Am 29. Januar 2026 begann das 52. Internationale Filmwochenende in Würzburg. Zu diesem Anlass wurde DJ Ahmet von Georgi M. Unkovski, zweifacher Gewinner beim Sundance-Festival 2025, gezeigt. Der Film aus Nordmazedonien dreht sich um einen jungen Schafhirten und seine Liebe zu elektronischer Musik.
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DJ Ahmet
Drama/Komödie Nordmazedonien, Kroatien, Serbien, Tschechien 2025. 99 Minuten. Kinostart: 19. März 2026.
Mit: Arif Jakup, Agush Agushev, Dora Akan Zlatanova, Aksel Mehmet, Selpin Kerim, Atila Klince u.a. Drehbuch und Regie: Georgi M. Unkovski.

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Von Schafen, Minaretten und Musik
In einem Dorf in Nordmazedonien. Der 15jährige Ahmet (Arif Jakup) hat es nicht leicht. Seit dem Tod der Mutter spricht sein kleiner Bruder Naim (Agush Agushev) nicht mehr und der Vater (Aksel Mehmet) verbietet jede Freude. Ahmet wird aus der Schule genommen, um die Schafe zu hüten. Seiner Leidenschaft für elektronische Musik kann der Teenager auch kaum nachkommen, weil das Datenvolumen auf seinem Handy ziemlich verbraucht ist. Eines Nachts findet sich Ahmet auf einem illegalen Rave im nahegelegenen Wald wieder, wo er auch Aya (Dora Akan Zlatanova), die Nachbarstochter, trifft. Aya soll nach dem Willen ihres Vaters Orhan (Selpin Kerim) schon bald verheiratet werden. Doch das junge Mädchen träumt von einer Karriere als Tänzerin. Unterdessen wird Naim gegen seinen Willen vom Vater zu einem Heiler gebracht. Ahmet stattet den Traktor der Familie mit Boxen aus, so dass Aya und ihre Freundinnen ihre Tänze einstudieren können. Außerdem muss er ein verlorenes Schaf wieder finden…
Bei der Eröffnungsveranstaltung des 52. Internationalen Filmwochenendes in Würzburg am 29. Januar 2026, bei der auch lokale Prominenz wie Oberbürgermeister Martin Heilig (Grüne) zugegen waren, erfuhren die zahlreichen Gäste erst welcher Film gezeigt wird, als der Titel auf der Leinwand zu sehen war. Die Wahl fiel auf DJ Ahmet von Georgi M. Unkovski aus Nordmazedonien, einem Land mit wenig internationaler Kinopräsenz. Das könnte sich ein Stück weit ändern, denn Unkovskis erster abendfüllender Spielfilm als Regisseur erhält im März einen deutschen Kinostart. Hochverdient, wie die bodenständige Geschichte aus einer Region zwischen Althergebrachtem und digitalen Medien beweist.

Bis 1991 war Nordmazedonien Teil von Jugoslawien. 2019 erfolgte die Umbenennung des Landes im mit Griechenland geschlossenen Prespa-Abkommen, um sich von der griechischen Region Makedonien zu unterscheiden. Nordmazedonien zählt zu den ärmeren Ländern Europas und seine Bevölkerung besteht aus mehreren unterschiedlichen Gruppen, vor allem Mazedonier*innen, Albaner*innen und Türk*innen. Unter letztgenannter Ethnie spielt die Handlung von DJ Ahmet. Unkovski, der auch das Drehbuch schrieb, zeigt hier eine sehr ländliche Gegend, die noch stark von alten, überwiegend islamischen Traditionen geprägt ist. Doch gleichzeitig halten hier moderne elektronische Musik und digitale soziale Medien Einzug.
Ahmet besitzt wie viele Dorfbewohner*innen ein Smartphone. Zudem hilft er dem lokalen islamischen Geistlichen mit dessen Computer-Problemen, vor allem hinsichtlich der Übertragung des Aufrufs zum Gebet vom Minarett aus. Fehlende IT-Kenntnisse und die diesbezügliche Unbeholfenheit des Muezzin sorgen immer wieder für Lacher. Überhaupt besticht die für nur knapp eine Million Euro gedrehte Produktion durch eine gekonnte Balance zwischen Tragik und Komik. Die Lebenswirklichkeit des Titelhelden und der Menschen in seiner Umgebung wird allerdings zu keiner Zeit romantisiert oder als drastisch dargestellt. Vielmehr existieren hier Tradition und die technischen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts einigermaßen friedlich nebeneinander, obgleich die modernen Beats bei den konservativen Leuten auf dem Land natürlich für Widerstand sorgen.
Trotz des Spannungsfeldes zwischen Trauer und Lebensfreue bzw. Tradition und Moderne gestaltet sich die Inszenierung hier überaus unaufgeregt und bodenständig. Lediglich ein paar Slow-Motion-Sequenzen im Zusammenhang mit Musik stechen heraus. Die überaus authentischen Schauspieler*innen, vor allem Arif Jakup als Ahmet, Agush Agushev als dessen Bruder Naim, Dora Akan Zlatanova als selbstbewusster Aya sowie Aksel Mehmet als Ahmets und Naims verstockter Vater bilden aber eindeutig das Herz dieses wundervollen Films aus einer cineastisch wenig „erforschten“ Gegend.
DJ Ahmet von Georgi M. Unkovski startet am 19. März 2026 in den deutschen Kinos.
Fazit: Überaus authentischer, tragisch-komischer Film über ein Leben zwischen religiös geprägtem Konservatismus und moderner Musik.
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Marius Joa, 31. Januar 2026. Bilder: Neue Visionen.


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