Zuschauer vollständig in ihren Bann zieht.
Besonders gefällt mir aber, dass Ben-Hur weit mehr ist als ein Monumentalfilm voller Massenszenen. Immer wieder wird die Geschichte in einen größeren Zusammenhang eingeordnet – nämlich durch die Begegnungen mit Jesus von Nazareth. Diese Szenen drängen sich nie in den Vordergrund. Jesus bleibt oft bewusst im Hintergrund, man sieht ihn nur von hinten oder aus der Distanz. Gerade dadurch entfalten diese Momente eine besondere Wirkung. Sie verleihen der Geschichte einen ruhigen, beinahe zeitlosen Rahmen. Ben-Hur und Jesus sind ungefähr Zeitgenossen, und ihre Lebenswege kreuzen sich immer wieder auf ganz natürliche Weise. Dadurch erhält die persönliche Geschichte Ben-Hurs eine zusätzliche Ebene, die den Film weit über ein gewöhnliches Historienepos hinaushebt.
Bemerkenswert ist außerdem, wie respektvoll diese biblischen Bezüge umgesetzt wurden. Sie wirken nie aufgesetzt oder belehrend, sondern fügen sich organisch in die Handlung ein. Am Ende entsteht das Gefühl, dass die Geschichte von Judah Ben-Hur nur ein kleiner Teil einer viel größeren Geschichte ist.
Wer heute zum ersten Mal einen Film von 1959 sieht, muss sich natürlich auf ein anderes Erzähltempo einstellen. Ben-Hur nimmt sich Zeit für seine Figuren und für den Aufbau seiner Geschichte. Wer ausschließlich moderne Blockbuster gewohnt ist, könnte das anfangs als ungewohnt empfinden.
Auch die Laufzeit von fast vier Stunden schreckt manche Zuschauer sicherlich zunächst ab. Aber sie ist vollkommen gerechtfertigt. Gerade weil der Film seine Geschichte in dieser Ruhe erzählen darf, entsteht seine außergewöhnliche Wirkung. Einzig das Ende kommt etwas abrupt, einige Minuten „Nachklang“ wären schön gewesen.
Fazit: Ben-Hur ist für mich einer der größten Monumentalfilme aller Zeiten – vielleicht sogar der größte. William Wyler verbindet spektakuläre Bilder mit einer mitreißenden Geschichte, großartigen Schauspielern und einer emotionalen Tiefe, die weit über das hinausgeht, was man von einem Historienfilm erwarten würde. Charlton Heston liefert eine seiner besten Leistungen ab, die Kulissen und Massenszenen sind bis heute beeindruckend, und die Einbindung der biblischen Geschichte verleiht dem Film eine zusätzliche Bedeutungsebene. Trotz seiner fast vier Stunden Laufzeit verliert Ben-Hur nie seine Spannung und schafft es immer wieder, den Zuschauer emotional mitzunehmen. Das macht ihn für mich zu einem zeitlosen Meisterwerk und zu einem Film, den man immer wieder ansehen kann. Daher 10 von 10 Punkten.
Bilder: Reynold Brown – impawards.com (gemeinfrei),


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