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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 18. August 2019

Nachdem ihr Auto liegen geblieben ist sucht ein junges Paar Zuflucht in einem geheimnisvollen Schloss, in dem schräge Gestalten hausen. Vorhang auf für “The Rocky Horror Picture Show”!

 

Wanted

Von Marius Joa. Publiziert am 14. Mai 2011

Nachdem Riesenerfolg von Wächter der Nacht und Wächter des Tages in Russland wurde Regisseur Timur Bekmambetow sogleich mit einer Comicverfilmung betraut. In Wanted wird ein schmächtiger Schreibtischtäter zum Auftragskiller ausgebildet. Außerdem fliegen Kugeln und Autos durch die Luft.

 

Wanted
Actionfilm USA/Deutschland 2008. FSK: keine Jugendfreigabe. 105 Minuten (PAL-DVD).
Mit: James McAvoy, Angelina Jolie, Morgan Freeman, Thomas Kretschmann, Common, Terence Stamp, Konstantin Khabensky, Marc Warren, Chris Pratt u.a. Regie: Timur Bekmambetow. Frei nach den Comics von Mark Millar.

 

Bring mich um die Ecke, Baby!

Wesley Gibson (James McAvoy) ist Mitte zwanzig und in seinem Leben an einem toten Punkt angekommen. Sein Job als „Account Manager“ (früher hieß das noch Verwaltungssachbearbeiter) in einem Chicagoer Großraumbüro ödet ihn an, die feiste Chefin (Lorna Scott) schikaniert ihn ständig und seine Freundin (Kristen Hager) betrügt ihn mit seinem vermeintlich besten Freund Barry (Chris Pratt). Den Stress erträgt Wesley nur dank seiner Medikamente gegen Angstzustände. Da taucht die attraktive Fox (Angelina Jolie) auf, rettet ihn vor einem mysteriösen Killer (Thomas Kretschmann) und  bringt ihn ins Hauptquartier der „Bruderschaft“, eines seit 1000 Jahren bestehenden, für das Gleichgewicht in der Welt arbeitenden Geheimbund von Auftragskillern. Sloan (Morgan Freeman), Anführer der „Bruderschaft“, erzählt Wesley von seinem verschollenen Vater, der als der beste seiner Zunft Mitglied des Geheimordens war, bis er kürzlich dem abtrünnigen Cross zum Opfer fiel. Nun soll Wesley als legitimer Erbe das Werk seines Papas vollenden und Cross zur Strecke bringen. Doch bis dahin hat der junge Mann noch jede Menge lebensgefährliches Training zu erdulden.

Angelina Jolie wieder als Actionmieze

Von 2003 bis 2004 veröffentlichte der schottische Comic-Autor Mark Millar gemeinsam mit dem Illustrator J. G. Jones die Comic-Reihe Wanted über einen jungen Mann, der von einer Organisation von Superverbrechern ausgebildet wird. Für die Verfilmung des Stoffes holte sich Hollywood den kasachisch-russischen Regisseur Timur Bekmambetow (Wächter der Nacht). Aus den Super-Verbrechern wurden Auftragskiller. Gedreht wurde in Chicago und Tschechien. Dass es sich bei Wanted um einen vor allem aufs visuelle Element fixierten Film handelt, dürfte jedem Zuschauer klar gewesen sein. Allerdings war es nicht unbedingt abzusehen, dass dem Machwerk seine platte und teilweise unfreiwillig komische Story zum Verhängnis wird.

Bekmambetow und sein Team setzten bei der Bildsprache vollkommen auf übertriebene Slowmotion- und Bullet-Time-Effekte wie bei Matrix. Dies wird ergänzt durch Verfolgungsjagden und Automobil-Stunts wie man sie aus zeitgenössischer Actionware (z.B. The Fast & The Furios) kennt. Obwohl einige Szenen nicht nur zitiert, sondern fast 1:1 übernommen wurden, funktioniert die Optik überraschend gut und wird dank hemmungsloser Übertreibung gleich ein wenig karikiert.

Aber abseits der aus teilweise grotesken CGI-Effekten und überzogenen Stunts bestehenden Action stimmt kaum etwas. Der Beginn der Story ist noch recht glaubwürdig und ermöglicht eine Identifikation mit der Figur Wesleys, der die aufgestaute Frustration über sein ödes und fremdbestimmtes Leben in Panikattacken kanalisiert. Doch schnell wird ersichtlich, dass die Handlung hier einmal mehr nur als Vehikel für unzählige Over-The-Top-Szenen dient und inhaltlich nichts zu holen ist.

Wanted scheitert im Grunde an zwei Problemen: 1. Die Charaktere lassen den Zuschauer fast völlig kalt, mit Ausnahme von Wesley vielleicht (siehe oben). Morgan Freeman ist hier nur der stoische Oberkiller und Strippenzieher, während Angelina Jolie (Mr. & Mrs. Smith, Salt) hier zum x-ten Mal die Actionmieze gibt. Die übrigen Figuren sind entweder so unwichtig, dass man sie gleich wieder vergisst oder sie sterben einfach.

Zweitens ist die Erklärung der Motivation und die Herkunft der Mordaufträge einfach hirnrissig. Wie man im Laufe des Films erfährt, wurde die Bruderschaft der Killer vor etwa 1000 Jahren von den Mitgliedern einer Webergilde ins Leben gerufen. Die Anweisung, wer zu töten ist, erhalten die Angehörigen der tödlichen Bruderschaft über eine ewig laufende Webmaschine, welche die Namen der Zielpersonen per zu entschlüsselndem Binärcode (!) ausspuckt. Da muss man sich schon fragen, welche lustigen Sachen die diversen Drehbuchautoren zu sich genommen haben. Weitere trashige Storyelemente sind eine mit Bomben bestückte Rattenarmee und die Regenerationsgefriertruhen, die selbst bei tödlichen Verletzungen Wunder wirken. Nicht zu vergessen ist natürlich die von Vater an Sohn weitergegebene Fähigkeit, in extremen Stresssituationen, die Zeit anhalten zu können und bei Bedarf einfach um die Ecke/Kurve zu ballern!  Auch wenn Realismus und Logik hier überhaupt nicht an der Tagesordnung sind, so bringt einen der Inhalt dieses Krawallwerks doch immer wieder zum Kopfschütteln.

Fazit: Trotz starker Bildästhetik nur ein Action-Blockbuster nach Schema „bumm und dumm“. 3 von 10 Punkten.

 

Wesley lernt das „Um die Ecke bringen“

 

DVD-Features

Sprachen: Deutsch, Englisch, Türkisch (alle Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch

Bonusmaterial

Diverse Trailer (10 Min.)
Hinter den Kulissen der Viper (8 Min.)
Eine Set-Tour mit Common (8 Min.)

 

 

Marius Joa, 14. Mai 2011. Bilder: Universal.

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