Basierend auf der eigenen, gleichnamigen YouTube-Reihe hat der gerade mal 20jährige Kane Parsons mit Backrooms seinen ersten Spielfilm gedreht. Darin entdeckt ein Möbelhaus-Besitzer ein Labyrinth endloser Räume.
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Backrooms
Mystery-Horror USA 2026. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 110 Minuten. Kinostart: 18. Juni 2026.
Mit: Chiwetel Ejiofor, Renate Reinsve, Mark Duplass, Lukita Maxwell, Finn Bennett u.a. Nach der Webserie von Kane Parsons. Drehbuch: Will Soodik. Regie: Kane Parsons.

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Im Labyrinth der Zwischenräume
1990. Der gescheiterte Architekt Clark (Chiwetel Ejiofor) betreibt ein Möbelgeschäft. Der Laden läuft schlecht und nach einem Streit hat Clarks Ehefrau ihn rausgeworfen, weswegen er mittlerweile auch im Möbelhaus wohnt. Durch die Therapie bei Psychiaterin Mary Kline (Renate Reinsve) möchte Clark sein Leben und seine Alkoholsucht in den Griff bekommen. Eines Tages entdeckt er hinter einer Wand im Keller seines Geschäftes ein scheinbar endloses Labyrinth an versteckten Räumen. Mit seiner Mitarbeiterin Kat (Lukita Maxwell) und deren Freund Bobby (Finn Bennett) macht sich Clark daran, die Räumlichkeiten zu erforschen sowie mit einer Videokamera zu dokumentieren…
Als sogenannte Creepypasta (von englisch „creepy“, also „gruselig“, und „copy and paste“) werden über das Internet verbreitete, erfundene Horror-Stories bezeichnet. Die bekannteste dieser „modernen Legenden“ dürfte der „Slender Man“ sein. Auch das Konzept der „Backrooms“, endlosen labyrinthischen Räumen, meist mit gelben Wänden und summenden Leuchtstoffröhren sowie in den Boden gewachsenen Möbeln, zählen zu dieser Art von Internetkultur. Der damals 16jährige Kane Parsons (geboren am 18. Juni 2005) veröffentlichte ab Januar 2022 eine lose verbundene Webserie über diese „Hinterzimmer“ auf YouTube. Bis Februar 2025 erschienen 18 Folgen von Backrooms. Bereits im Februar 2023 wurde eine Filmadaption von A24 angekündigt, welche sich allerdings aufgrund des Doppelstreiks in Hollywood verzögerte. Unter Regie von Parsons und mit Unterstützung der erfahrenen Horrorfilmemacher Osgood Perkins (Longlegs) und James Wan (Saw) fanden die Dreharbeiten von Juli bis August 2025 im kanadischen Vancouver statt.

Ich kenne mich im klassischen Mainstream-Horror wenig aus. Doch scheint mir dort angesichts der hohen Zahl an Sequels und Remakes/Reboots (siehe Franchises wie Halloween, Scream, Saw oder die Parodie-Reihe Scary Movie) die im Blockbusterkino übliche Einfallslosigkeit zu herrschen. Neue Ideen und Konzepte kommen interessanterweise von Youtubern wie Curry Barker, dessen Psychohorror-Streifen Obsession – Du sollst mich lieben (deutscher Kinostart 25. Juni 2026) ein Vielfaches seiner geringen Produktionskosten einspielte. Auch Kane Parsons Regiedebüt schlug mit 126 Millionen US-Dollar Umsatz innerhalb von nur einer Woche richtig ein. Während des USA-Urlaubes wurde ich durch meine Nichte auf Backrooms aufmerksam. Zusammen haben wir uns vor wenigen Tagen den Film angesehen, etwa zwei Wochen vor dem deutschen Starttermin.
Der Film verzichtet weitgehend auf Schockeffekte oder Gewaltspitzen, sondern bezieht seinen Horror aus den titelgebenden Räumlichkeiten, in denen eine unbekannte Kreatur zu hausen scheint. Die Szenerie erinnert zum einen an plötzlich verlassene Bürogebäude (siehe auch die Hörspielserie Korridore von Lars Henriks und Nisan Arikan), andererseits aber auch an Videospielwelten, teils mit irritierenden Grafikfehlern. Entstanden die Räume in der Webserie im Computer so haben Szenenbildner Danny Vermette und sein Team für die Film-Adaption die Kulissen tatsächlich gebaut, und zwar auf einer Fläche von 2.800 Quadratmetern. Das macht die Szenerie nicht nur gekonnt unheimlich, sondern auch sehr plastisch. Sogar Mitglieder der Filmcrew verliefen sich in den Gängen.
Die Kamera von Jeremy Cox nimmt meist die Perspektive der Figuren ein, und das nicht nur während der „Found-Footage“-Sequenzen. Gemeinsam mit dem unheilschwangeren Sounddesign von Eugenio Battaglia sowie dem treibenden Elektronikscore, den Parsons gemeinsam mit Edo Van Breeman komponierte, ergibt das eine eigenwillige Atmosphäre zwischen Neugier und nervöser Unruhe. Insgesamt eine Art Mischung aus Exit 8 (junger Mann erlebt einen Loop im U-Bahn-Tunnel) und Dave Made A Maze (ein großes Kartonlabyrinth entwickelt ein gefährliches Eigenleben).
Das Drehbuch von Will Soodik (Ash vs. Evil Dead) erweist sich jetzt nicht unbedingt als besonders ausgeklügelt, aber eben auch nicht alles andere als banal. Vielmehr funktioniert es mit seinem psychologischen Unterbau als gute Basis für den Horror der „Backrooms“. Dazu konnte der Regisseur mit Chiwetel Ejiofor (12 Years A Slave, Doctor Strange) und der aktuell sehr gefragten Norwegerin Renate Reinsve (Der schlimmste Mensch der Welt, A Different Man) zwei Akteure verpflichten, die in den beiden zentralen Hauptrollen überzeugen.
Backrooms startet am 18. Juni 2026 (dem 21. Geburtstag von Kane Parsons) in den deutschen Kinos.
Fazit: Hochkarätig inszenierter, intensiver Horror der etwas anderen Sorte.
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Marius Joa, 5. Juni 2026. Bilder: A24/Constantin Film.


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