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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 18. Mai 2022

Lange bevor William Shakespeare seine weltbekannte Tragödie “Hamlet” schrieb gab es den Stoff bereits als Sage. Gabriel Axel adaptierte diese in seinem prominent besetzten Historienfilm “Der Prinz von Jütland” aus dem Jahre 1994.

 

Introducing, Selma Blair

Von Marius Joa. Publiziert am 31. Januar 2022

Neben Spielfilmen wurden auf dem 48. Internationalen Filmwochenende in Würzburg auch Dokumentationen gezeigt, wie Introducing, Selma Blair, über die US-Schauspielerin, welche mit ihrer MS-Erkrankung kämpft.


Introducing, Selma Blair
Dokumentation USA 2021. 95 Minuten. Kinostart: unbekannt. Regie: Rachel Fleit.

 

 

Kampf mit dem eigenen Körper

Selma Blair, geboren am 23. Juni 1972 als Selma Blair Beitner in einem Vorort von Detroit, avancierte um die Jahrtausendwende mit Rollen in Eiskalte Engel (1999, OT: Cruel Intentions) und Natürlich blond (2001, Legally Blonde) sowie danach den beiden Hellboy-Filmen von Guillermo del Toro (2004/2008) zur gefragten Darstellerin. Zwar nicht für die Leading Parts, aber als wichtige Spielpartnerin an der Seite der Hauptfigur(en). In den Folgejahren konnte Blair teils an diese Erfolge anknüpfen und wuirde auch für diverse Fashionmagazinen fotografiert. Privat lief es nicht so gut für die US-Amerikanerin. Keine ihrer Beziehungen hielt wirklich länger als zwei Jahre. Und nach diversen, nicht oder falsch behandelten gesundheitlichen Problemen erhielt sie im August 2018 die niederschmetternde Diagnose Multiple Sklerose. Filmemacherin Rachel Fleit, die selbst unter einer seltenen Erkrankung, nämlich komplettem Haarausfall, leidet, hat Selma Blair mit der Kamera von Sommer 2019 bis Frühjahr 2020 begleitet und daraus den beim South by Southwest Film Festival 2021 veröffentlichten Dokumentarfilm Introducing, Selma Blair gemacht.

Im Gegensatz zu dem halben Dutzend weiteren, beim 48. Internationalen Filmwochenende in Würzburg (27. Januar bis 30. Januar im Kino, bis 2. Februar 2022 auch digital) gesichteten Filme habe ich die vorliegende Doku aus Zeitgründen nur online als Stream angesehen, was aber durchaus zur persönlichen Nähe des Werkes an seiner Protagonistin passt. Laut Wikipedia ist Multiple Sklerose eine “chronisch-entzündliche neurologische Autoimmunerkrankung mit sehr unterschiedlichen Verlaufsformen”. Die Krankheit greift Gehirn und Rückenmark an, was vor allem zu einer Einschränkung der Bewegungsfähigkeiten führt. Auch die Sehfähigkeit kann betroffen sein. Die Schwere und Ausprägung der Symptome variiert unter den Patienten stark, so dass manche über einen sehr langen Zeitraum noch sehr mobil bleiben können, während andere zwischenzeitlich oder langfristig an Bett oder Rohlstuhl gefesselt sind. Die Tagesform wechselt auch bei Selma Blair immer wieder. Es gibt Tage, an welchen sie viel unternehmen kann, nur um an anderen von banalen alltäglichen Dingen wie Aufstehen, Anziehen und Essenszubereitung völlig erschöpft zu sein.

Wie gleich in der ersten Sequenz deutlich wird wirkt sich MS auch auf das Denkvermögen und die Sprache aus. Selma Blair kann mitten in einer Szene plötzlich nicht mehr deutlich sprechen und bricht deswegen auch in Tränen aus. Zum besseren Verständnis werden hier und in anderen ähnlichen Momenten Untertitel eingeblendet. Der Großteil des Films dokumentiert Selmas langwierige Stammzellentherapie, die sich über mehrere Monate hinzieht. Dabei muss sie sich auch mehreren Chemotherapien unterziehen und verliert dabei ihre Haare. Selma hält einige Momente selbst mit ihrem Smartphone fest und lässt den Zuschauer an ihrem Stimmungsbild und ihren Gedanken teilhaben. Zu Wort kommen außerdem unter anderem Blairs Schwester, ihr Manager, ihre Assistentin und auf die Behandlung von MS spezialisiertes medizinisches Fachpersonal. Selma Blair kämpft sich durch schlechte Tage und eine ermüdende Behandlung, an guten Tagen lacht sie und albert mit ihrem Sohn (geboren 2011) herum. Dieser bildet auch den Ankerpunkt in dunklen Zeiten. Rachel Fleit hält in vielen sehr intimen, emotionalen Momenten die Kamera drauf, wo andere Filmemacher vielleicht abgeblendet hätten. Das macht Introducing, Selma Blair durchaus anstrengend, aber auch authentisch und lebensecht.

Im Oktober 2018, zwei Monate nach der Diagnose, machte Selma ihre Krankheit über soziale Netzwerke öffentlich. Sie erhielt darauhin viel Zuspruch, auch und vor allem von Menschen mit ähnlichen Leiden und/oder körperlichen Beeinträchtigungen. Blair unterstützt die National Multiple Sclerosis Society Amerikas. Introducing, Selma Blair lief auf diversen Festivals und wurde in den USA nach kurzem Kinostart auf dem Streamingdienst Discovery+ veröffentlicht. Ein deutscher Termin für Kino- oder Heimkinostart steht aktuell noch aus.

Fazit: Intimes Porträt einer Frau und Mutter, die den ermüdenden Kampf gegen eine gnadenlose Krankheit führt. 8 von 10 Punkten.



Im Krankenbett

Beim Schminken

 


Marius Joa, 31. Januar 2022. Bilder: LD Entertainment/Discovery+.

 

 

 

 

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Rubrik Kino

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