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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 9. Oktober 2019

Und weiter im Horroctober-Programm, erneut mit einem Film aus meinem physischen SuF. In “Therapie für einen Vampir” sucht ein Jahrhunderte alter Blutsauger Rat bei niemand Geringerem als Sigmund Freud, dem Urvater der Psychoanalyse.

 

Krieg der Götter

Von Marius Joa. Publiziert am 21. November 2011

Nach dem Remake von Kampf der Titanen im vergangenen Jahr gibt es auch 2011 einen Blockbuster, der sich auf die griechische Sagenwelt bezieht. Der indische Bildermagier Tarsem Singh drehte mit Krieg der Götter erst seinen dritten Spielfilm. Darin kämpft der Held Theseus gegen finstere Mächte, und die Belanglosigkeit.

 

Krieg der Götter (Immortals)
Action-Abenteuer USA 2011. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 110 Minuten. Kinostart: 11. November 2011.
Mit: Henry Cavill, Stephen Dorff, Luke Evans, John Hurt, Isabel Lucas, Kellan Lutz, Joseph Morgan, Freida Pinto, Mickey Rourke, Daniel Sharman u.v.a. Regie: Tarsem Singh. Drehbuch: Vlas Parlapanides und Charley Parlapanides.

 

Menschen, Götter und Gemetzel

Ein gnadenloser Krieg erschüttert das antike Griechenland. Der finstere Hyperion (Mickey Rourke), König der Herakliden, erobert mit seinen Kriegern einen Ort nach dem anderen und massakriert die Bevölkerung. Der verbitterte Herrscher möchte die Götter des Olymp stürzen und sucht deshalb nach dem Epeiros-Bogen, mit dessen Hilfe er die vor Urzeiten verbannten Titanen entfesseln kann. Auch vor dem Dorf, in dem der einfache Bauer Theseus (Henry Cavill) mit seiner Mutter (Anne Day-Jones) lebt, machen die blutrünstigen Horden nicht Halt. Nachdem Theseus mit ansehen musste, wie Hyperion seine Mutter ermordet, schwört er Rache. Gemeinsam mit der Seherin Phaedra (Freida Pinto) und dem Dieb Stavros (Stephen Dorff) macht sich der junge Kämpfer daran, den finsteren König aufzuhalten. Göttervater Zeus (Luke Evans) verbietet unterdessen den anderen Unsterblichen direkt in den Konflikt der Menschen einzugreifen…

 Theseus der renitente Bauer

Der Inder Tarsem Singh begann seine Karriere als Regisseur von Videoclips (u.a. „Losing My Religion“ von R.E.M.), bevor er mit seinem Spielfilmdebüt The Cell das Publikum in den Geist eines Serienkillers blicken ließ. Sein zweites Kinowerk The Fall, ein in über 20 Ländern gedrehtes visuelles Meisterstück, sowie eine Hommage an die Macht des Geschichtenerzählens, finanzierte Tarsem weitgehend selbst. Mit Krieg der Götter liefert er nun einen reinrassigen Action-Blockbuster, der sein vorhandenes Potenzial auf einmalige Art und Weise verschleudert.

Fans der griechischen Mythologie werden es wohl nicht mehr erleben, dass ein bestimmter Sagenstoff halbwegs werkgetreu für die Leinwand adaptiert wird. Zuletzt enttäuschte diesbezüglich das Remake des Harryhausen-Klassikers Kampf der Titanen, das nicht nur eine hirnverbrannte Story lieferte, sondern auch ein 3D-Film fast ohne Tiefenschärfe war. In beider Hinsicht gelingt es Krieg der Götter seinen „Vorgänger“ fast noch zu unterbieten.

Es ist schon eine Frechheit, 12 Euro oder mehr für einen Film zu verlangen, der keine drei Szenen mit echter Tiefenschärfe hat, und das ganze dann als „Maxximum 3D“ anzupreisen. Das ist besonders schade, da Krieg der Götter visuell durchaus etwas zu bieten hat.

Wie muss man sich die Skriptentwicklung dieses Streifens vorstellen? Setzten sich die beiden oben genannten Autoren zusammen, nahmen ein Buch mit griechischen Sagen her, um daraus per „Zufallsgenerator“ ein paar Namen raus zu holen, die dann zu einem mehr oder minder losen Plot verbunden wurden? Die Story des fertigen Films lässt keine andere Vermutung zu. Denn bis auf winzigste Ansätze aus der Theseussage ist nichts geblieben.

Was dem Zuschauer hier an Inhalt serviert wird, ist nicht nur häufig sehr abgedroschen, sondern meist auch noch recht lieblos präsentiert. Der junge Held Theseus wird als eine Art Zweifler dargestellt, der nicht an die Götter glaubt. Das führt dazu, dass ihm seine „Gefährten“ immer wieder aufs Brot schmieren müssen, dass er doch einfach glauben muss, was er am Ende – o Wunder – auch tut. Während man Henry Cavill (Die Tudors) die Rolle des Helden noch halbwegs abnimmt, langweilt Freida Pintos (Slumdog Millionär) Seherin Phaedra mit ihren vorhersehbaren Vorhersagen doch sehr. Die Chemie zwischen ihr und Cavill stimmt auch überhaupt nicht. Da hilft auch keine zwischendurch unmotiviert eingebaute Sex-Szene, die nur dem Zweck dienen soll, Phaedra ihre Jungfräulichkeit und somit ihre ach so schrecklichen Zukunftsvisionen zu nehmen. Haha.

Schauspielerisch glänzen kann hier kaum jemand. Immerhin zeigt Mickey Rourke (Iron Man 2) als finsterer Bösewicht Hyperion Wirkung. Halbwegs überzeugend ist Luke Evans (Die drei Musketiere 3D) als Göttervater Zeus, der seine himmlische Familie trotz akutem Personalmangel wegen Ungehorsam dezimiert, in dem er seinen Sohn, den Kriegsgott Ares (Daniel Sharman), im wahrsten Sinne des Wortes „platt macht“, weil letzterer den Menschen zur Hilfe eilt, was per göttlichem Gesetz (das sich wohl die Drehbuchautoren in einem Anfall von Kreativität haben einfallen lassen) verboten ist.

Immerhin gelingt es Tarsem und seinem Team, eindrucksvolle Bilder (wenn auch nicht wirklich dreidimensional) auf die Leinwand zu bringen. Gedreht wurde nahezu komplett im Studio und zumeist vor Greenscreen. Dies sorgt zwar für eine gewisse Künstlichkeit, verleiht dem Setting aber auch Atmosphäre.

Was die Action betrifft, so wurde natürlich recht eindeutig bei der Comicverfilmung 300 abgekupfert. Doch trotz großem Gemetzels und einer gehörigen Portion Splatter fehlt es den Kampfszenen zu oft an der Energie, den Zuschauer „mitzureißen“. Lediglich wenn die Götter ins Getümmel eingreifen, geht es ordentlich zur Sache, vor allem im Endkampf der Olympier gegen die Zombie-Titanen.

Krieg der Götter zeigt einmal mehr, dass es im heutigen (Action-)Kino nicht mehr um eine halbwegs ordentliche Geschichte geht, sondern darum das Publikum mit in die Welt hinausposaunten Superlativ-Gerüchten in den Kinosaal zu locken, wo überflüssigerweise 3D-Brillen verteilt werden.

Fazit: Visuell teilweise ansprechend, aber inhaltlich lahm und trotz eines hohen Gemetzel-Anteils eher „blutleer“. 3 von 10 Punkten.

 Mickey Rourke mal wieder als Fiesling
 Auf zum Gemetzel!

 

 

Marius Joa, 21. November 2011. Bilder: Constantin Film.

 

 

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300 (7/10)
Kampf der Titanen
(2010) (3/10)

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