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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 7. November 2019

Jetzt wo sich der Staub gelegt hat, wird es Zeit für meine ausführliche Kritik zur finalen Staffel von “Game of Thrones”, der TV-Adaption von George R.R. Martins Fantasy-Saga “Das Lied von Eis und Feuer”.

 

The Grandmaster

Von Marius Joa. Publiziert am 13. Juli 2013

Der chinesische Regisseur Wong Kar-Wai war auf der diesjährigen Berlinale nicht nur Präsident der Jury, er veröffentlichte dort auch (außer Konkurrenz) seinen neuesten Film The Grandmaster, über den legendären Kampfsport-Guru Ip Man.

 

7-10The Grandmaster (Yut doi jung si)
Martial-Arts-Drama/Biografie Hongkong/China 2013. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 123 Minuten. Kinostart: 27. Juni 2013.
Mit: Tony Leung, Zhang Ziyi, Chen Chang, Wang Qingxiang, Zhang Jin, Yuen Woo-ping u.v.a. Regie: Wong Kar-Wai.

 

The Grandmaster_Poster

 

Der größte Gegner ist das Schicksal

Der legendäre Wingchun-Großmeister Ip Man, bürgerlich Ye Wen, (Tony Leung) erinnert sich an die Hochzeit seines Schaffens. Als der Sohn einer wohlhabenden Familie aus der südchinesischen Stadt Foshan muss er sich um seinen Lebensunterhalt keine Sorgen machen und kann sich ganz seiner Kampfkunst widmen, die er über die Jahre bis zur Perfektion verfeinert. Bei einem zeremoniellen Kampf zur Verabschiedung des Altmeisters Gong Baosen (Wang Qingxiang) trifft Ye Wen 1936 auf dessen Tochter Gong Er (Zhang Ziyi). Die beiden kämpfen und Gong Er gelingt es den bisher unbesiegten Ye Wen zu schlagen. Bis sich die Kontrahenten nach Jahren wieder sehen, haben beide schwere Schicksalsschläge erlitten. Ye Wen hat seine Familie in den Kriegswirren der japanischen Invasion verloren, Gong Er ihren Vater durch den Mord seines Schülers Ma San (Zhang Jin)…

The Grandmaster_Regen Ye Wen, der Mann mit dem weißen Hut

Eines der auffälligsten Markenzeichen des chinesischen Autorenfilmers Wong Kar-Wai (u.a. In The Mood For Love, 2046, My Blueberry Nights) ist die lange Produktionszeit seiner Filme. Vor allem für den Schnitt nimmt sich der Regisseur gern viel Zeit. So auch bei seinem neuesten Werk The Grandmaster. Die Dreharbeiten fanden bereits von Dezember 2009 bis April 2010 statt, doch fertig war der Film erst wenige Tage vor der Veröffentlichung im Januar 2013.

The Grandmaster erzählt Teile der Lebensgeschichte des berühmten Kampfkunst-Gurus Ip Man (oder Yip Man), der in seinen späteren Jahren auch den Schauspieler und Kampfkünstler Bruce Lee trainierte. Die Geschichte beginnt in den 1930ern als Ip Man etwa vierzig Jahre alt ist und glücklicher Familienvater. Er schlägt alle seine Gegner im (Schau-)Kampf, gerne auch mehrere gleichzeitig. Im Goldenen Pavillon, sowohl Bordell als auch Veranstaltungszentrum, besiegt Ip Man die Kämpfer der verschiedenen Stile. Doch nicht nur der große Ip Man steht im Mittelpunkt der Geschichte. Gong Er, die Tochter des alten Großmeisters, rückt zwischenzeitlich in den Mittelpunkt des Geschehens. Sie unterwirft sich dem Willen ihres Vaters und wird Ärztin obwohl sie eigentlich berechtigte Ambitionen auf dessen Nachfolge hat.

Im Grunde ist Wong Kar-Wais neuestes Werk weder Kampfkunst-Film noch Biografie, sondern vielmehr eine Rückschau auf die viel beschworenen „besseren Zeiten“, eine einzige, nicht chronologische Rückblende, erzählt von Ip Man aus seinen Erinnerungen, fragmentarisch wie diese eben sind. Da passt es irgendwie ins Bild, dass die Figur eines weiteren Kämpfers mit dem Spitznamen „Rasierklinge“ zwar zwischenzeitlich eingeführt, aber dann doch wieder gefallen gelassen wird. Vermutlich ist sie aber auch einfach dem extensiven Schnittprozess zum Opfer gefallen.

Die fragmentarische „Erzählweise“ macht den Film sicherlich nicht einfach zu durchdringen. Der ein oder andere mag sich vielleicht eine weitere Schnittfassung mit mehr Erklärungen und Zusammenhängen wünschen. Das ist nachvollziehbar. Wer Won Kar-Wai kennt, der weiß allerdings, dass es ihm nicht primär um inhaltliche Aspekte, sondern um Stimmungen und Assoziationen geht. Die bittere Wahrheit hinter The Grandmaster: selbst ein noch so guter Kämpfer hat keine Chance gegen seinen größten Gegner: das Schicksal.

Die meditativen und äußerst ästhetischen Kampfszenen choreographierte übrigens Yuen Woo-ping, der diese Aufgabe bereits bei unzähligen Filmen wie Tiger & Dragon sowie der Matrix-Trilogie übernommen hatte. Außerdem ist er in einer Nebenrolle zu sehen.

Fazit: Meditative Kampfszenen und fragmentarische Rückblenden in erlesener Optik. The Grandmaster bildet beileibe keinen x-ten Martial-Arts-Aufguss, sondern leise Sehnsucht nach alten Zeiten. 7 von 10 Punkten.

The Grandmaster_Gong Er
Zhang Ziyi spielt Gong Er
The Grandmaster_Hand
Der Ip Man lässt bitten

 

Marius Joa, 13. Juli 2013. Bilder: Wild Bunch.

 

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