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Von Marius Joa. Publiziert am 14. Juli 2019

“Schlimmer” hätte 2019 auch nicht beginnen können als mit der finalen Staffel von “Eine Reihe betrüblicher Ereignisse”, nach den Büchern von Lemony Snicket…

 

Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels

Von Marius Joa. Publiziert am 31. Mai 2008

Der berühmteste Archäologe der Filmgeschichte ist zurück. Und das nach 19 Jahren! Ist ein weiterer Indiana Jones-Film wirklich noch sehenswert, nach all den Jahren? Und ob.

Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels (Indiana Jones And The Kingdom Of The Crystal Skull)
Abenteuer/Actionfilm USA 2008. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 124 Minuten. Deutscher Kinostart: 22. Mai 2008.
Mit: Harrison Ford, Cate Blanchett, Karen Allen, Shia LaBeouf, Ray Winstone, John Hurt, Jim Broadbent u.v.a. Regie: Steven Spielberg. Drehbuch: David Koepp. Nach Charakteren von George Lucas & Philip Kaufman.

„Und Sie sind also Lehrer?!“ – „Ja. Halbtags.“

1957. Von einer Truppe russischer Soldaten unter der dominanten Irina Spalko (Cate Blanchett) gefangen gehalten, soll Indiana Jones (Harrison Ford) auf einer Militärbasis in Nevada eine geheimnisvolle Kiste finden. Indy gelingt es zu entkommen und er überlebt einen Atomtest. Anschließend wird er vom FBI aufgegriffen und befragt. Kurze Zeit später trifft Professor Jones auf den jungen Mutt Williams (Shia Labeouf), der ihm erzählt, dass sein alter Freund Professor Oxley (John Hurt) und Mutts Mutter entführt wurden. Oxley war scheinbar auf der Suche nach dem Kristallschädel, der von einer alten Maya-Kultur angebetet wurde und hat seitdem den Verstand verloren. Indy und Mutt fliehen vor einigen russischen Agenten und unternehmen eine Reise nach Peru, wo sie im Grab eines Konquistador den gesuchten Schädel finden. Doch schon kommt Irina Spalko wieder ins Spiel …

Der Mann mit Hut und Peitsche ist zurück.

19 lange Jahre dauerte es, bis schließlich endlich der dritte Indiana Jones-Film ins Kino kam. In diesem Zeitraum hatten George Lucas und Regisseur Steven Spielberg immer wieder Autoren (darunter M. Night Shyamalan, Tom Stoppard und Frank Darabont) gebeten, Drehbuchentwürfe zu verfassen und diese immer wieder abgelehnt. So war es auch mit Frank Darabonts Script, dessen Ablehnung im April 2004 dafür sorgte, dass der Film erneut verschoben wurde. Harrison Ford meinte irgendwann, dass man den Film vor 2008 drehen sollte, sonst würde das Ganze ohne ihn stattfinden.

Nachdem David Koepp (Jurassic Park) 2006 endlich ein Drehbuch nach dem Geschmack von Lucas und Spielberg ablieferte, begann man mit der Produktion. Die Dreharbeiten fanden vom Juni bis Oktober 2007 fast ausschließlich in den USA statt. Das große Getue um ein geeignetes Drehbuch ist nicht ganz nachvollziehbar, denn das Bisschen Story, das sich zwischen den ausufernden Verfolgungsjagden, den flotten Kampfszenen und den geheimnisumwobenen Kulissen befindet, ist kaum der Rede wert. Der Zuschauer bekommt in „Indy 4“ das, was er erwartet: zwei Stunden unterhaltsames und anspruchsloses Popcorn-Kino ohne große geistige Höhenflüge.

Für die Fans, deren hohe Erwartungshaltung nach der langen Wartezeit mit der einfach gestrickten und geradlinigen Handlung vielleicht etwas kollidieren wird, wurden viele Anspielungen auf die alten drei Filme eingebaut. Vor allem diese und die gelungenen Dialoge sorgen für die richtig dosierte Menge Humor auch in Verbindung mit einem unverhofften Familientreffen.

Schauspielerisch wird leider wenig geboten. Harrison Ford spielt zwar Indiana Jones, als ob er nie etwas anderes getan hätte, aber seine Nebenleute bleiben blass. Cate Blanchett kann aus ihrer Rolle als herrische KGB-Domina wenig herausholen. John Hurt muss 90 Prozent seiner Screentime als brabbelnder, apathischer Verrückter zubringen. Und vom überschätzten jungen Darsteller mit dem unaussprechlichen Namen darf man auch nicht viel erwarten.

Doch trotz der im Grunde eher zu vernachlässigenden Schwächen schafft Indy 4 etwas, was den neuen Star Wars-Episoden kaum gelang: den Charme der alten Filme (fast) komplett wieder zurück zu bringen. Dies gelingt vor allem durch die altmodische Inszenierung. Statt auf überbordende CGI-Effekte setzten Spielberg und sein Team hier auf Actionszenen mit vielen Stunts und den alten Look der Vorgänger. Ganz ohne visuelle Tricks aus dem PC kommt „Indy 4“ zwar nicht aus, aber wären diese Szenen nicht, so könnte man meinen Teil 4 wäre wenige Jahre nach dem dritten entstanden.

Und Harrison Ford ist trotz seines Alters kein gebrechlicher Mann geworden. Der mittlerweile 65jährige hielt sich in den letzten Jahren ohnehin schon fit und verschärfte sein Programm im Vorfeld der Dreharbeiten noch, um so gut wie alle Stunts glaubwürdig ausführen zu können. Nach dem erfolgreichen Start an der Kinokasse mit über 300 Millionen Dollar Einspielergebnis in der ersten Woche munkelt man schon über einen fünften Teil. An der Fitness eines Harrison Ford würde dieser wohl nicht scheitern. Doch sollte man sich im Hause Lucas und Spielberg zweimal überlegen, ob der ein oder andere weitere Film das Franchise nicht unfreiwillig zu Grabe trägt.

Fazit: Unterhaltsamer, völlig anspruchsloser Abenteuerfilm mit einem agilen Harrison Ford und einer herrlich altmodischen Inszenierung. 7 von 10 Punkten.


Munterer Familienausflug.

Irina Spalko hält Indy auf Trab.
Marius Joa, 31. Mai 2008. Bilder: Paramount/Lucasfilm.

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