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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 3. Juli 2022

Baz Luhrmann, bekannt für seine rasanten, farbenfrohen und glamourösen Filme wie “Moulin Rouge” und “Der Große Gatsby” (2013), hat sich an ein Biopic über den ” King of Rock ‘n’ Roll” gewagt. Das Ergebnis ist seit gut einer Woche in den Kinos zu sehen.

 

Frankenstein (1931)

Von Marius Joa. Publiziert am 31. Oktober 2021

Es ist Halloween. Zeit für den Schlusspunkt des Horroctobers 2021. Und zwar nicht mit irgendeinem Film, sondern Frankenstein (1931) von James Whale, mit Boris Karloff in der Rolle der bekannten Kreatur.


Frankenstein
Horrorfilm USA 1931. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 70 Minuten (BluRay). Kinostart: 18. Mai 1932.
Mit: Colin Clive, Boris Karloff, Mae Clarke, John Boles, Edward Van Sloan, Dwight Frye, Frederick Kerr, Lionel Belmore u.a. Nach dem Roman von Mary Wollstonecraft Shelley und dem Theaterstück von Peggy Webling. Adaption: John L. Balderston. Drehbuch: Garrett Fort, Francis Edward Faragoh. Regie: James Whale.

 

 


“It’s ALIVE!”

In den Bayerischen Alpen. Kurz nach seiner Verlobung mit Elizabeth (Mae Clarke) beginnt sich der Mediziner Henry Frankenstein (Colin Clive), Sohn des adeligen Baron Frankenstein (Frederick Kerr), seiner großen Obsession zu widmen. Gemeinsam mit seinem buckligen Gehilfen Fritz (Dwight Frye) hat sich Henry in einen alten Wachturm zurückgezogen, um dort eine aus Leichenteilen zusammengeflickte Kreatur zum Leben zu erwecken. Elizabeth und Victor Moritz (John Boles), Henrys bester Freund, machen sich Sorgen und suchen Professor Waldman (Edward Van Sloan) auf, den früheren Lehrer Henrys. Während eines starken Gewittersturms erbitten die drei Einlass zu Frankensteins Turm, den dieser nur widerwillig gewährt. Schließlich werden sie Zeuge, wie dank Elektrizität die Kreatur (Boris Karloff) erwacht. Doch Henry muss schon bald erkennen, dass seine Schöpfung außer Kontrolle geraten ist…

1931 war die Geburtsstunde des Horror-Tonfilms. Denn nicht nur Dracula von Regisseur Tod Browning, nach dem Roman von Bram Stoker und mit Bela Lugosi in seiner Paraderolle, kam in die Kinos. Im gleichen Jahr wurde auch Mary Wollstonecraft Shelleys bahnbrechendes Buch Frankenstein, oder Der Moderne Prometheus von 1818 erstmals als “Talkie” verfilmt. Doch es sah zu Beginn der Dekade nicht gut aus für das von Carl Laemmle Senior 1912 mitbegründete Hollywood-Studio Universal aus. 2,2 Millionen Dollar Verlust standen zu Buche. Doch innerhalb weniger Tage nach US-Kinostart von Dracula am 12. Februar 1931 wendete sich das Blatt zum Positiven. Unter der Leitung von Laemmles jungem Sohn gleichen Namens, der den Vampirfilm produziert hatte, begann man sogleich die Arbeit an einem weiteren Gruselstreifen nach einer bekannten literarischen Vorlage. Ursprünglich war Lugosi als Darsteller für die Kreatur vorgesehen, doch misslungene Make-Up-Tests und andere Probleme verhinderten dies. Der an sich engagierte Regisseur Robert Florey wurde durch den frisch aus Großbritannien “importierten” James Whale ersetzt. Als “Trostpreis” drehten Florey und Lugosi gemeinsam Mord in der Rue Morgue (1932), nach der Erzählung von Edgar Allan Poe. Dennoch waren einige Mitwirkende sowohl an Dracula als auch an der Frankenstein-Verfilmung beteiligt: die Autoren John L. Balderston und Garrett Fort, Associate Producer E.M. Asher sowie die beiden Schauspieler Dwight Frye (Renfield/Fritz) und Edward Sloan (Van Helsing/Waldman). Eine weitere Gemeinsamkeit zum Vorläufer: das Drehbuch basierte nicht direkt auf der Romanvorlage, sondern auf einer gestrafften Bühnenfassung. Gedreht wurde vom 24. August bis 3. Oktober 1931 und nur sieben Wochen danach feierte der Film bereits Premiere. Deutscher Kinostart war wiederum ein halbes Jahr später, am 18. Mai 1932.

James Whales Version darf nicht nur als Blaupause für unzählige weitere Adaptionen für Film und Fernsehen angesehen werden, sondern auch für die Etablierung ikonischer Elemente, die nicht zwangsläufig auf die Romanvorlage zurückzuführen, aber mit dem Stoff untrennbar verbunden sind. Vor allem natürlich das stilprägende Make Up von Jack P. Pierce, der auch an beiden “Dracula”-Versionen von 1931 (die englische und die alternative spanische) gearbeitet hatte und später noch die Masken für die Titelkreaturen der weiteren Universal-Klassiker Die Mumie (1932) und Der Wolfsmensch (1941) schaffen sollte. Heute assoziiert man Frankensteins Monster zweifelsohne erst einmal mit Pierces Schöpfung. Die elektrische Installation von Kenneth Strickfaden (inklusive einer Spule des legendären Erfinders Nikola Tesla) in Frankensteins Laboratorium bildete ebenfalls eine Pionierarbeit, denn die genauen technischen Umstände der Schöpfung neuen Lebens werden in Shelleys Roman nicht näher beschrieben. Für seine 1974 veröffentlichte Parodie Frankenstein Junior konnte Mel Brooks die Arbeit Strickfadens wiederverwenden. Zudem wurde vor neunzig Jahren die in der Folge zum Standard gehörende Figur von Frankensteins buckligem Gehilfen eingeführt. Hier lautet der Name des Assistenten noch Fritz, später sollte er meistens Igor heißen.

Frankenstein bedeutete freilich den Durchbruch für den damals 44jährigen Boris Karloff. Geboren 1887 als William Henry Pratt hatte der indischstämmige Engländer zuvor bereits achtzig Filme gedreht, mit teils nur sehr kleinen Parts. Die Verkörperung des sprachlosen, verzerrten “Monsters” änderte Karloffs Karriere komplett. Die Kreatur hat jetzt nicht unbedingt so viel Screentime in einem ohnehin eher kurzen Streifen, doch Karloff gibt ihr hinter der ikonischen Maske eine (geschundene) Seele. Da der Darsteller jetzt nicht (wie man vermuten würde) sehr groß war (1,81 m) musste er schwere, hohe Schuhe tragen, die seine Aufgabe nicht unbedingt erleichterten. Karloff spielte seine bekannteste Rolle noch zwei weitere Male, in Frankensteins Braut (1935) und Frankensteins Sohn (1939). 1932 war er als Imhotep in Die Mumie zu sehen, ein Jahr später fungierte er als Mitgründer der amerikanischen Schauspielergewerkschaft Screen Actors Guild (SAG). Auch Hauptdarsteller Colin Clive, der als Henry Frankenstein (die Romanfigur heißt Victor) auch in Frankensteins Braut zu sehen war, liefert eine starke Performance als vom Schöpferdrang an den Rand des Wahnsinns getriebenen Wissenschaftler. Clive verstarb sechs Jahre nach der Veröffentlichung des vorliegenden Werkes viel zu früh mit nur 37 Jahren. Mae Clarke, von welcher im gleichen Jahr noch fünf weitere Streifen in die Kinos kamen, gab Elizabeth, die besorgte Verlobte Frankensteins. Edward Van Sloan, auch Prologsprecher, scheint aus meiner Sicht hier weitgehend seinen Part als Professor Van Helsing aufzuwärmen, wenngleich sein Professor Waldman etwas weniger zu tun hat.

Rein inszenatorisch ähneln sich die 1931er Fassungen von Dracula und Frankenstein sehr. Die Nähe zu einer Theaterinszenierung sind deutlich erkennbar. Wirklich negativ aufgefallen ist mir bei der Produktion nur die in der unglaubluch hochauflösenden, digital restaurierten BluRay-Fassung der als bemalte Studiowände erkennbare Nachthimmel. Mit wenigen Ausnahmen verzichteten Whale und sein Team auf musikalische Untermalung, was dem Setting wie schon bei Dracula etwas an Atmosphäre nimmt, zumindest nach den heutigen Sehgewohnheiten. Leider krankt die Ausarbeitung der Geschichte etwas an der damals nicht unüblichen kurzen Laufzeit von genau 70 Minuten. Der Plot scheint bisweilen zu überhastet und manchen Szenen hätte man sicherlich mehr Raum geben oder gewisse Details mehr entwickeln können. Wobei man Frankenstein positiv zugute halten muss, dass man hier wesentlich effektvoller als beim Vampirfilm zu Werke ging.

Schließlich bedeutete das Werk nicht nur die Geburtsstunde des Frankenstein’schen Monsters in einem Tonfilm, sondern auch der Beginn einer Zelluloid-Legende. Unzählige (meist freie) weitere Verfilmungen des Stoffes und Fortsetzungen wurden auf die Zuschauer losgelassen. Mit Frankensteins Fluch (Peter Cushing spielte Dr. Frankenstein, Christopher Lee ein Jahr vor seinem Dracula-Film die Kreatur) begann 1957 die Ära der britischen Hammer-Horrorfilme. Auch in zahlreichen Fernsehserien wurde Shelleys Werk verarbeitet, zuletzt etwa in The Frankenstein Chronicles als Mischung aus Mystery und Sozialdrama sowie natürlich in der viktorianischen Horrorpastiche Penny Dreadful, in welcher Rory Kinnear der Kreatur endgültig Menschlichkeit verlieh.

Fazit: In vielerlei Hinsicht ikonische erste Tonfilm-Adaption von Frankenstein, die aufgrund der etwas angestaubten Machart und der kurzen Laufzeit heutzutage bedauerlicherweise nicht mehr so gut funktioniert. 6 von 10 Punkten.

 

Victor und Elizabeth machen sich Sorgen um Henry
 

Henry und sein Gehilfe Fritz im Labor
 

Professor Waldman steht Henry bei

 

Marius Joa, 31. Oktober 2021. Bilder: Universal.

 

 

 

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