splash
Willkommen
Herzlich Willkommen bei Vieraugen Kino.
Bei uns finden Sie aktuelle Filmkritiken in Sachen Kino, DVD und Fernsehen.
Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 18. August 2019

Nachdem ihr Auto liegen geblieben ist sucht ein junges Paar Zuflucht in einem geheimnisvollen Schloss, in dem schräge Gestalten hausen. Vorhang auf für “The Rocky Horror Picture Show”!

 

My Blueberry Nights

Von Lena Stadelmann. Publiziert am 3. Februar 2008

Nach In The Mood For Love und 2046 präsentiert Regisseur Wong Kar-Wai seinen ersten in den USA gedrehten Spielfilm My Blueberry Nights, mit dem schon die 60. Filmfestspiele in Cannes im Mai 2007 eröffnet wurden und überrascht mit der Besetzung der Hauptrolle: Grammy-Gewinnerin Norah Jones.

My Blueberry Nights
Drama, China/Frankreich 2007. FSK: Freigegeben ab 6 Jahren. 95 Minuten. Deutscher Kinostart: 24. Januar 2008.
Mit: Norah Jones, Jude Law, David Strathairn, Rachel Weisz, Natalie Portman u.a. Regie: Wong Kar-Wai.

Road Trip ins Nichts

Elizabeth (Norah Jones) wird von ihrem Freund wegen einer anderen verlassen. Das erfährt sie jedoch nicht von ihm selbst, sondern von Jeremy (Jude Law), dem Inhaber eines kleinen Cafés in New York, bei dem Elizabeths Freund mit seiner Neuen zum Essen war. Als Elizabeth ihre Schlüssel bei Jeremy für ihren Freund hinterlassen will, kommen die beiden ins Gespräch und Jeremy versucht, sie mit Blueberry Pie aufzuheitern. Einige Nächte lang kommt Elizabeth regelmäßig zu Jeremy und es entspinnt sich eine zarte Liebesgeschichte, bis Elizabeth eines Nachts beschließt, dass sie Abstand von New York braucht, um sich selbst zu finden, und ohne Abschied zu einer Reise durch die USA aufbricht.

My Blueberry Nights scheint auf den ersten Blick ein klassisches Road Movie zu sein, in dem eine junge Frau an den Erfahrungen und Begegnungen, die sie auf ihrer Reise macht, wächst und zu sich selbst findet. Dabei bleibt sie aber durch eine bestimmte Person auch mit ihrem Zuhause verwurzelt, sodass die Rückkehr nach der Selbstfindung gewiss ist. Funktionieren können Road Movies entweder als Komödie mit skurrilen Gestalten und unzähligen Missgeschicken auf dem Weg oder als Drama mit einer gehörigen Portion Philosophie und Sozialkritik. Das Wichtigste ist jedoch die Identifikation des Zuschauers mit der Hauptfigur, und genau die fehlt in Wong Kar-Wais (In The Mood For Love, 2046) neuestem Film. Norah Jones ist absolut bezaubernd, aber aus einem von den Autoren derart wenig entwickelten Charakter wie dem der Elizabeth hätte nicht einmal eine Meryl Streep viel machen können. Dabei hätte man es Jones durchaus zugetraut und auch gewünscht, bei ihrem Schauspieldebüt mehr Facetten und vor allem mehr Aktivität zeigen zu dürfen.

Alle Charaktere, denen Elizabeth auf ihrer Reise begegnet, scheinen den Autoren wichtiger zu sein, als ihre Protagonistin, und das schadet dem Film ungemein. So intensiv die Leistungen von David Strathairn (Das Bourne Ultimatum, Good Night and Good Luck), Rachel Weisz (Die Mumie, Der ewige Gärtner) und Natalie Portman (V wie Vendetta, Garden State) auch sind, ihre Figuren sind so überzogen angelegt, dass sie dem Film eine unnötige Schwermut und einige Längen einbringen. Dabei fehlt vor allem die Reflexion der Figuren durch Elizabeth und es ist fragwürdig, was sie von einem Alkoholiker, einer trockenen Alkoholikerin und einer Spielerin lernen soll, beziehungsweise wie diese ihr wieder zu einer positiveren Grundeinstellung verhelfen sollen. Der Sinn von Elizabeths Reise wird zu selten offenbar, es gibt keine tiefer gehende Philosophie und keine kohärente, tragende Geschichte. Bei einer Länge von nur eineinhalb Stunden hätte man die Reise durchaus noch ausbauen und um ein paar „positive“ Figuren erweitern können.

Absolut hinreißend ist dagegen die zarte Liebesgeschichte zwischen Jeremy und Elizabeth, auf die sich Kar-Wai viel mehr hätte konzentrieren sollen. Norah Jones und Jude Law (Gattaca, Liebe braucht keine Ferien) haben ein Zusammenspiel von erfrischender Natürlichkeit und zeigen eine (bzw. zwei) der schönsten Kussszenen, die ein Liebesfilm je gesehen hat. Was den Film außerdem bereichert, ist die künstlerische Note, die Kar-Wai ihm mit Farbgebung, Kameraführung und Reminiszenzen zu anderen Kunstwerken und seinen eigenen Filmen verleiht. Das kann den Zuschauer für die flache Story jedoch nicht ganz entschädigen, weshalb trotz vorhersehbarem Happy End ein unbefriedigtes Gefühl am Ende des Films bleibt.

Fazit: Künstlerisches Road Movie mit zu geringem Unterhaltungswert. 5 von 10 Punkten.


Jeremy (Jude Law) versucht Elizabeth zu trösten.

Begegnungen: Sue-Lynne (Rachel Weisz)…

… und Spielerin Leslie (Natalie Portman).
Lena Stadelmann, 3. Februar 2008. Bilder: Prokino

Empfehlungen
Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie folgende Filme mochten…

Ein gutes Jahr (8/10)
Lost in Translation (10/10)
Paris je t’aime (7/10)

Stichwörter: , , , , , , ,

Ähnliche Beiträge
Rubrik Kino

Kommentar hinterlassen