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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 30. November 2019

So wie Hollywood allgemein das Mainstreamkino weltweit beherrscht so dominieren Disney und Pixasr den Animationsfilm-Markt. Werke, die ohne große Studiopower entstehen, haben es da schwer. Umso schöner, dass Netflix dem französischen Beitrag “Ich habe meinen Körper verloren” eine großflächige Veröffentlichung ermöglicht hat.

 

Unterwegs nach Cold Mountain

Von Marius Joa. Publiziert am 24. Februar 2004

Liebesdrama USA/UK/Rumänien 2003. Regie: Anthony Minghella. Musik: Gabriel Yared. Nach Charles Frazier. 154 Minuten. FSK ab 12.
Mit: Jude Law, Nicole Kidman, Renée Zellweger, Kathy Baker, Brendan Gleeson, Philip Seymour Hoffman, Natalie Portman, Donald Sutherland, Ray Winstone u.v.a.

Zur Zeit des Sezessionskrieges: Die junge Ada zieht mit ihrem Vater, dem Prediger Monroe von Charleston ins Bergdorf Cold Mountain, in North Carolina. Dort lernt sie den wortkargen Einzelgänger Inman kennen. Obwohl sich die beiden kaum kennen und Inman kurze Zeit später in den Krieg zieht, verlieben sie sich ineinander. Ada schreibt Inman unzählige Briefe an die Front, die er zu Beginn auch noch beantworten kann. Nachdem er drei Jahre die Grauen des Krieges erlebt hat, beschließt Inman zu desertieren. Dem Fahnenflüchtigen ist nun die Heimatgarde auf den Fersen. Auch in Cold Mountain treibt diese ihr Unwesen, in Gestalt von Teague und seinen Männern, die den Bewohnern allmählich das Leben zur Hölle machen. Als Adas Vater überraschend stirbt und sie mit dem Leben auf der Farm total überfordert ist, kommt ihr die resolute Bäuerin Ruby Thewes zur Hilfe, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Währenddessen setzt Inman seine gefährliche Reise nach Hause fort…

Oscar-Preisträger Anthony Minghella (Der talentierte Mr. Ripley) inszenierte mit der Verfilmung des Romans von Charles Frazier eine moderne Odyssee. Auffallend sind hier die schönen Naturaufnahmen. Der Film wurde nicht etwa, wie erwartet, in den USA, sondern in Rumänien gedreht. Trotzdem geben die Drehorte einem das Gefühl, man befinde sich in den Staaten. Überraschenderweise sind nicht die Hauptdarsteller besonders herausragend, sondern eher die Nebendarsteller. Hier müssen vor allem der Ire Brendan Gleeson als Rubys Vater Stobrod Thewes und der Engländer Ray Winstone als Bösewicht Teague erwähnt werden. Gute Leistungen liefern Jude Law und Renée Zellweger ab (beide für den Oscar nominiert) sowie Nicole Kidman zwar ab, jedoch nicht so überragend wie in den Medien immer angepriesen. Pluspunkte des Films sind dagegen der fast schonungslose Realismus darüber, was für Auswirkungen die Grauen des Krieges auf die Menschen haben, die Kameraführung, die ansprechende Geschichte und die beiden Songs „You Will Be My Ain True Love“ und „Scarlet Tide“. Beide Songs, die Kamera, der Schnitt, die Filmmusik und die Darsteller Jude Law und Renée Zellweger sind für Oscars nominiert, die am Sonntag vergeben werden.

Doch hat der Film auch einige Schwächen. Die Synchronisation ist für zwei davon verantwortlich, denn die deutsche Stimme von Renée Zellweger ist einfach eine Zumutung und man fragt sich den ganzen Film hindurch, warum sich Ada und Inman immer noch siezen. Die Problematik der Sklavenhaltung (die Handlung spielt in den Südstaaten) scheint vollkommen Nebensache zu sein. Auch wenn der Film ziemlich realistisch ist, was die Grausamkeit des Krieges betrifft (und damit weniger für Zuschauer ab 12 geeignet), so ist er für den Zuschauer wenig mitreißend und die Wahrscheinlichkeit, das man ihn nach einiger Zeit wieder vergisst, ist nicht unbedingt gering.

Fazit: Gute Antikriegs-Odyssee mit einer besonderen Liebesgeschichte, die in keiner Weise zu schnulzig ist und schönen Bildern. 7/10.

Marius Joa, 24.02.2004

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Rubrik Kino

Eine Antwort zu “Unterwegs nach Cold Mountain”

Johannes Michel Johannes Michel

Zweite Filmkritik zu „Unterwegs nach Cold Mountain“: Endlich wieder ein „schöner Film“

Da Marius Joa in seiner oben stehenden Kinokritik schon ausreichend auf den Inhalt von „Unterwegs nach Cold Mountain“ eingegangen ist, möchte ich hier direkt zur eigentlichen Filmkritik kommen.

Im Vorfeld meines Kinobesuches wurde ich schon durch Zeitungen und Kinomagazine mit ersten Eindrücken bestürmt. Da hieß es negativ, eine größere Schnulze habe es in den vergangenen Jahren nicht gegeben. Positiv wurde angemerkt, dass „Unterwegs nach Cold Mountain“ endlich ein würdiger Nachfolger für „Vom Winde verweht“ sei. Ob gleich so weit zu gehen ist, sei einmal dahingestellt.
Klar ist, dass sich der Film von der Masse der Hollywood-Produktionen unserer Zeit deutlich abhebt. Zwar wird auf Action nicht verzichtet – die Darstellung des Bürgerkrieges in seiner brutalen und ernsten Realität –, dennoch lebt der Film hauptsächlich von seinen schönen Bildern und von den Dialogen. Gut gelungen ist dies deshalb, da zwar zu Beginn des Films und auch in einigen Szenen später durchaus Gewalt gezeigt wird, aber keine ekligen Elemente einfließen; meint: Blut bekommt der Zuschauer nicht zu sehen.
Die schauspielerische Leistung weiß, außer in einem Punkt, auf den ich noch eingehen werde, sehr zu überzeugen. Jude Law spielt den nach Hause irrenden Inman sehr überzeugend, auch Renée Zellweger in der Rolle der Bäuerin Ruby Thewes wirkt überzeugend. Einzig Nicole Kidman scheint nicht ihre 100-Prozent zu geben. Besonders ihre Mimik passte manchmal nicht zu ihrer Rolle. Dies tut der insgesamt sehr guten schauspielerischen Leistung aber keinen Abbruch.

Fazit: Ein Film, der dem Zuschauer noch einige Zeit in Erinnerung bleiben wird. Auf jeden Fall ein Kandidat für den nächsten DVD-Kauf.

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