Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1

Wie früher beim Fußball im UEFA-Pokal wird auch das Finale der Harry Potter-Filmreihe quasi in Hin- und Rückspiel ausgetragen. Der erste Teil des siebten Zauberer-Abenteuers läuft seit ein paar Wochen im Kino. Todd Hirn hat ihn für Vieraugen Kino angesehen.

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1 (Harry Potter And The Deathly Hallow – Part 1)
Fantasy-Abenteuer USA/UK 2010. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 146 Minuten. Deutscher Kinostart: 18. November 2010.
Mit: Daniel Radcliffe, Rupert Grint, Emma Watson, Helena Bonham Carter, Ralph Fiennes, Rhys Ifans, Jason Isaacs, Evanna Lynch, Bill Nighy, Alan Rickman u.v.a. Regie: David Yates. Drehbuch: Steve Kloves. Nach dem Roman von J. K. Rowling.


Auf der Flucht – Roadmovie mit höchst prominenten Statisten

Unter der Woche nachmittags ins Kino zu gehen, so könnte man sich auch den Besuch einer Geisterstadt vorstellen. Andere Besucher muss man mit der Taschenlampe oder der Lupe suchen und die Kinokassen sind personell recht dünn besetzt. Im kaum besuchten Kinosaal kann man den Film auch ohne störende Nebengeräusche dann auch genießen. Abgesehen davon, dass man hinterher etwas verstört ist. Entweder über den dummdreisten AKW-Werbespot, der dem Zuschauer doch tatsächlich vorlügt, dass Atomkraftwerke wirtschaftlicher als alle anderen Energiequellen seien und die Endlagerfrage längst gelöst sei. Oder eben über den Hauptfilm, Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1.

Kurz vor seinem 17. Geburtstag wird Harry Potter (Daniel Radcliffe) von Freunden und Mitstreitern in Sicherheit vor seinem Todfeind, dem dunklen Lord Voldemort (Ralph Fiennes), gebracht. Doch als der Finsterling mit seinen Handlangern, den Todessern, die Kontrolle über das Zaubereiministerium übernimmt, heißt es für Harry und seine beiden Freunde Ron (Rupert Grint) und Hermine (Emma Watson) die Fliege zu machen. Gemeinsam wollen die drei die übrigen Horkruxe finden, in denen Voldemort Teile seiner Seele versteckt hat. Nur so kann der böse Lord besiegt werden. Während die Todesser in der Zaubererwelt eine wahre Schreckensherrschaft errichten, giert es dem dunklen Lord nach unbegrenzter Macht in Form der drei Heiligtümer des Todes.

Zum dritten Mal nach Teil fünf und sechs führte der Brite David Yates (Mord auf Seite Eins) beim Harry Potter-Franchise Regie und zum dritten Mal hat man das Gefühl, dass zwar ein recht gelungener Film herausgekommen ist, aber doch so Einiges fehlt. Der Inhalt wirkt alles andere als wie aus einem Guss. Es erweist sich als richtig, den Schwerpunkt auf die erschöpfende Flucht von Harry, Hermine und Ron zu legen. Leider kommen dadurch die anderen wichtigen Vorgänge in der Zaubererwelt zu kurz, auch wenn Harry zwischendurch immer wieder Live-Stream-Visionen von seinem Todfeind Voldemort hat und so immer recht gut über dessen Untaten informiert ist. Jeweils kurz bevor die Bemühungen der drei Flüchtigen im Nirgendwo enden, gibt es (glücklicherweise) entweder einen  Vision gesteuerten oder einen literarisch begünstigen Geistesblitz, der die Handlung dann wieder vorantreibt.

Natürlich tummelt sich in „HP7.1“ wieder ein Who is Who der britischen Schauspielkunst, nur leider sind geschätzte 90 Prozent der Mimen aufgrund des Drehbuchs zu Statistenrollen verdonnert. Am meisten Screentime (außer dem Hauptdarsteller-Trio) haben hier noch Ralph Fiennes als dunkler Lord und Helena Bonham Carter als Todesser-Psychopathin. Prominentester Neuzugang ist Billy Nighy als Zaubereiminister Scrimgeour.

Trotz inhaltlicher Mängel funktioniert Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1 als spannendes und düsteres Fantasy-Roadmovie. Visuell kleidet Yates seinen Film in düstere Grautöne und spart z.B. mit der Muggel-Verfolgung auch die deutlichen Anspielungen auf das Nazi-Regime nicht aus. Natürlich kann auch der siebte Film nicht mehr als eine Vorbereitung auf den achten und letzten sein. Nach zwei personell reduzierten Beiträgen kann man immer noch auf ein episches und breit aufgestelltes Finale hoffen, das am 14. Juli 2011 in den deutschen Kinos anläuft. Und darauf, dass die Todesser von der Atomkraft-Lobby noch nicht die komplette Macht an sich gerissen haben.

Fazit: Inhaltlich durchwachsen, aber die düstere Stimmung wirkt überzeugend. 7 von 10 Punkten.


Ron ist frustriert

Todesser kontrollieren die Zaubererwelt
Todd Hirn, 16. Dezember 2010. Bilder: Warner.


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Die bisherigen Harry Potter-Filme in der Kritik…

Harry Potter und der Stein der Weisen (7/10)
Harry Potter und die Kammer des Schreckens (7/10)
Harry Potter und der Gefangene von Askaban (8/10)
Harry Potter und der Feuerkelch (8/10)
Harry Potter und der Orden des Phönix (6/10)
Harry Potter und der Halbblutprinz (7/10)


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