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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 30. November 2019

So wie Hollywood allgemein das Mainstreamkino weltweit beherrscht so dominieren Disney und Pixasr den Animationsfilm-Markt. Werke, die ohne große Studiopower entstehen, haben es da schwer. Umso schöner, dass Netflix dem französischen Beitrag “Ich habe meinen Körper verloren” eine großflächige Veröffentlichung ermöglicht hat.

 

Lomax in Éirinn

Von Marius Joa. Publiziert am 27. Januar 2019

Alan Lomax gilt als vermutlich der wichtigste Musikforscher überhaupt. Seine Odyssee zur Erforschung von musikalischer Folklore begann 1951 in Irland. Declan McGrath behandelt diese Anfänge in der Dokumentation Lomax in Éirinn, die als Wettbewerbsbeitrag beim 45. Internationalen Filmwochenende in Würzburg lief.

Lomax in Éirinn
Musik-Dokumentation Irland 2018. 52 Minuten. Kinostart: unbekannt.
Erzähler: Pól Brennan. Drehbuch: Felim MacDermot. Regie: Declan McGrath.

Vom Bewahrer der Folkmusic
Nachdem er in den 1930ern als junger Erwachsener mit seinem Vater die USA bereist hatte, um Folkmusic aus allen Teilen des Landes aufzunehmen, begann Alan Lomax (1915-2002) Anfang der 1950er seine eigenen musikalischen Entdeckungsreisen in Irland, um die traditionelle Musik der grünen Insel für die Nachwelt aufzuzeichnen. Regisseur Declan McGrath und Musiker Pól Brennan, bekannt durch die Familienband Clannad, begeben sich auf Lomax’ Spuren.

Alan Lomax wird 1915 in Austin (US-Bundesstaat Texas) als drittes von vier Kindern des Folkloristikpioneers John A. Lomax und dessen Ehefrau Bess geboren. Lomax senior gilt vor allem als Autorität für Cowboy-Songs. Alan begleitet ab 1932 seinen Vater auf dessen Reise quer durch die Staaten. Auf diesen Field Trips sammelte John Folksongs im Auftrag der Library of Congress. Nicht nur in entlegenen Gebieten, sondern auch bei der afro-amerikanischen Bevölkerung, die unter der Rassentrennung und Ausgrenzung zu leiden hat. Vor allem das Liedgut der schwarzen Sträflinge, die von Sonnenaufgang bis -untergang schwere körperliche Arbeit zu erdulden haben, beeindruckt den jungen Alan. Vermutlich zu jener Zeit wird Lomax junior seine große Lebensaufgabe klar: die Musik der einfachen Leute aufnehmen und vor dem Vergessen bewahren. In den Staaten “entdeckt” er dadurch Künstler wie den Bluesgitarristen Robert Johnson, Protestsänger Woody Guthrie, Folkmusiker Pete Seeger und Countrymusiker Burl Ives, macht diese einem größeren Publikum bekannt. Singer-Songwriter-Legende Bob Dylan wird durch Lomax in elementarster Weise beeinflusst. Die Aufnahmen der Songs aus ganz Amerika veröffentlicht Columbia Records als LP.

 Pól Brennan

1950 verlässt Alan Lomax (als linker Sympathisant auf einer “schwarzen Liste” des FBI) die USA in Richtung Europa. Seine musikalische Weltreise beginnt im Westen Irlands, wo er mit dem irischen Musiker und Musiksammler Seamus Ennis (1919-1982) als “Guide” in wenig besiedelten Gegenden die traditionellen Lieder und Tänze erstmals auf Tonband festhält. Und das zu einer Zeit, in welcher die folkloristische Musik auf der grünen Insel wenig Anklang findet, weil sich die Bevölkerung mehr am britischen oder amerikanischen Lebensstil orientiert. Von den 200 Aufnahmen irischer Musiker schaffen es immerhin 34 auf das große Compilation-Album, welches ebenfalls von Columbia vertrieben wird.

Die Doku von Declan McGrath erforscht diese Zusammenhänge und Entwicklungen durch originale Bild- und Tonaufnahmen, beeindruckende Landschaftspanoramen, Interviews mit Musikern, Wissenschaftlern und Weggefährten, lässt Lomax anhand von Archivmaterial auch mehrfach selbst zu Wort kommen. Pól Brennan zeichnet die Reise des amerikanischen Ethnomusikologen nach und bekommt die Gelegenheit mit Musikern zu sprechen, die in den 1950ern aufgenommen wurden. Für den aus Gweedore im County Donegal stammenden Brennan schließt sich der Kreis am Ende dadurch, dass seine Familienband Clannad nach ihrer Gründung Anfang der 1970er die von Lomax konservierten Songs spielte und so einer neuen Generation eröffnete. Alan Lomax avancierte nicht nur zum Initiator des Folk-Revivals in Amerika und Großbritannien, sondern auch der flächendeckenden Verbreitung irischer Musik in den 1970er Jahren vor allem in Europa. Er rettete so die Musik Éirinns vor dem möglichen Aussterben.

Lomax in Éirinn muss sich einen gravierenden Kritikpunkt gefallen lassen. Das Werk ist einfach zu kurz. Denn sicherlich nicht nur ich als großer Fan traditioneller irischer Musik hätte liebend gerne noch mehr “Hörbeispiele” aus Lomax’ Archiven mitgenommen. Vom Format her scheint McGraths Doku auch eher eine Featurette fürs Fernsehen (wie den deutsch-französischen Kulturkanal Arte) als ein abendfüllender Kinofilm. Dass die meisten Gesprächspartner Irisch sprechen, verleiht dem Werk eine charmante und urige Authentizität.

Fazit: Anhand von zahlreichen Originalaufnahmen sowie Interviews mit Musikern und Gelehrten erforscht Lomax in Éirinn die einmalige Arbeit des amerikanischen Musikforschers Alan Lomax in den USA und Irland. 8 von 10 Punkten.

Alan Lomax

 


Marius Joa, 27. Januar 2019. Bilder: Aisling Productions/TGV.

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