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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 10. März 2019

Den ersten Superheldenfilm mit Heldin und dazu einer Frau auf dem Regiestuhl gab es im Sommer 2017 mit der DC-Comics-Adaption “Wonder Woman”. Nun zieht das “Marvel Cinematic Universe” quasi nach. In “Captain Marvel” sucht eine Weltraumkriegerin und Ex-Pilotin nach ihrer Bestimmung. Oder so ähnlich…

 

Chilling Adventures of Sabrina

Von Marius Joa. Publiziert am 8. Dezember 2018

Als Hexe und Sterbliche zugleich steht die junge Sabrina Spellman vor einer wegweisenden Entscheidung über ihre Zukunft. Willkommen bei den Chilling Adventures of Sabrina, der Netflix-Neuauflage von Sabrina – Total verhext

Chilling Adventures of Sabrina
Horrorserie USA 2018. 10 Folgen (Staffel 1). Gesamtlänge: ca. 570 Minuten.
Mit: Kiernan Shipka, Ross Lynch, Lucy Davis, Miranda Otto, Chance Perdomo, Richard Coyle, Michelle Gomez, Jaz Sinclair, Lachlan Watson, Tati Gabrielle, Adeline Rudolph, Abigail Cowen u.a. Nach Comics von Roberto Aguirre-Sacasa und Robert Hack. Adaption: Roberto Aguirre-Sacasa.



 


Dämonisch inszeniert, uninspiriert zusammengeklaut


Nach dem Tod ihrer Eltern wurde Sabrina Spellman (Kiernan Shipka) von ihren exzentrischen Tanten Zelda (Miranda Otto) und Hilda (Lucy Davis) aufgezogen. In dem beschaulichen Städtchen Greendale ahnt niemand dass die Spellmans seit Generationen eine Familie von Hexen und Zauberern sind. Nicht einmal Sabrinas bessere Hälfte Harvey Kinkle (Ross Lynch) sowie die gemeinsamen Freundinnen Roz (Jaz Sinclair) und Susie (Lachlan Watson) kennen Sabrinas Geheimnis. Als Kind eines Hexenmeisters und einer sterblichen Mutter steht das junge Mädchen vor einer schweren Entscheidung an ihrem 16. Geburtstag: sich dem Teufel verschreiben und eine Hexe werden oder als gewöhnliche Frau leben. Doch Sabrina will sich nicht für eine der beiden Welten entscheiden. Sehr zum Unbill von Lord Blackwood (Richard Coyle), dem Hohepriester der Hexen, und der geheimnisvollen Lehrerin Miss Wardwell (Michelle Gomez)…

Bei ihrer Erstausstrahlung auf Pro Sieben vor 20 Jahren nahm ich die auf Comics aus dem Archie-Universum basierende Serie Sabrina – Total verhext (1996-2003), mit Melissa Joan Hart in der Titelrolle, eher als belanglose Teenie-Comedy wahr, vielleicht auch weil sie meiner vier Jahre jüngeren Schwester mehr zusagte. Interessanter wurde der Stoff für mich durch die Ankündigung eines Reboots im Horrorgewand mit der bereits als starker Kinderdarstellerin in Mad Men positiv aufgefallenen Kiernan Shipka als Sabrina bei Netflix. Als sich dann mit Miranda Otto (Der Herr der Ringe) und Richard Coyle (Coupling) zwei weitere geschätzte Schauspieler dem Cast anschlossen wurde die Angelegenheit umso attraktiver. Auch wenn die auf den ab 2014 veröffentlichten düsteren Stories der Comicreihe basierende Serie inszenatorisch in die Vollen geht und im Gegensatz zu vielen anderen Teenie-Shows auch finstere Abgründe nicht scheut, so geriet die Netflix-Adaption dann doch insgesamt zu halbgar.

Dass man das Sixties-Setting jetzt nicht konsequent durchhält, wenn gelegentlich auch Smartphone und Laptops zu sehen sind, muss man Showrunner Roberto Aguirre-Sacasa, der auch die 2014er Comicvorlage schrieb und ebenfalls die Schwesterserie Riverdale als Chefautor betreut, jetzt nicht unbedingt ankreiden. Die überwiegend wenig inspirierten (Neben-)Figuren allerdings schon. Diversität bezüglich Hautfarbe, sexuelle Orientierung und anderer Thematiken ist in Serien heutzutage keine völlige Seltenheit mehr, wenngleich man sich als aufgeklärter, toleranter Zuschauer jedes Mal darüber freut. Hier agieren die Autoren allerdings mit dem Holzhammer. Sabrinas Cousin Ambrose ist schwarz und pansexuell, Mitschülerin Susie darf die genderqueere Freundin geben und der sich unterdrückt fühlenden Quoten-Black-Power-Frau Roz (deren Schauspielerin vielleicht vor zehn Jahren als 16jährige durchging) wird noch schnell eine fortschreitende Erblindung angedichtet. Sabrinas Boyfriend Harvey leidet unter einem kindlichen Trauma und einem plumpen Redneck-Vater. Sie alle haben in der Geschichte nur einen Zweck: von der jungen Hexe gerettet zu werden. Dass sich die Darsteller dieser Charaktere eher auf ausdrucksschwachem Teenie-Hochglanz-Niveau bewegen macht die Sache auch nicht besser. Bloggerin Friedl von Grimm fasst es in ihrem Beitrag treffend zusammen: Heutzutage gibt es ja nur zwei Arten von Menschen: Opfer und Täter.”

Referenzen, egal ob zu Filmen, Serien oder Büchern, sind total hip bei der heutigen Jugend, dachte sich Netflix. Und so tummeln sich in den Chilling Adventures unzählige Verweise auf Genre-Werke unterschiedlichster Art, die vermutlich jene “Nerds” abholen wollen, die eher zufällig mal reinschauen. Doch leider liefert die Show nur Zitate zum Selbstzweck und nichts dahinter. Bezeichnenderweise passt das aber wunderbar in die oberflächliche Ausarbeitung der Drehbücher, frei nach dem Motto: möglichst viel Stoff, aber wenig Inhalt in zehn Episoden packen. Eine geheimnisvolle Hexenakademie, drei hinterhältige Bitches Witches, ein charismatischer Patriarchenpriester und eine teuflische Strippenzieherin. All das und noch viel mehr gibt es allein in der ersten Staffel der Chilling Adventures. Da verpuffen die guten Ansätze, etwa Verarbeitung historischer Ereignisse bezüglich der Hexenverfolgung in Amerika, leider recht schnell, obwohl man sich Abgründigkeit auf die Fahnen geschrieben hat und diese mit Themen wie Kannibalismus und anderen menschenverachtenden Praktiken auch einigermaßen konsequent durchzieht. Die Netflix-Produktion möchte eine hippe Mixtur aus Harry Potter, Buffy – Im Bann der Dämonen und Penny Dreadful sein, verhält sich zu letzterer Show allerdings wie The Shannara Chronicles zu Game of Thrones.

Rein inszenatorisch kann man der Comic-Adaption keinen Vorwurf machen, angefangen beim Vorspann im Retrostil mit drastischen Illustrationen von Robert Hack (der auch die Vorlage zeichnet). Einige Außenaufnahmen in den Wäldern wirken mit unfokussierten Hintergründen recht unwirklich. Über weite Strecken atmen Bilder und Soundkulisse die Atmosphäre stilprägender Horrorfilme aus den 1950ern und 1960ern. Einem dieser Werke könnte auch die von Michelle Gomez (Doctor Who) mit genüsslicher Überzeichnung verkörperte manipulative Miss Wardwell. Daneben setzen Miranda Otto als Societylady Zelda Spellman und Richard Coyle als eitler Priester Faustus Blackwood die schauspielerischen Glanzlichtern in einem überwiegend lahmen Cast, der auch deswegen Schwierigkeiten hat, weil viele der geäußertem Emotionen nur Behauptung bleiben.

Die zehn Episoden der ersten Staffel von Chilling Adventures of Sabrina sind seit dem 26. Oktober bei Netflix abrufbar. Nach einer Weihnachtsepisode, die am 14. Dezember veröffentlicht wird, startet die zweite Staffel mit neun weiteren Folgen am 5. April 2019 geplant.

Fazit: Leider können die stilsichere Inszenierung und ein glänzend überzeichnetes Darsteller-Trio (Miranda Otto, Michelle Gomez und Richard Coyle) über die komplette erste Staffel nur selten kompensieren, dass es sich bei Chilling Adventures of Sabrina nur um mäßig konstruierten Hokuspokus handelt. 4 von 10 Punkten.

 

 

Hoher Besuch bei den Spellmans

 

 

Harvey Kinkle

 

 

Susie und Roz

 

 

Die Weird Sisters

 

 

Marius Joa, 8. Dezember 2018. Bilder: Netflix/Warner.

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