Beim 52. Internationalen Filmwochenende in Würzburg (29.01. bis 01.02.2026) gab es auch eine Weltpremiere. Acht Jahre nach seinem letzten Werk stellte „local hero“ Sascha Renniger seine neueste Lovecraft-Adaption Haunter from Beyond vor.
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Haunter from Beyond
Horror Deutschland 2026. 46 Minuten. Kinostart: unbekannt.
Mit: Oliver Meiners, Behrad Beh Nehzad, Wieland Schinnenburg u.a. Nach Der leuchtende Trapezoeder von H.P. Lovecraft. Drehbuch und Regie: Sascha Renninger.

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Das Unheil in der Kirche
Nach einem schweren Schicksalsschlag zieht Robert (Oliver Meiners) nach Berlin, vor allem um seinem Faible für urbane Fotografie nachzugehen. Von seinem guten Freund Ari (Stimme: Behrad Beh Nehzad) erhält Robert einen besonderen Shooting-Tipp: die seit langem leerstehende Kirche St. Michael. Vor Jahrzehnten soll dort die umstrittene Rockband Starry Wisdom finstere Mächte erweckt haben. In einem Turm findet Robert die Leiche eines geistlichen Ermittlers und dessen Tonbandaufzeichnungen, aber auch eine geheimnisvolle Truhe mit unbekannten Schriftzeichen. Die Truhe enthält einen leuchtenden, roten Trapezoeder, dessen Anblick für Robert gravierende Folgen hat…
Die Werke des einflussreichen Horror-Schriftstellers Howard Phillips „H.P.“ Lovecraft (1890-1937) wurden nicht nur von anderen Autoren weitergeführt, sondern auch mehrfach für andere Medien adaptiert, z.B. von Stuart Gordon (Necronomicon, Dagon), Richard Stanley (Die Farbe aus dem All), der H.P. Lovecraft Society (Call of Cthulhu) oder in der Anthologieserie Guillermo del Toro’s Cabinet of Curiosities. Auch in Deutschland haben sich Kreative der Erzählungen des amerikanischen Kultautors angenommen, etwa Huan Vu mit Die Farbe oder das Duo Nisan Arikan und Lars Henriks vom Miskatonic Theater in Hamburg, die sowohl eine Film-Adaption (From Beyond) als auch mehrere Bühnenfassungen schufen. Mit Sascha Renninger gibt es zudem einen unterfränkischen Filmemacher, der Lovecrafts Werke verfilmt.
2011 erschien Renningers erster Kurzfilm, Shadow of the Unnamable, nach der Kurzgeschichte Das Unnennbare. Sieben Jahre später feierte sein zweiter Streich, Fragment 1890, basierend auf den Traumtagebüchern Lovecrafts, seine Uraufführung beim Internationalen Filmwochenende Würzburg 2018 im Rahmen eines Lovecraft-Kurzfilmblocks. Und weitere acht Jahre verstrichen bis am 30. Januar 2026 Renningers dritte HPL-Adaption erstmals das Licht der Leinwand erblickte. Spielten die ersten beiden Shorts quasi zu Lebzeiten des Autors und wurden mit englischsprachigen Schauspieler*innen gedreht, so versetzt Haunter from Beyond, nach der Kurzgeschichte Das leuchtende Trapezoeder (Originaltitel: Haunter in the Dark; 1936) das Geschehen ins Berlin der späten 2010er Jahre.

Zudem hat Renninger hinsichtlich der Länge ein wenig, nämlich auf 46 Minuten, aufgestockt. Sein drittes Werk stellt also eher eine Featurette dar, auch bekannt als „mittellanger“ Spielfilm. Als Einstimmung wurden vor „Haunter“ der ebenfalls neue Appetizer-Kurzfilm Aurum sowie die beiden ersten Streifen gezeigt. Sowohl Shadow of the Unnamable (16 Min.) als auch Fragment 1890 (27 Min.) nutzen ihre Laufzeit wirklich effektiv, vor allem erstgenannter. Haunter from Beyond hatte hingegen im ersten Drittel ein paar Längen und nach meinem Dafürhalten könnte man wenigstens fünf Minuten herauskürzen ohne dass dies die Story negativ beinträchtigen würde.
Ansonsten liefern Sascha Renninger, der neben Regie und Drehbuch auch Kamera, Schnitt, Produktion und weitere Teile der Nachbearbeitung übernahm und seine kleine Crew hier einen ästhetisch starken und intensiven Horrortrip ab, der Lovecrafts bekannte Elemente auf gelungene Weise in die Gegenwart transportiert. Umso eindrucksvoller, wenn man bedenkt, dass die Produktion ohne wirkliches Budget gestemmt wurde.
Sascha Renninger war auch persönlich bei der Vorstellung Filmwochenende anwesend, gemeinsam mit seinem Hauptdarsteller Oliver Meiners, Komponist Klaus von Heydenaber und Sounddesigner Hamed Jalali, wobei sich manche der vier Männer an diesem Abend das erste Mal persönlich trafen. Die Crew beantwortete Fragen aus dem Publikum. Der Regisseur hatte auch ein paar Requisiten aus dem Film mitgebracht (siehe Foto oben) und erzählte von der langwierigen Arbeit an seiner dritten Lovecraft-Adaption. Unter dem gleichen Titel Haunter from Beyond plant Sascha seine drei Werke zu einem abendfüllenden Spielfilm zusammenzufügen und mit einer Rahmenhandlung auszustatten. Hoffentlich dauert es nicht wieder acht Jahre bis zur nächsten Premiere.
Fazit: Im ersten Drittel eher wenig zwingend, aber insgesamt eine überaus stimmungs- und effektvolle Lovecraft-Adaption von Sascha Renninger und seinem Team.
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Marius Joa, 6. Februar 2026. Bilder: Church Hill Pictures.


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