splash
Willkommen
Herzlich Willkommen bei Vieraugen Kino.
Bei uns finden Sie aktuelle Filmkritiken in Sachen Kino, DVD und Fernsehen.
Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 22. Januar 2023

Die abrupte, einseitige Kündigung einer Freundschaft auf der titelgebenden Insel, davon handelt Regisseur Martin McDonaghs (“Brügge sehen…und sterben?”, “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”) neuester Film, “The Banshees of Inisherin”.

 

The Banshees of Inisherin

Von Marius Joa. Publiziert am 22. Januar 2023

Die abrupte, einseitige Kündigung einer Freundschaft auf der titelgebenden Insel, davon handelt Regisseur Martin McDonaghs (Brügge sehen…und sterben?, Three Billboards Outside Ebbing, Missouri) neuester Film, The Banshees of Inisherin.

The Banshees of Inisherin
Tragikomödie Irland, UK, USA 2022. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 114 Minuten. Kinostart: 5. Januar 2023.
Mit: Colin Farrell, Brendan Gleeson, Barry Keoghan, Gary Lydon, Sheila Flitton, Pat Shortt, David Pearse u.a. Drehbuch und Regie: Martin McDonagh.

One boring man? You’re all feckin‘ boring!”

Auf der Insel Inisherin, vor der Westküste Irlands, im Jahre 1923. Gestern noch waren Pádraic Súilleabháin (Colin Farrell) und Colm Doherty (Brendan Gleeson) die besten Freunde. Doch als Pádraic eines Nachmittags Colm wie üblich zum täglichen Ausklang des Tages im Pub von Jonjo (Pat Shortt) abholen will, reagiert dieser nicht. Pádraic ist verwirrt und stellt Colm schließlich zur Rede. Colm erklärt, dass er nicht mehr mit Pádraic befreundet sein und sich angesichts der Vergänglichkeit des Lebens nur noch der Musik widmen will. Mit der Situation überfordert versucht Pádraic die Wogen wieder zu glätten. Doch Colm macht deutlich, dass er seine Ruhe haben will und um seiner Aussage Nachdruck zu verleihen, kündigt er an, sich jedes Mal einen Finger der linken Hand abzuschneiden, wenn Pádraic ihn fortan anspricht. Die unmögliche Lage belastet bald auch Pádraics Schwester Sióbhan (Kerry Condon), die mit ihrem Bruder im Haus der vor ein paar Jahren verstorbenen Eltern wohnt. Unterdessen sucht Pádraic nach neuen Freunden, doch die Auswahl ist begrenzt. Der als Dorftrottel geltende Dominic Kearney (Barry Keiough), Sohn des Inselpolizisten Peádar Kearney (Gary Lydon), bietet da keinen wirklich gleichwertigen Ersatz. Was nun?

Vor seiner Karriere als Filmemacher hatte sich Martin McDonagh, 1970 als Sohn irischer Eltern in London geboren, bereits einen Namen als Bühnenautor gemacht, wobei seine ersten Stücke alle im County Galway, an der Westküste Irlands, spielten. Nachdem McDonagh für seinen Kurzfilm Six Shooter (2004) einen Oscar gewinnen konnte gab er mit der schwarzen Auftragskiller-Komödie Brügge sehen…und sterben? (Originaltitel: In Bruges, 2008) sein Langfilmdebüt als Regisseur. Die Hauptrollen spielten Colin Farrell und Brendan Gleeson. 14 Jahre später kam es mit The Banshees of Inisherin (dem vierten Spielfilm des Regisseurs) erneut zur Zusammenarbeit McDonaghs mit den irischen Schauspielern.

Die von August bis Oktober 2021 auf den Aran-Inseln vor der Westküste Irlands gedrehte Produktion beginnt als Komödie, doch verstärkt sich mit zunehmender Laufzeit die Tragik des Ganzen. Die Dynamik unter den Figuren erweist sich auch dank des lakonischen Dialogwitzes und der Situationskomik lange Zeit als sehr amüsant, doch offenbaren sich immer mehr Abgründe. Das Setting auf einer abgelegenen Insel mit rauher Natur und optisch beeindruckenden Küstenpanoramen sowie die Kauzigkeit der Charaktere mag typisch irisch wirken doch hätte sich die gleiche Geschichte vor 100 Jahren auch in einem deutschen Bauerndorf oder anderswo in einem ländlichen Kaff abspielen können.

Mit dem im Rest des Landes tobenden irischen Bürgerkrieg als Hintergrundrauschen verschärft sich die zerfahrene Situation zwischen den ehemals besten Freunden immer mehr. Ein handfester Streit zwischen den beiden Männern entbrennt hier nicht, vielmehr bleibt die Konstellation immer volatil und zwischenzeitlich scheint sich alles sogar in Wohlgefallen aufzulösen, nur um dann doch eine harsche Wendung zu nehmen. Die Tragik liegt hier sicherlich auch in der ausweglosen und absurden Situation, verstärkt durch die Sturheit und Hartnäckigkeit der beteiligten Personen. Am Ende ist The Banshees of Inisherin eben doch keine harmlose Feelgood-Komödie.

Mit dem hervorragenden Colin Farrell (Alexander, Brügge sehen… und sterben?, The Killing of a Sacred Deer) als aus der Bahn geworfenem Pádraic, Brendan Gleeson (Troja [2004], Harry Potter-Filme, Brügge sehen… und sterben?) als Eigenbrötler Colm, Kerry Condon (Rom [Serie], Gold [2014]) als Pádraics resolute Schwester Sióbhan sowie Barry Keoghan (The Killing of a Sacred Deer, Dunkirk) als vernachlässigter Dominic hat McDonagh einige der besten irischen Akteure der Gegenwart versammelt. Auch die weiteren Darsteller können überzeugen, vor allem Sheila Flitton (The Commitments, The Northman) als alte Mrs. McCormick, welche die Funktion einer Banshee durchaus erfüllt. Bei den kürzlich verliehnen Golden Globes 2023 wurde The Banshees of Inisherin dreifach ausgezeichnet: als bester Film/Komödie sowie für das Drehbuch und die Performance von Hauptdarsteller Colin Farrell.

Fazit: Liebenswerte, amüsante, aber auch tragische und teils drastische Dramedy über das Ende einer Freundschaft und daraus entstehende Konsequenzen. 8 von 10 Punkten.

Pádraic und Colm
Siobhan und Dominic
Die alte Mrs. McCormick ahnt etwas

Marius Joa, 22. Januar 2023. Bilder: Searchlight.

Stichwörter: , , , , , , ,

Ähnliche Beiträge
Rubrik Kino

Kommentar hinterlassen