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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 18. Mai 2022

Lange bevor William Shakespeare seine weltbekannte Tragödie “Hamlet” schrieb gab es den Stoff bereits als Sage. Gabriel Axel adaptierte diese in seinem prominent besetzten Historienfilm “Der Prinz von Jütland” aus dem Jahre 1994.

 

Petite Maman

Von Marius Joa. Publiziert am 20. März 2022

Nach dem Tod der Großmutter räumt die achtjährige Nelly deren Haus gemeinsam mit den Eltern aus. Im nahe gelegenen Wald trifft sie auf die gleichaltrige Marion. Beide Mädchen verbindet etwas, in Petite Maman von Regisseurin Céline Sciamme (Porträt einer jungen Frau in Flammen).

Petite Maman – Als wir Kinder waren (Petite Maman)
Drama Frankreich 2021. FSK: ohne Altersbeschränkung. 73 Minuten. Kinostart: 17. März 2022.
Mit: Joséphine Sanz, Gabrielle Sanz, Nina Meurisse, Stéphane Varupenne, Margot Abascal u.a. Drehbuch und Regie: Céline Sciamma.

 

 

Nelly und Marion

Nelly (Joséphine Sanz) ist acht Jahre alt. Kurz nachdem ihre Großmutter verstorben ist fährt sie mit ihrer Mutter Marion (Nina Meurisse) und dem Vater (Stéphane Varupenne) zum Haus der Verstorbenen. Am nächsten Morgen ist die Mutter ohne große Ankündigung gegangen. Während der Vater die Habseligkeiten der Großmutter ausmistet erkundet Nelly den nahe gelegenen Wald. Dort trifft sie eines Tages auf die gleichaltrige Marion (Gabrielle Sanz). Nelly hilft Marion eine Hütte aus Ästen und Zweigen zu bauen. Als es zu regnen beginnt und die beiden Mädchen zu Marion nach Hause flüchten, erkennt Nelly in dem anderen Mädchen ihre Mutter als Kind wieder…

Die französische Filmemacherin Céline Sciamma (geboren 1978) behandelt in ihren Filmen meist Themen wie Gender (soziales Geschlecht), Sexualität und Identität, vor allem aus weiblicher Sicht. Tomboy (2011) dreht sich um ein zehnjähriges Mädchen, welches sich nach dem Umzug in eine neue Stadt anderen Kindern gegenüber als Junge ausgibt. Mädchenbande (2014) erzählte von einer Gang von jungen Frauen in einem sozial schwachen Viertel von Paris. 2019 erschien Sciammas vierter Spielfilm, das im 18. Jahrhundert spielende Drama Portrait einer jungen Frau in Flammen. In Petite Maman trifft ein achtjähriges Mädchen durch eine nicht erklärte temporale Anomalie auf ihre Mutter als diese sich im gleichen Alter befindet. Die beiden Mädchen freunden sich an und verbringen einige Tage zusammen. Beide haben kürzlich ihre jeweilige Großmutter verloren. Schon bald wird einer der beiden Achtjährigen klar, dass die andere ihre (zukünftige) Mutter ist. Irgendwie scheint der umliegende Wald als eine Art Zeitportal zu fungieren. Doch an einer Erklärung dieser “Scifi-Prämisse” ist Sciamma, die auch das Drehbuch schrieb, zu keiner Zeit interessiert. Vielmehr geht es vor allem darum, wie Kinder mit Trauer umgehen.

Céline Sciamma gestaltet ihren neuesten Film in jeglicher Hinsicht minimalistisch. Das Setting ist örtlich und personell äußerst reduziert, Story und Dramaturgie einfach gehalten und alles konsequent aus kindlicher Perspektive erzählt. Das erscheint umso erstaunlicher, da Sciamma laut eigener Aussage keinen besonderen Bezug zu Kindern habe und auch kein Kind in ihrem Kopf sei. Dafür nehme sie Kinder als vollwertige Menschen ernst. Sciamma, Kamerafrau Claire Mathon (Spencer) und das übrige Team vollführen die Inszenierung fast dokumentarisch. Mit Ausnahme des letzten Drittels, für welches der DJ Jean-Baptiste de Laubier alias Para One ein Stück komponierte, zu welchem Sciamma wiederum die Lyrics beisteuerte, wird komplett auf eine musikalische Untermalung verzichtet. Das verleiht Petite Maman starke, unmittelbare Authentizität.

Die gemeinsame Zeit Nelly und Marions ist einerseits voller kindlicher Phantasie, doch gleichzeitig wirken die Mädchen auf ihre eigen Art erwachsen. Sie können aufgrund ihres jungen Alters mit der Trauer um die Großmütter nicht so recht umgehen, stehen aber ohne große Gesten einander bei. Am Ende trennen sich zwangsläufig die Wege der Mädchen, doch haben sie sich gegenseitig aufgerichtet. Und Nelly hat ein Verständnis für die inneren Konflikte ihrer Mutter entwickelt. Im Herzstück von Petite Maman stehen freilich die Zwillingschwestern Joséphine und Gabrielle Sanz. Sie sehen sich zwar recht ähnlich, aber eine Verwechslungsgefahr besteht aus meiner Sicht kaum. Vor allem meistern die beiden Schauspieldebütantinnen die Situation ihrer Figuren zwischen (kindlicher) Leichtigkeit und nicht so recht einordenbarer Melancholie mehr als gekonnt. Da spielen die erwachsenen Akteure nur Nebenrollen.

Fazit: Authentisches und minimalistisches Drama über Kindheit, Erinnerung und Trauer, mit den sehr erwachsen agierenden Schwestern Joséphine und Gabrielle Sanz im Mittelpunkt. 8 von 10 Punkten.


Nelly und Marion
 

Die Hütte im Wald

 

Marius Joa, 20. März 2022. Bilder: Alamode Film.

 

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