Im Jubiläumsjahr von Star Trek (das Franchise feiert seinen 60. Geburtstag) ist nach der ersten Season von Starfleet Academy mit der vierten Runde von Strange New Worlds eine weitere neue Staffel gestartet. Captain Pike, Number One, Spock und Co erleben erneut eigenartige Abenteuer.
—

Star Trek: Strange New Worlds – Staffel 4 (Star Trek: Strange New Worlds – Season 4)
Science-Fiction-Serie USA 2026. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 10 Folgen. Gesamtlänge. ca. 550 Minuten. Starttermin: 24. Juli 2026.
Mit: Anson Mount, Ethan Peck, Rebecca Romijn, Jess Bush, Christine Chong, Celia Rose Gooding, Melissa Navia, Babs Olusanmokun, Martin Quinn, Paul Wesley u.v.a. Nach Star Trek von Gene Roddenberry. Idee: Akiva Goldsman, Alex Kurtzman und Jenny Lumet.

—
Unterhaltsamer Cocktail
Der Weltraum. Unendliche Weiten. Dies sind die weiteren Abenteuer der USS Enterprise, unter dem Kommando von Captain Christopher Pike (Anson Mount) und seiner Crew um die erste Offizierin Una Chin-Riley (Rebecca Romijn) alias Number One, Wissenschaftsoffizier Lieutenant Spock (Ethan Peck), Sicherheitschefin Lieutenant La’An Noonien-Singh (Christina Cong), Pilotin Lieutenant Erica Ortegas (Melissa Navia), Kommunikationsexpertin/Linguistin Nyota Uhura (Celia Rose Gooding), Ingenieur Lieutenant Montgomery „Scotty“ Scott (Martin Quinn), Chefarzt Dr. Joseph M’Benga (Babs Olunsanmokun) und Krankenschwester Christine Chapel (Jess Bush). Neben einer Zeitreise weit in die Vergangenheit bekommt es die Mannschaft des Flaggschiffes der Sternenflotte auch unter anderem mit einem Geisterschiff und den kuriosen Folgen eines Transporterunfalls zu tun. Außerdem gilt es eine Sonde von einem Planeten sicherzustellen, der von den Klingonen kontrolliert wird, und mit dem stressigen Alltag auf einem Raumschiff fertig zu werden…
Die sechste Serie seit der Übernahme des Star Trek-Franchises durch Alex Kurtzman (Co-Autor von Transformers [2007] und der ersten beiden Star Trek-Rebootfilme von J.J. Abrams), vereint die Farbenpracht und Ästhetik der Originalserie von Gene Roddenberry (1966-69) mit modernster Kamera- und Digitaltechnik sowie einem Update der progressiven Werte des ganzen Raumfahrt-Universums. Als Prequel dreht sich die Produktion des Streaminganbieters Paramount+ (der auch alle anderen Serien und Filme des ganzen Franchises im Programm hat) um die „frühen“ Jahre der Crew der USS Enterprise. Das Autor*innen-Team um die Showrunner Akiva Goldsman und Henry Alonso Myers setzt auch in der vierten Staffel überwiegend auf inhaltlich abgeschlossene Episoden, auch wenn der ein oder andere übergreifende Handlungsstrang im Hintergrund mitläuft.

Charakteristisch für Strange New Worlds ist vor allem die Bereitschaft zu experimentieren, besonders mit alternativen Stories und Formaten. In Staffel 2 gab es nicht nur eine Musicalfolge, sondern auch ein Crossover mit der animierten Comedyserie Star Trek: Lower Decks (2020-2024). Season 3 wiederum bot eine Meta-Episode mit Whodunit und eine Folge in Form einer Dokumentation, welche die Sternenflotte als Organisation kritisch beleuchtet. Dieses absichtliche „Aus der Reihe tanzen“ macht für mich den Reiz der Serie aus, obgleich nicht jedes Experiment komplett gelingt. Die dritte Staffel langweilte mich eher, denn manche Figuren scheinen auserzählt. Mit Season 4 hatte ich dann wieder mehr Spaß.
Denn den Hauptkritikpunkt, denn man immer anführen kann, wird die Prequel-Serie auch im vierten und vorletzten Jahr nicht los. Warum schon wieder bekannte Figuren „auftischen“, wenn man die gleiche Serie auch mit komplett neuem Personal und einem anderen Raumschiff machen könnte? Nach meinem Dafürhalten würde das Konzept unter anderen Vorzeichen dennoch funktionieren. Die fortgesetzte Rivalität zwischen der schnoddrig-frechen Pilotin Erica Ortegas und dem jungen, etwas knurrigen Ingenieur Scotty sorgt allerdings für etwas frischen Wind und immerhin wird dieses Mal angenehm wenig Zeit mit den Beziehungsgeschichten von Spock verbracht.
Richtig Spaß hat auf jeden Fall die in Zusammenarbeit mit Jim Henson’s Creature Shop entstandene 6. Folge Level-Five Transporter Accident gemacht, in welcher (wie der Originaltitel bereits andeutet) eine Fehlfunktion mit dem Transporter dafür sorgt, dass die komplette Besatzung der Enterprise mit Ausnahme von Spock in Puppen im Stile der Muppets verwandelt wird. In Film-Noir-Gefilde taucht man ebenso ab wie erneut in die Märchenwelt aus dem ersten Jahr, wobei in letzterem Setting das Szenenbild und die überbordenden Kostüme herausstechen.
Absichtlich kitschig wird es auch in der siebten Episode, als sich Captain Pike plötzlich in einer Seifenoper wähnt und mit Deidre Hall (Zeit der Sehnsucht) eine echte Soap-Opera-Veteranin die Gastrolle des Schiffscounselors übernimmt. Pulp-Fans dürften in der Staffelpremiere auf ihre Kosten kommen, wenn die Crew der Enterprise Jahrmillionen in der Vergangenheit plötzlich Dinosauriern und Marsmenschen begegnet. Strange New Worlds trifft auch bei den eher absurden Szenarien in ernsten Situationen meist den richtigen Ton, wenngleich man so mancher Geschichte ruhig noch etwas mehr Zeit hätte geben können. Produktionstechnisch präsentiert sich auch Staffel 4 auf dem üblicherweise hochwertigen Niveau.
Auch in Staffel 4 wird auf den „Status Quo“ zu Beginn der originalen Raumschiff Enterprise-Serie sehr stark hingearbeitet, speziell im Bezug auf James Kirk (leider etwas farblos: Paul Wesley), der immer wieder mal auftaucht, und seine künftige Rolle als Captain der Enterprise. Mit der bereits fertig gedrehten und für 2027 eingeplanten fünften Staffel (sechs Folgen) wird Strange New Worlds enden.
Die komplette vierte Staffel von Star Trek: Strange New Worlds ist seit dem 25. September 2026 Teil des Angebots von Paramount+.
Fazit: Im vierten Jahr punktet Strange New Worlds trotz mancher auserzählter Figur mit teils herrlich schrägen Einzelepisoden.
—




—
Marius Joa, 11. Oktober 2026. Bilder: Paramount+.


Schreibe einen Kommentar