Lange vor den Prequel- und Sequel-Trilogien drehte Kultparodist Mel Brooks vor etwa 40 Jahren seine eigene „Version“ von Star Wars. In Spaceballs müssen Weltraumsöldner Lone Starr und sein Freund Waldi Prinzessin Vespa vor Lord Helmchen und dessen Schergen retten. Die bösen Spaceballs-Truppen planen die Vernichtung von Vespas Heimatplaneten.
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Mel Brooks’ Spaceballs
Science-Fiction-Parodie USA 1987. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 92 Minuten (PAL-DVD). Kinostart: 29. Oktober 1987.
Mit: Bill Pullman, Rick Moranis, John Candy, Daphne Zuniga. Mel Brooks, Lorene Yarnell, George Wyner, Dick Van Patten, Leslie Bevis u.v.a. Drehbuch: Mel Brooks, Thomas Meehan, Ronny Graham. Regie: Mel Brooks.

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„Möge der Saft mit Euch sein!“
Vor langer Zeit, in einer weit weit weit weit entfernen Galaxis. Weil die Bewohner des Planeten Spaceball ihre Luftvorräte verbraucht haben wollen sie den friedlichen Nachbarn von Druidia deren Atemluft nehmen. Dazu beauftragt Präsident Skroob (Mel Brooks) die Spaceball-Truppen um Lord Helmchen (Rick Moranis) und Colonel Sandfurz (George Wyner), Prinzessin Vespa (Daphne Zuniga) zu entführen, damit sie deren Vater, König Roland von Druidia (Dick Van Patten), erpressen können. Vespa wiederum flieht mit ihrer Druidin Dotty Matrix (Lorene Yarnell) von Zuhause, weil sie den schnarchigen Prinzen Valium (Jim J. Bullock) nicht heiraten möchte. Doch Rettung naht in Person des Söldners Lone Starr (Bill Pullman) und seines treuen Gefährten Waldi (John Candy), halb Mensch halb Köter. Bald schon sucht das ungleiche Quartett Zuflucht beim weisen Yoghurt (Mel Brooks), der ihnen was von einer geheimnisvollen Kraft namens Saft erzählt…
Im Laufe seiner Karriere hat Mel Brooks (geboren am 28. Juni 1926) so einige Genres parodiert oder satirisch verarbeitet, seien es Broadway-Musicals (The Producers – Frühling für Hitler [1967]), Western (Der wilde wilde Westen [1974]), Historienepen (Die verrückte Geschichte der Welt [1981]), Abenteuerfilme (Robin Hood – Helden in Strumpfhosen [1993]) oder Horrorklassiker (Frankenstein Junior [1974], Dracula – Tot aber glücklich [1995]). Mitte der 1980er entstand eine Veralberung der originalen Star Wars-Trilogie (1977/1980/19 83), nämlich Spaceballs. Obwohl der 1987 veröffentlichte Film an der Kinokasse ganz gut abschnitt und auch das Publikum für sich gewinnen konnte, so waren die Kritiker damals nicht so begeistert. Erst mit der Zeit entwickelte sich die Scifi-Parodie zum Kultfilm.

Der mittlerweile 99jährige Komiker, Autor und Filmemacher übernahm damals mit seinen Co-Autoren Thomas Meehan (u.a. Librettist bei den Bühnenmusicals Annie und Hairspray) und Ronny Graham (Schauspieler in diversen Brooks-Filmen, hier auch als Priester zu sehen) die bekannten Tropen des Abenteuerfilms sowie der Trilogie von George Lucas und das Trio schuf einen geradlinig-einfachen Plot als perfekte Basis, um die ganze Space-Opera-meets-Fantasy-Chose genüsslich durch den Kakao zu ziehen. Spaceballs gestaltet sich daher (nicht nur aufgrund der Laufzeit von ca. 90 Minuten) angenehm kurzweilig und dekonstruiert gekonnt die simplen Story-Muster von Star Wars.
Dabei wird nicht nur die bekannten Sternensaga parodiert, sondern auch weitere Science-Fiction-Franchises wie Star Trek und Alien. Statt dem Millennium-Falken kriegen wir hier ein Wohnmobil mit Flügeln und das gigantische Raumschiff Spaceball 1 ist dermaßen riesig, dass man durchspurten muss, um rechtzeitig anzukommen. Zumal das mit dem Beamen ja nicht immer so reibungslos wie auf der Enterprise funktioniert. Von der wahnsinnigen Geschwindigkeit ganz zu schweigen. Noch dazu punktet Spaceballs (wie für Brooks nicht unüblich) mit herrlichen Meta-Gags. Den besten serviert uns der Altmeister persönlich, wenn er als Yoda-Parodie Yoghurt (nur echt mit Gold-Makeup) sein Merchandising-Sortiment zum Film präsentiert, egal ob Müsliflocken, Ausmalbuch, Lunchpaket, Stofftier, T-Shirt oder Flammenwerfer!
Gut ein Jahrzehnt bevor der ganze Merchandise-Irrsinn bei Star Wars mit der Prequeltrilogie (1999/2002/2005) immer absurdere Ausmaße nahm, ein mit der Sequel-Trilogie (2015/2017/2019) fortgesetzter Trend, nahmen Brooks und Co diesen in visionärer Weise vorweg. Allein schon deswegen erhält Spaceballs von mir das Prädikat „viertbester Star Wars-Film“, auch wenn das Hardcore-Fans massiv verstören könnte. Dass es mit wenigen Ausnahmen (T-Shirt) effektiv keine Artikel zur Parodie gibt, liegt an einer Abmachung zwischen Mel Brooks und George Lucas, dem die Parodie übrigens sehr gut gefallen hat. Die gelungenen visuellen Effekte wurden übrigens von der Firma Apogee, gegründet vom früheren Industrial Light & Magic-Mitarbeiter John Dykstra, erstellt.
Gesehen habe ich Spaceballs zum ersten Mal als Grundschüler bei einer der früheren Fernsehausstrahlungen Anfang der 1990er. Damals holten mich natürlich die einfachen Lacher ab, auch wenn meine Kenntnis der Lucas’schen Sternensaga damals noch eher lückenhaft war. Bei der kürzlichen Wiederholungssichtung (die letzte liegt sicher ein Jahrzehnt zurück) amüsierten mich die beiläufig eingestreuten Pointen und der Dialogwitz am meisten. In knapp vier Jahrzehnten hat der Space-Opera-Spoof-Streifen kaum an Saft eingebüßt.
Mel Brooks spielte mit dem trottelig-herrischen Spaceball-Präsidenten Skroob sowie dem weisen Merchandising-und-Saft-Meister Yoghurt gleich zwei Rollen. An seiner Seite agieren mit dem früh verstorbenen John Candy (Ein Ticket für Zwei, Allein mit Onkel Buck) als zotteliger Möter Waldi, Rick Moranis (Ghostbusters [1984], Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft) als neurotischer Lord Helmchen, Bill Pullman (Independence Day, Lost Highway) als schnoddriger Lone Starr und Daphne Zuniga (Melrose Place) als launische Prinzessin Vespa eine Mischung aus berühmten und weniger bekannten Schauspieler*innen.
2008 erschien mit Spaceballs – The Animated Series eine Zeichentrickserie im kanadischen und amerikanischen Fernsehen, bei der allerdings nur wenige der Akteure aus dem Film ihre Rollen sprachen und die nach einer Staffel eingestellt wurde. Gehörte es bei Mel Brooks in mehreren Filmen zum Running Gag, dass Fortsetzungen angekündigt wurde, die dann nie produziert werden, so hat sich das in den letzten Jahren relativiert. Auf Die verrückte Geschichte der Welt (1981) folgte 42 Jahre später die leider nicht besonders lustig Sketch-Comedyserie Die verrückte Geschichte der Welt, Teil II. Und von September bis Dezember 2025 ein Sequel zum vorliegenden Werk in Australien gedreht, mit dem fast hundertjährigen Altmeister in seiner Doppelrolle sowie allen überlebenden Schauspieler*innen an Bord. Spaceballs: The New One, so der Originaltitel, soll voraussichtlich Ende April 2027 in die Kinos kommen. Ich bin skeptisch, aber vielleicht gibt es dann ja endlich das Buch zum Ausmalen.
Spaceballs ist auf DVD und BluRay sowie als kostenpflichtiger Stream bei diversen Anbietern erhältlich. Aktuell gibt es den Film im Angebot von Amazon Prime Video und Joyn Plus. Am 2. Juni 2026 kommt Spaceballs wieder für einen Tag in die deutschen Kinos und am 26. Juni 2026 erfolgt die Veröffentlichung auf 4K Ultra HD Bluray.
Fazit: Kurzweilig-spaßige und herrlich treffende Star Wars-Parodie von Altmeister Mel Brooks.
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Marius Joa, 22. Mai 2026. Bilder: MGM/Capelight Pictures.


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