Nach der Pilotfolge zu Twin Peaks wandte sich David Lynch erst einmal wieder dem Kino zu und drehte seinen fünften Spielfilm als Regisseur. In Wild at Heart macht sich das Paar Sailor und Lula auf eine Reise durch den Süden der USA, verfolgt von einem Privatdetektiv und Killern, die Lulas Mutter beauftragt hat.
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Wild at Heart
Road-Movie/Drama/Thriller USA 1990. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 120 Minuten (PAL-DVD). Kinostart: 20. September 1990.
Mit: Nicholas Cage, Laura Dern, Diane Ladd, J.E. Freeman, Willem Dafoe, Harry Dean Stanton, Isabella Rossellini u.a. Nach dem Roman von Barry Gifford. Drehbuch und Regie: David Lynch.

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„Weird on top.“
In Cape Fear, North Carolina, wird der Kleinkriminelle Sailor (Nocholas Cage) bei einer edlen Abendveranstaltung von einem Mann mit einem Messer angegriffen. Sailor prügelt den Angreifer zu Tode und landet im Gefängnis. 22 Monate später kann er es nach der Entlassung kaum erwarten, seine Geliebte Lula (Laura Dern) wieder in die Arme zu schließen. Doch Lulas dominante Mutter Marietta (Diane Ladd) ist gegen die Verbindung. Als Sailor und Lula zu einem Roadtrip aufbrechen schickt ihnen Marietta den Privatdetektiv Johnnie Farragut (Harry Dean Stanton) hinterher. Außerdem engagiert sie den lokalen Gangster Marcello Santos (J.E. Freeman), welcher wiederum Killer auf das Paar ansetzt…
Direkt nach der Fertigstellung des Pilotfilms von Twin Peaks drehte David Lynch im Sommer/Herbst 1989 seine fünfte Regie-Arbeit für die große Leinwand, indem er den gerade erschienenen Roman Wild at Heart von Autor Barry Gifford adaptierte. Für die zentralen Hauptrollen der titelgebenden „star-crossed lovers“ wurden Laura Dern, die bereits bei Lynchs vorherigem Film Blue Velvet mit von der Partie gewesen war, und Nicholas Cage (Arizona Junior, Mondsüchtig) verpflichtet. Nach der Weltpremiere bei den Filmfestspielen von Cannes 1990 gewann der Film mit der Goldenen Palme den Hauptpreis. Von Zuschauer*innen und Filmkritiker*innen wurde Wild at Heart damals gemischt aufgenommen, avancierte aber in den Folgejahren zum Kultfilm.
Warum Lynchs fünfter Spielfilm als Regisseur vor 36 Jahren für Aufsehen gesorgt und sich seinen Kultstatus erarbeitet hat kann ich nach der ersten Sichtung durchaus nachvollziehen. Lynch hat hier einen explosiven Cocktail aus überhöhter, sexuell aufgeladener Liebesgeschichte mit Anleihen bei Bonnie & Clyde, Road-Movie, Southern-Gothic-Drama und reißerisch-brutalem Gangsterfilm geschaffen. Als konstant wiederholtes Motiv dient das Feuer: Ein verheerender Brand, der Lulas Vater tötet, ein wiederholt angedeutetes „Inferno“ von angezündeten Zigaretten und das trocken-staubige Setting im Süden der USA (North Carolina, Louisiana, Texas).

Zusätzlich zu allerlei Kompromisslosigkeit und drastischer Vorgänge verleiht Lynch dem Geschehen wieder eine für ihn typische alptraumhaft-groteske und überzeichnete Note. Abseits des stimmigen Hauptplots droht Wild at Heart aus meiner Sicht zwischenzeitlich zu zerfasern, wenn er weitere, teils obskure Nebenfiguren präsentiert, die sich nicht so gut in die Geschichte einfügen. Diese Szenen wirken eher merkwürdig. Ein für Lynch bekanntes Markenzeichen, nur funktioniert es hier nicht so gut wie in seinen anderen Filmen.
Wesentlich besser wirkt der Soundtrack, welcher Metal der Band Powermad mit alten Hits von Elvis Presley kombiniert. Außerdem gibt es mehrere Referenzen an den Musical-Klassiker Der Zauberer von Oz (1939), was dem Geschehen einen phantastischen Anstrich verleiht. Nicholas Cage als verwegener Sailor (nur echt mit Schlangenlederjacke) und Laura Dern als leidenschaftliche Lula sind als Hauptdarsteller-Duo perfekt. Dazu kommen weitere starke, eindrucksvolle Performances, vor allem von Laura Derns Mutter Diane Ladd als tyrannischer White-Trash-Lady Marietta und Willem Dafoe als unfassbar widerlichem Bobby Peru. Auch Isabella Rossellini war nach Blue Velvet wieder dabei, allerdings nur in einem eher kleinen Part. Weitere Nebenrollen sind zum Teil mit Schauspieler*innen aus Twin Peaks besetzt, nämlich Sherilyn Fenn (Aubrey Horne), Grace Zabriskie (Sarah Palmer), Sheryl Lee (Laura Palmer) und Lynchs Dauerbrenner Jack Nance (Pete Martell).
Wild at Heart von David Lynch ist auf DVD und BluRay sowie als kostenpflichtiger Stream bei diversen Anbietern erhältlich.
Fazit: Verstörende, stark inszeniert und gespielte, aber inhaltlich etwas zerfahrene Mischung aus Road-Movie und Südstaaten-Reißer.
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Marius Joa, 28. Juni 2026. Bilder: Universal/Arthaus.


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