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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 22. Januar 2023

Die abrupte, einseitige Kündigung einer Freundschaft auf der titelgebenden Insel, davon handelt Regisseur Martin McDonaghs (“Brügge sehen…und sterben?”, “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”) neuester Film, “The Banshees of Inisherin”.

 

Friendship’s Death

Von Marius Joa. Publiziert am 3. Dezember 2022

Filmtheoretiker Peter Wollen macht auch selbst Filme. Beim vor 35 Jahren veröffentlichen Scifi-Kammerspiel Friendship’s Death führte er zum einzigen Mal alleine Regie. In einer der beiden Hauptrollen agiert die junge Tilda Swinton.

Friendship’s Death
Science-Fiction-Drama UK 1987. 72 Minuten.
Mit: Bill Paterson, Tilda Swinton u.a. Drehbuch und Regie: Peter Wollen.

Die Frau, die vom Himmel fiel

Jordanien, September 1970. Der britische Journalist Sullivan (Bill Paterson) berichtet von einem Hotel in Amman aus über den Bürgerkrieg zwischen der jordanischen Armee und palästinensischen Milizen. Er trifft auf eine junge Frau (Tilda Swinton), die von den Soldaten aufgegriffen wurde und die keinen Pass bei sich trägt. Sullivan hält die Frau für eine Studentin, doch erklärt sie, ein Alien aus dem Sternensystem Prokyon zu sein, welches als Friedensbotschafter auf die Erde gesandt wurde. Ihr eigentlicher Zielort war das Massachussetts Institute of Technology in den USA, doch ihr Raumschiff hatte eine Fehlfunktion, weswegen sie in Amman gestrandet ist. Während draußen weiterhin der bewaffnete Konflikt tobt lernen sich Sullivan ud die Außerirdische über lange Gespräche besser kennen. Sie erzählt ihm von ihrem Heimatplaneten und ihrer Mission. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Freundschaft, Gemeinsam philosophieren sie über den Sinn des Krieges und der menschlichen Existenz…

Peter Wollen (1938-2019) war ein britischer Filmtheoretiker und Politjournalist. Seine Schrift Signs and Meaning in the Cinema (1969) zählt zu den einflussreichen Werken der Filmwissenschaft. Bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2005 arbeitete Wollen unter anderem für das British Film Institute und als Professor an der University of California in Los Angeles. Neben seiner Beteiligung an Michelangelo Antoniolis Psychodrama Beruf: Reporter (1975) schrieb und inszenierte Wollen fünf abendfüllende Spielfilme und zwei Kurzfilme, sechs davon gemeinsam mit seiner ersten Ehefrau, der Medienwissenschaftlerin Laura Mulvey. Seine einzige allein verantwortete Regie-Arbeit war Friendship’s Death, welche ihre Premiere im August 1987 feierte und Februar 1988 auch bei der Berlinale gezeigt wurde.

Als „Schwarzer September“ ging der von September 1970 bis Juli 1971 andauernde jordanische Bürgerkrieg zwischen dem einheimischen Militär und Milizen der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) in die Geschichtsbücher ein. Wollen wählte diesen Konflikt als Setting für den vorliegenden Film aus. Die Handlung spielt sich fast ausschließlich in den Räumlichkeiten des Hotels ab und mit wenigen Ausnahmen, wie gelegentlich hereinstürmenden Soldaten, sind der Journalist und die außerirdische Besucherin die einzigen Figuren. Gedreht wurde nicht vor Ort in Jordanien, sondern in den Twickenham Studios in London. Ansonsten wurden authentische Archivaufnahmen von Kämpfen und Anschlägen vom September 1970 eingefügt.

Das Resultat dieses reduzierten Settings und der überschaubaren Figurenkonstellation ist ein kurioses, bisweilen etwas schmucklos-zähes Scifi-Kammerspiel, das sich für mich als großer Fan von Tilda Swinton nicht nur seinen Reiz aus ihrer präzisen, sich im Verlauf der Geschichte leicht wandelnden Performance mit Kostümwechseln zieht, sondern auch in den Konversationen der Außerirdischen mit dem Journalisten. Diese drehen sich natürlich auch um den draußen tobenden Krieg im Besonderen, aber auch um die Besonderheiten und Widersprüchlichkeiten der menschlichen Existenz im Allgemeinen, vor allem aus der Sicht der extraterrestrischen Botschafterin, welche sich zudem als Androidin zu erkennen gibt. Im Epilog fühlt man sich dann etwas an Stanley Kubricks 2001 – Odyssee im Weltraum (1968) erinnert, wobei sich der Science-Fiction-Anteil passend zum minimalistischen Charakter des Werkes ziemlich in Grenzen hält. Sicherlich kein Film für den Massengeschmack, aber ein interessanter Beitrag im Frühwerk Tilda Swintons.

Friendship’s Death ist aktuell Teil des Angebots vom Arthouse-Streaminganbieter MUBI, allerdings leider nicht in der digital restaurierten Fassung, die im Vereinigten Königreich auf BluRay erschien.

Fazit: Reduziertes Kammerspiel und philosophisches Zwei-Personenstück vor dem Hintergrund des Bürgerkrieges in Jordanien. 7 von 10 Punkten.

Marius Joa, 3. Dezember 2022. Bilder: BFI/MUBI.

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Rubrik BluRay/DVD

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