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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 11. Juli 2018

Bei den allgegenwärtigen Debatten um Migration und Integration zeigt ein kleiner Film von der Grünen Insel, dass alles vielleicht doch nicht immer so kompliziert sein muss: “Halaleluja – Iren sind menschlich”.

 

Lucky (2017)

Von Marius Joa. Publiziert am 18. März 2018

Mit Lucky gab der US-Schauspieler John Carroll Lynch sein Debüt als Regisseur und setzte dem einmaligen Charakterdarsteller Harry Dean Stanton ein filmisches Denkmal…

Lucky
Drama USA 2017. FSK: ohne Altersbeschränkung. 88 Minuten. Kinostart: 8. März 2018.
Mit: Harry Dean Stanton, David Lynch, Barry Shabaka Henley, James Darren, Beth Grant, Ron Livingston, Yvonne Huff, Tom Skerritt, Bertila Damas u.a. Regie: John Carroll Lynch. Drehbuch: Logan Sparks und Dragon Sumonja.



 

Abschiedsvorstellung eines Originals

Lucky (Harry Dean Stanton) ist ein 90jähriger Eigenbrötler, der sich trotz seines hohen Alters immer noch bester Gesundheit erfreut. Jeden Morgen beginnt er mit der ersten Zigarette sowie ein paar Yoga-Übungen. Täglich macht Lucky seine Runde durch die Stadt, zu welcher das Diner von Joe (Barry Shabaka Henley) und der kleine Laden von Bibi (Bertila Damas) gehört. Nach einem Nachmittag mit Kreuzworträtseln und Gameshows beschließt Lucky seinen Tag in der Bar von Elaine (Beth Grant), wo er auf seine alten Freunde wie Howard (David Lynch) und Paulie (James Darren) trifft. Als Lucky eines Morgens einen Schwächeanfall erleidet und stürzt, beginnt er sich Gedanken über das Leben zu machen…

Am 15. September 2017 verstarb der amerikanische Schauspieler und Musiker Harry Dean Stanton im Alter von 91 Jahren. Über die Jahrzehnte hatte er sich einen Namen als verlässlicher und optisch auffallender Nebendarsteller gemacht, in frühen Jahren nicht selten in Western, später aber auch in großen Streifen wie Alien (1979) von Ridley Scott, Die letzte Versuchung Christi (1988) von Martin Scorsese oder die Stephen-Kind-Adaption The Green Mile (1999). Für David Lynch, bekannt für seine surrealen Werke, spielte Stanton in Wild At Heart (1990), Twin Peaks – Der Film (1992) und The Straight Story (1999). Eine seiner wenigen Hauptrollen gab ihm Regisseur Wim Wenders in Paris, Texas (1984). Mit seiner sechs Dekaden andauernden Karriere bereicherte Stanton viele Filme mit seiner Präsenz, wobei er vermutlich immer nur eine minimale Variation von sich selbst darstellte. Schauspielkollege John Carroll Lynch (Gran Torino, Shutter Island, Zodiac) gab Harry Dean Stanton in seinem Regiedebüt die große Bühne für eine letzte Abschiedsvorstellung.

Ähnlich wie bei Jim Jarmuschs Paterson (2016) lebt auch Lucky von der Routine seines Protagonisten. Der 90jährige Rentner lebt im Hier und Jetzt. Zwar blickt er auch etwas wehmütig in die Vergangenheit zurück, aber sein bevorstehendes Ende sieht er als unvermeidlich an. Während seine Kneipen-Freunde immer wieder Bilanz ziehen und sich zwecks Regelung ihres Nachlasses mit einem Anwalt treffen, so hält Lucky von alldem nichts. Er lebt allein, ist jedoch nicht einsam, sondern mit seinem einfachen Leben zufrieden. Allzu menschlich erscheint es jedoch, wenn Lucky zwischenzeitlich grübelt, ob das Leben nicht lediglich ein großes Nichts ist.

Mit völlig unaufgeregter Inszenierung reiht John Carroll Lynch authentische Begegnungen und Szenen von simpler Schönheit organisch aneinander. Der Film wirkt wie eine komprimierte Version von Stantons Schauspielkarriere, die natürlich von seiner unnachahmlichen, völlig ungeschönten Präsenz lebt. Als wichtige Nebenakteure im überschaubaren Darsteller-Ensemble agieren unter anderem David Lynch (vermutlich weder verwandt oder verschwägert mit John Carroll Lynch) als Howard, dem seine 100 Jahre alte Landschildkröte weggelaufen ist, und James Darren (bekannt als holografischer Sänger Vic Fontaine aus Star Trek: Deep Space Nine) als geschwätziger Paulie, im Hauptberuf Ehemann von Barbesitzerin Elaine. Die Kombination aus Dialogen und Luckys persönlichen Ansichten/Einsichten erzeugen ein filmisches Kleinod voller einfacher, aber zu Herzen gehener Poesie, welches nebenbei auch Stantons musikalischem Talent gerecht wird. Am Ende verabschiedet sich nicht nur die Figur des Films, sondern auch der Mann hinter dieser (und so vielen anderen) mit einem Blick in die Kamera von den Zuschauern. Ein schöneres Ende kann es kaum geben.

Fazit: Lucky ist eine filmische Hommage an den völlig unspektakulären, wundervollen Charakterdarsteller Harry Dean Stanton und glänzt mit poetischer Lebensweisheit. 8 von 10 Punkten.

Howard erzählt Lucky von seiner vermissten Schildkröte

 

 Lucky trifft auf Paulie und Barbesitzerin Elaine

 

Marius Joa, 18. März 2018. Bilder: Alamode Film.

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