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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 30. Oktober 2018

Unter Filmfans gilt der Monat Oktober als perfekt für den Genuss von Horrorfilmen. Mit der Erstsichtung von Dario Argentos Giallo-Klassiker “Suspiria” fröne ich erstmals bewusst dem sogenannten “Horroctober”.

 

Disenchantment

Von Marius Joa. Publiziert am 27. August 2018

Matt Groening ist zurück. Der Erfinder des Dauerbrenners Die Simpsons und der Scifi-Satire Futurama hat für Netflix eine neue Serie erschaffen. In Disenchantment begibt sich eine junge Prinzessin auf die Suche nach ihrem Platz im Leben. Elfen, Dämonen, Hexen und viel Alkohol pflastern ihren Weg…

Disenchantment
Fantasy-Animationsserie USA 2018. 10 Folgen. Gesamtlänge: ca. 290 Minuten. Idee: Matt Groening.

 

Von der Prinzessin, die keine sein wollte

Im märchenhaften Königreich Dreamland. Prinzessin Tiabeanie (im Original: Abbi Jacobson/deutsche Stimme: Jenny Löffler), von allen nur Bean genannt, Tochter des launenhaften Königs Zorg (John DiMaggio/Marko Bräutigam), soll aus politischen Gründen Prinz Guysbert aus Brentwood heiraten. Doch die eigenwillige junge Dame hat so überhaupt keine Lust auf die (arrangierte) Ehe und sorgt mit ihrem Neinwort nicht nur für Aufsehen unter den hochkarätigen Gästen, sondern auch für eine tödliche Verletzung bei ihrem Bräutigam. Gemeinsam mit ihren beiden neuen Freunden, dem Dämon Luci (Eric André/Clhristian Intorp) und dem gelangweilten Elfen Elfo (Nat Faxon/Heiko Akrap), nimmt Bean reißaus und stürzt sich in das nächstbeste Abenteuer…

 Bean, Elfo und Luci

Nach kurzen Clips in der Sketchcomedy The Tracey Ullmann Show ab April 1987 feierten Die Simpsons mit ihrer eigenen Fernsehserie am 17. Dezember 1989 Premiere im amerikanischen Fernsehen. In einigen Wochen, am 30. September 2018, geht die Kultzeichentrick-Show in die rekordverdächtige 30. (!) Staffel. Zeichner/Cartoonist und Autor Matt Groening (geboren am 15. Februar 1954), der die gelbe Familie erfand sowie gemeinsam mit James L. Brooks und Sam Simon entwickelte, ist schon seit längerem weniger in den Produktionsablauf involviert. Nach der Science-Fiction-Satire Futurama (1999-2003; 2008-2013) hat sich Groening nun dem Fantasy-Genre zugewandt und dieses Mal mit Disenchantment für Netflix eine neue Serie entwickelt.

Auch wenn die Figuren fünf statt der anstelle im “Groeningverse” üblichen vier Finger an jeder Hand besitzen, setzt das Animationsteam auch bei Disenchantment auf den bekannten Zeichenstil, wie etwa die vorstehenden Hasenzähne oder die großen Augen mit den kleinen schwarzen Pupillen. Der kleine, grüne Elfo sieht sogar aus, als hätte man Bart Simpsons in ein niedliches magisches Wesen verwandelt. Insgesamt wirkt die Produktion des Streaminganbieters als etwas das sich die gelbe Familie selbst gerne auf der Mattscheibe ansehen würden. Der feministische Ansatz bei Heldin Bean dürfte zumindest bei Lisa Zuspruch finden. Die Kameraschwenks über die Burg erinnert mit ihren sterilen Animation sehr an entsprechende Einstellungen aus Futurama.

Heroin Bean hat so überhaupt keine Lust darauf, eine hübsche Prinzessin zu sein, auf ihren stattlichen Prince Charming zu warten, um dann mit diesem eine langweilige Ehe zu führen. Stattdessen vertreibt sich die nichtsnutzige Göre ihre Zeit lieber mit Saufen, Glücksspiel und Kneipenschlägereien, nicht selten in einem. An ihrer Seite Elfo, der aus seiner Heimat geflohen ist, weil er die gespielte Fröhlichkeit im bunt-lieblichen Elfenland (die Schlümpfe lassen grüßen!) einfach nicht mehr ausgehalten hat. Auf Betreiben finsterer Mächte, deren genaue Beweggründe noch unklar bleiben, wurde Bean der fiese Dämon Luci zur Seite gestellt, von vielen Menschen wird er allerdings einfach nur für eine sprechende Katze gehalten.

Groening und sein Autorenteam spielen hier mit gängigen Märchenmotiven und Fantasyelementen irgendwo zwischen Game Of Thrones, dem Monty-Python-Klassiker Die Ritter der Kokusnuss (Stichwort “Plague Patrol”) sowie der französischen Comicreihe Donjon (von Ioann Sfar und Lewis Trondheim). Für den miesgelaunten König Zorg standen wohl Robert Baratheon und Dik Browns Wikinger Hägar der Schreckliche Pate. Zwar ist die Gagdichte nicht durchgehend hoch, einige absurde oder sarkastische Scherze (wie man sie aus dem Groeningverse kennt) dürfen jedoch nicht fehlen.

Disenchantment benötigt generell etwas Zeit, um in Fahrt zu kommen. Es lohnt sich allerdings, Geduld zu bewahren. Einerseits weil die erste Staffel (oder Teil 1, wie immer man es nennen mag) mit einer Gesamtlaufzeit von knapp unter fünf Stunden recht kurzweilig geriet. Außerdem verdichtet sich die Handlung in den letzten Folgen und hinterlässt den Zuschauer schließlich mit einigen offenen Fragen, die in den bereits bestellten weiteren Stories sicherlich weiter ausgeführt werden. Für meinen Geschmack lag der Mittelpunkt des Geschehens bisher zu oft in der Burg von Dreamland anstatt andere Schauplätze zu erkunden.

Die ersten zehn Folgen wurden am 17. August 2018 bei Netflix veröffentlicht. Weitere zehn Episoden wurden bereits bestellt und werden irgendwann im nächsten Jahr folgen.

Fazit: In den ersten zehn Folgen gefällt Disenchantment als kurzweilige Fantasy-Trickserie für Erwachsene, die dramaturgisch erst im letzten Drittel etwas zulegt. 7 von 10 Punkten.

 

Castle Dreamland
König Zorg und Königin Oona

 

Marius Joa, 27. August 2018. Bilder: Netflix.

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