Nach ihrem als Geheimtipp gehandelten I Saw The TV Glow, mit hierzulande nur sehr begrenzter Leinwand-Auswertung, ist seit letzter Woche der neue Film von Jane Schoenbrun in den Kinos gestartet. In Teenage Sex And Death At Camp Miasma soll eine junge Filmemacherin (Hannah Einbinder) einer Slasher-Filmreihe neues Leben einhauchen und trifft sich mit dem Star des ersten Teils, gespielt von Gillian Anderson.
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Teenage Sex And Death At Camp Miasma
Horrorfilm/Satire USA 2026. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 112 Minuten. Kinostart: 20. August 2026.
Mit: Hannah Einbinder, Gillian Anderson, Jack Haven, Amanda Fix, Arthur Conti, Sarah Sherman u.v.a. Drehbuch und Regie: Jane Schoenbrun.

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Vom kleinen Tod und der großen Befreiung
Die Slasher-Filmreihe Camp Miasma startete mit dem ersten Teil in den 1980ern. Darin dezimiert Little Death (Jack Haven), der Killer mit einer Maske in Form eines Luftschachtes, eine Gruppe von Teenagern und ihre Betreuer*innen. Nach unzähligen, teils erfolgreichen Fortsetzungen scheint das Franchise einige Jahrzehnte später tot. Kris (Hannah Einbinder), eine junge queere Filmemacherin, erhält nach ihrem Low-Budget-Debüt den Zuschlag, die Filmreihe wieder zu neuem Leben zu erwecken. Ein weiteres klassisches Sequel soll es aber nach dem Willen der Regisseurin nicht sein. Um sich Inspiration für ihr Drehbuch zu holen, sucht sie die Darstellerin des „final girl“ aus dem ersten Camp Miasma-Film, Billy Presley (Gillian Anderson), auf. Billy hatte seinerzeit ihrer Mitwirkung an den Fortsetzungen eine Absage erteilt und sich komplett zurückgezogen. Seitdem lebt die Schauspielerin ausgerechnet auf dem Gelände des Sommercamps Camp Tivoli, welches damals als Drehort benutzt wurde. Ein merkwürdiger Ort, wie Kris nach ihrer Ankunft feststellt…
Der neue Film von Jane Schoenbrun gehört zu denen, auf welche ich mich in diesem Jahr mit am meisten gefreut hatte. Das lag vor allem daran an Schoenbruns vorherigen Werk, I Saw The TV Glow (2024), das aus meiner Sicht eine besondere Mixtur aus Coming-of-Age-Story, queerem Identitätsdrama und Mystery-Streifen, mit inhaltlichen und atmosphärischen Anklängen an die Kultserien Buffy the Vampire Slayer (1997-2003) und Twin Peaks (1990/91; 2017) sowie zwei Außenseiter*innen, welche durch die Begeisterung für eine eher obskure Fernsehserie eine Verbindung zueinander aufbauen, im Zentrum. Auch in Teenage Sex And Death At Camp Miasma bildet ein audiovisuelles Medium das verbindende Element der Geschichte.

Ich habe ehrlich gesagt eher wenig Seherfahrung, was das Slasher-Horror angeht, weswegen vermutlich viele Referenzen an mir vorbeigegangen sein dürften. Dennoch finde ich die Mischung aus Hommage, Parodie bzw. Meta-Satire überaus erfrischend und unterhaltsam. Ausgehend von diversen Vorbildern, vor allem natürlich das Freitag der 13.-Franchise, von welchem es ein Dutzend Filme gibt, zelebriert und dekonstruiert Schoenbrun das Genre auf detailverliebte Weise, inklusive eines Vorspanns, welcher die bisherigen Teile der fiktiven Camp Miasma-Reihe sowie Medienecho und Merchandising im Schnelldurchgang präsentiert, oder prominent ins Bild gerückte Süßigkeiten und Snacks mit Nostalgie-Faktor.
Ähnlich wie bei I Saw The TV Glow verleiht Jane Schoenbrun, eine nichtbinäre Transperson, ihrem neuen Werk eine sehr persönliche Note und fügt dem Slasher damit eine neue Betrachtungsweise hinzu. Dabei werden zum einen die teils homo- und transphoben Tropen des Genres thematisiert und kritisiert, sowie auch Perspektiven und das Thema sexuelle Befreiung erforscht. Das klingt jetzt sicherlich etwas akademisch und trocken, doch Teenage Death And Sex At Camp Miasma erweist sich als kurzweilig, spaßig und atmosphärisch süffig, vor allem dank der augenzwinkernden Meta-Erzählung und dem gekonnt künstlich-stilisierten Setting.
Während Jack Haven (unter dem früheren Namen Brigette Lundy-Paine noch Hauptdarsteller*in in I Saw The TV Glow) den Killer Little Death (nur echt mit Luftschacht-Maske, weißem Overall und Speer) verkörpert, konnte Schoenbrun für die beiden Hauptrollen zwei angesagte Star-Schauspielerinnen verpflichten. Hannah Einbinder, bekannt für die preisgekrönte Comedyserie Hacks, überzeugt als unsichere Filmemacherin Kris. Und Gillian Anderson (Akte X, The Fall – Tod in Belfast, Sex Education) kostet ihre Figur der mysteriösen, etwas verschrobenen und glamourösen „Einsiedlerin“/Ex-Schauspielerin Billy Presley auf genüssliche Weise, auch durch den gekonnten Südstaaten-Akzent.
Fazit: In ihrem Meta-Werk Teenage Sex And Death At Camp Miasma zelebriert und dekonstruiert Jane Schoenbrun das Slasher-Kino und gibt diesem eine neue, queere Perspektive.
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Marius Joa, 27. August 2026. Bilder: MUBI.


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