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Von Marius Joa. Publiziert am 8. September 2019

Ed Wood (1924-1978) gilt gemeinhin als der schlechteste Regisseur aller Zeiten. Vor 60 Jahren erschien sein “Opus Magnum”: der Alien-Horror-Streifen “Plan 9 from Outer Space”…

 

Die Passion Christi

Von Marius Joa. Publiziert am 21. März 2004

Historiendrama USA 2004. Regie: Mel Gibson. Musik: John Debney. 127 Minuten. FSK ab 16. Aramäisch / Latein mit Untertiteln.
Darsteller: James Caviezel, Maia Morgenstern, Monica Bellucci, Hristo Jivkov, Mattia Sbragia, Hristo Naumov Shopov, Claudia Gerini, Francesco De Vito, Fabio Sartor, Luca Lionello, Rosalind Celentano.

Die letzten 12 Stunden im Leben Jesu Christi: Im Garten Gethsemane begegnet Jesus der Teufel, der ihm weissagt, dass er scheitern wird, weil kein Mensch diese Qualen aushalten kann. Jesus betet verzweifelt zu Gott. Da erscheinen die Palastwachen mit dem Verräter Judas und nehmen Jesus trotz des Widerstandes von Johannes und Petrus fest. Die Wachen bringen Jesus vor den Hohepriester Kaiphas, der mitten in der Nacht eine Versammlung einberufen hat, auf der der Gefangene verhört wird. Am Morgen wird Jesus dem römischen Statthalter Pilatus vorgeführt. Die Menge fordert Tod durch Kreuzigung. Pilatus erklärt, dass er Jesus’ Taten nicht als Schuld bewerten kann. Er ordnet jedoch eine Bestrafung an, die von römischen Legionären durchgeführt werden, die Jesus halb tot schlagen. Als Pilatus die Angelegenheit in die Hände der Priester gibt, ist das Schicksal von Jesus besiegelt. Völlig verstört verfolgen Maria, Maria Magdalena und Johannes das Geschehen…

Die wohl umstrittenste Bibelverfilmung aller Zeiten sorgte bereits im Vorfeld für Trubel. Nachdem Regisseur Mel Gibson im letzten Jahr verkündete, er wolle den Film, der in Aramäisch (der Sprache, die zu Jesu Zeiten in Jerusalem gesprochen wurde) und Latein gedreht wurde, ohne Untertitel ins Kino bringen, um die Bilder für sich selbst sprechen zu lassen. Da Gibson aber lange Probleme hatte, einen Verleih zu finden, sah er von seinem Vorhaben hab und fügte Untertitel hinzu. Bei einigen Vorab-Vorstellungen warfen die Oberen einiger jüdischer Organisation dem Hollywoodstar vor, sein Film würde den Antisemitismus schüren. Der Vatikan segnete das Werk zwar ab, doch kamen zu den Antisemitismusvorwürfen noch hinzu, dass fast alle Medien den Film als dümmliche Splatter-Orgie verrissen. Bei der Premiere am Aschermittwoch in den USA und Australien verließen außerdem entsetzte Zuschauer die Kinosäle, weil sie die Folterszenen nicht verkrafteten. Eine 56-jährige Frau erlitt einen Herzinfarkt und starb. Viele christliche Organisation kritisierten denn Film als Predigt der radikalen Ansichten Mel Gibsons, der als sehr gläubig und konservativ gilt. So weigerte sich auch der Würzburger Bischof Paul-Werner Scheele, den Film anzusehen. Trotz des Wirbels spielte der Film bisher rund 300 Millionen Dollar ein und brach in den USA einige Rekorde.

Zusammenfassend könnte man es so formulieren: Unnatürlich viel Gerede über einen guten Film. Denn “Die Passion Christi” ist weder antisemitisch noch eine plumpe Blutorgie. Die Gewaltdarstellung ist zwar brutal, aber nicht so brutal, dass man schreiend aus dem Kino rennen müsste. Der Film bemüht sich stattdessen um eine realistische Darstellung der Leiden Jesu und nicht um eine beschönigte oder harmlose Gewaltverherrlichung wie in den meisten anderen Filmen. Und extrem lang sind die Folterszene und die Kreuzigung nicht. Außerdem werden diese Szenen immer wieder durch Rückblicke, zum Abendmahl, zur Bergpredigt, zu Jesu vergangenem Leben, unterbrochen. Trotzdem wirkt alles sehr eindringlich und auch bewegend, so dass es durchaus sein kann, dass dem Zuschauer Tränen übers Gesicht laufen. Die Darstellung der Juden im Film beschränkt sich nicht auf die Jesus feindliche gesinnten Hohepriester, Pharisäer und die aufgestachelten Mengen, sondern zeigt auch solche, die mit Jesus auf seinem beschwerlichen Kreuzweg Mitleid haben. Das Volk der Juden an sich wird also nicht als durch die Bank böse dargestellt. Nur die römischen Soldaten werden teilweise als erbarmungslose Sadisten dargestellt. Die Geschichte ist zum großen Teil relativ nah am Bibeltext, nimmt sich aber auch einige Freiheiten, vor allem in der Darstellung Satans als androgynes, mysteriöses Wesen, das immer wieder mal in der Menge auftaucht.

Einen besonderen Touch und einen Hauch von Authentizität verleihen die Sprachen Aramäisch und Latein dem Film. Ehemalige oder aktuelle Lateinschüler werden wahrscheinlich den Großteil der lateinischen Dialoge auch ohne die Untertitel verstehen. Die Optik des Films besticht nicht durch pompöse Ausstattung und Kostüme, sondern eher durch Zweckmäßigkeit und die realistische Wirkung. Der sich immer mehr verdunkelnde Himmel wirkt als Stimmungsraum. Caleb Deschanel zeigt in seiner Kameraführung nicht nur die erschütternden Bilder des blutverschmierten Jesus, sondern auch Einstellungen aus der Perspektive des Mannes. Die Geißel- und Kreuzigungsszene wirken und vor allem dadurch so eindringlich und realistisch, weil die Geräusche und der Ton hier etwas übertrieben werden. Die Musik von John Debney unterstreicht das Geschehen mit stimmungsvollen Stücken und wird erst gegen Ende etwas ergreifender und epischer.

Als Schauspieler engagierte Mel Gibson neben dem Hauptdarsteller und Monica Bellucci vor allem allgemein eher unbekannte italienische, rumänische und bulgarische Darsteller. Neben dem leidend-charismatischen Jim Caviezel als Jesus überzeugt vor allem Hristo Naumov Shopov als Pontius Pilatus, der vor einer schweren Entscheidung steht, vor allem da er Jesus nicht als schuldig anerkennen will und kann. Maia Morgenstern und Monica Bellucci wirken in ihren Rollen etwas blaß und können die Gefühlszustände ihrer Charaktere nicht ganz dem Zuschauer nahe bringen.

Fazit: Ein atmosphärischer, brutaler und bewegender Film über die Passion Jesu. Trotz aller Unkenrufe keine antisemitische Blutorgie. 7 von 10 Punkten.

Marius Joa, 21.03.2004

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Rubrik Kino

2 Antworten zu “Die Passion Christi”

Johannes Michel Johannes Michel

Zweite Filmkritik zu “Die Passion Christi”: „Unnatürlich viel Gerede über einen guten Film“

schrieb Redaktionskollege Marius Joa in seiner Filmkritik zum Mel Gibsons „Die Passion Christi“. Gerade nach überwiegend negativen Kritiken und Einschätzungen in einigen großen deutschen Tageszeitungen möchte ich auch einige Aspekte beisteuern.
Wenn sonst auch unüblich, möchte ich mein Fazit hier voranstellen. „Die Passion Christi“ ist ein sehr guter Film, der von mir eine Wertung von 8 von 10 Punkten erhält.
Besonders gelungen sind nach meiner Meinung die ersten beiden Drittel des Films. Jesus betet am Ölberg, wird verhaftet, dem jüdischen Rat und dem römischen Statthalter Pontius Pilatus vorgeführt. Anschließend folgt eine viertelstündige Gewaltorgie, in der Jesus von den römischen Soldaten gefoltert wird. Danach flaut der Film aber leicht ab. Der Weg Jesu über die „Via Dolorosa“ hinauf zur Kreuzigungsstätte und auch die Kreuzigung selbst wirken nicht überzeugend. Ein Beispiel: Mel Gibson beruft sich darauf, sich in seinem Film möglichst nahe an die biblische Vorlage gehalten zu haben. So spricht Jesus kurz vor seinem Tod die Worte: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?!“ Ein römischer Soldat soll kurze Zeit später feststellen, ob Jesus wirklich tot ist und sticht ihm mit einer Lanze in die Seite, woraufhin aus der Wunde Blut und Wasser ausströmen. Daraufhin äußert in der biblischen Vorlage ein Soldat die Worte: „Wahrlich, dieser Mensch war Gottes Sohn.“ Interessanterweise lässt Mel Gibson diese Worte allerdings weg.
Zu brutal ist der Film keineswegs. Die Gewaltdarstellung wirkt realistisch und wirklichkeitsnah. Vielen Christen werden die Gewaltszenen zwar sehr nahe gehen, aber sie gehören durchaus zum Glauben. Christentum bedeutet nun mal nicht nur Feste Feiern, Geschenke bekommen und mit Jugendlichen im städtischen Jugendheim Partys feiern. Von dieser Warte aus betrachtet bringt Mel Gibson die biblische (Leidens-)Botschaft sehr gut an den Mann.

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