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Von Marius Joa. Publiziert am 8. September 2019

Ed Wood (1924-1978) gilt gemeinhin als der schlechteste Regisseur aller Zeiten. Vor 60 Jahren erschien sein “Opus Magnum”: der Alien-Horror-Streifen “Plan 9 from Outer Space”…

 

Die Hollywood-Verschwörung

Von Sarah Böhlau. Publiziert am 21. Februar 2007

1959 wird George Reeves, Hauptdarsteller der beliebten Fernsehserie Superman,  mit einer Kugel im Kopf in seinem Haus aufgefunden. Die Umstände blieben ungeklärt. Allen Coulters Die Hollywood-Verschwörung  hat sich des Falls wieder angenommen. Sarah Böhlau berichtet, was dabei herauskam.

(Hollywoodland)
Noir-Thriller, USA 2006; 126 Minuten. FSK ab 12. Regie: Allen Coulter. Drehbuch: Paul Bernbaum.
Darsteller: Adrien Brody, Ben Affleck, Diane Lane, Bob Hoskins u.v.a.

Mann aus Stahl

Hollywood, Ende der 40er Jahre: George Reeves (Ben Affleck) ist ein ehrgeiziger junger Schauspieler, der in angesagten Bars um Fotografen und Stars herumschleicht und nach ein paar kleinen Rollen endlich den großen Durchbruch will. Eine Affäre mit Toni Mannix (Diane Lane) der Frau des MGM Studiobosses Eddie Mannix (Bob Hoskins) sichert ihn zwar finanziell ab, bringt jedoch nicht den erhofften Karrierekick. Die Rolle des Superman in einer Billigproduktion fürs Fernsehen sieht er nur als Übergangslösung, macht ihn aber zum Vorbild für Millionen begeisterter Kinder. Das Superhelden-Image wird für Reeves zum Fluch, der ihm jede weitere Karriere vereitelt und ihn schließlich als gebrochenen Mann zurück lässt. So gebrochen, dass er sich 1959 eine Kugel in den Kopf jagt?
Louis Simo (Adrien Brody) hat da so seine Zweifel. Der schmierige kleine Privatdetektiv ermittelt anfangs nur aus Geldnot für die Mutter des verstorbenen Fernsehstars, aber je tiefer er sich in den Fall einarbeitet, desto mehr spricht gegen die Selbstmord-Theorie, mit der die Polizei die Akte auffallend schnell geschlossen hat.

Louis Simo (Adrien Brody) ermittelt.

Vom Titel “Die Hollywood-Verschwörung” verspricht sich der Zuschauer einen großen Kriminalfall mit überraschenden Wendungen, geheimnisumwitterten Strippenziehern und dunklen Geheimnissen. Doch darum geht es Regisseur Allen Coulter mit seinem Film gar nicht. Vielmehr erzählt er mit ruhiger Hand von gescheiterten Existenzen und dem hohlem Glamour in Hollywoodland, wie der wesentlich passendere Originaltitel lautet. Man kann sich jedes Mal aufs Neue darüber ärgern, wenn ein deutscher Filmverleih Filme durch solche Namensänderungen absichtlich missinterpretiert, um mehr Leute ins Kino zu locken.

Der Film springt zwischen zwei Zeitebenen hin und her – dem sich über mehrere Jahre hinziehenden persönlichen Scheitern Reeves’ und den nur wenige Wochen dauernden Ermittlungsversuchen Louis Simos. Die Parallelen zwischen den beiden Männern werden mit dem Fortschreiten des Films immer deutlicher.

Zugegeben, einen Kriminalfall gibt es natürlich schon. Eine Mordermittlung auch. Es hat ein bisschen was von CSI, wenn sich Simo des Nachts vor Reeves Haus schleicht, um in Gedanken die Tatszenarien durchzuspielen. Derer bietet der Film drei, den populärsten Spekulationen der Presse um Reeves Tod folgend: Mord durch seine Verlobte, durch den Mann seiner Geliebten oder von eigener Hand.

Hollywood in den 40er/50er Jahren, Sehnsüchte, Dekadenz, Verfall, harte Kerle, schöne Frauen, ein ungeklärter Mordfall … der Vergleich mit dem Ellroy-Adaptionen “L.A. Confidental” und viel stärker noch “The Black Dahlia” drängt sich auf. Aber Vorsicht: Mit der Erwartung eines zweiten “L.A. Confidental” ins Kino zu gehen, wird sich, wie schon bei “The Black Dahlia”, für den Zuschauer schwer rächen. Dabei ist allerdings wichtig festzustellen, dass sich “Die Hollywood-Verschwörung” auch gar nicht so sehr an Curtis Hansons Meisterwerk orientiert.

Vielmehr versucht er anhand der Biographie eines Mannes die Stimmung im Hollywood der Nachkriegszeit einzufangen. Dass dieser Mann Objekt eines bis heute ungeklärten Mordfalles ist – eigentlich Nebensache. Die Handlungsebene um den Privatdetektiv, der in Finanznöten, Alkohol und Schuldgefühlen versumpfen droht, dient als Spiegel für die erste. Auch hier spielt die Auflösung des Mordfalls nur die zweite Geige. Der Fall des toten Fernsehhelden seines Sohnes bringt Lois Simo dazu, in seinem eigenen Leben rechtzeitig die Notbremse zu ziehen.

Und es passt zu der Trostlosigkeit, mit dem der Film das Leben des Superman-Darstellers nachzeichnet, dass Louis Simo am Ende eine Lösung gefunden zu haben glaubt (!), aber trotzdem unverrichteter Dinge (und ohne Bezahlung) davon ziehen muss.

Schwer zu sagen, warum dieses Konzept trotzdem nicht völlig überzeugen kann. An den Schauspielern liegt es jedenfalls nicht. Es ist mal wieder ganz nett, den eher auf Popcornkino abonnierten Ben Affleck in einer Rolle mit Tiefgang zu sehen, und Adrien Brody gehört zu den seltenen Darstellern, die eigentlich jeden Film grundsätzlich aufwerten, in dem sie mitspielen.

Dass sich der Film um eine klare Auflösung des Mordfalles drückt, erweist sich nach einigem (längerem) Nachdenken eher als Pluspunkt. Am ehesten kann man Allen Coulter noch die Längen vorwerfen, die sein Film über weite Strecken aufweist. Trotzdem: Je öfter man sich den Film durch den Kopf gehen lässt, desto besser gefällt er.

Fazit: Langatmig, aber durchdacht. 7 von 10 Punkten.


Toni Mannix: Musste Reeves ihretwegen sterben?

George Reeves (Ben Affleck) nutzt seine Chance.
Sarah Böhlau, 21. Februar 2007. Bilder: Buena Vista.

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