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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 19. September 2021

Mit Denis Villeneuves langersehnter Neuverfilmung des Romans “Dune – Der Wüstenplanet” von Frank Herbert ist nun endlich einer der wenigen großen Leinwandepen dieses Jahres in den Kinos gestartet. Schafft es die dritte Adaption der komplexen Vorlage gerecht zu werden?

 

Promising Young Woman

Von Marius Joa. Publiziert am 26. August 2021

Übergriffiges Verhalten gegenüber Frauen ist leider immer noch ein aktuelles Thema. Schauspielerin und Filmemacherin Emerald Fennell nähert sich diesem Sujet auf eher ungewöhnliche Weise, in ihrem Oscar-gekrönten Regiedebüt Promising Young Woman.


Promising Young Woman
Drama/Thriller UK, USA 2020. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 113 Minuten. Kinostart: 19. August 2021.
Mit: Carey Mulligan, Bo Burnham, Alison Brie, Clancy Brown, Jennifer Coolidge, Laverne Cox, Max Greenfield, Chris Lowell u.a. Drehbuch und Regie: Emerald Fennell.

 

 


Vom Doppelleben der jungen Cassie

Einst war Cassie (Carey Mulligan) eine vielversprechende Medizin-Studentin, doch nun mit knapp 30 scheint ihr Leben ziemlich still zu stehen. Während sie tagsüber bei Gail (Laverne Cox) in deren Cafe arbeitet wagt sie sich nachts mit viel Make Up in Clubs und spielt dort die Sturzbesoffene. Wenn sie dann ein sogenannter Gentleman “rettet”, mit nach Hause nimmt und zudringlich wird dann erteilt Cassie diesem eine Lektion. Der Auslöser für ihre “Mission” ereignete sich vor Jahren als Cassie und ihre beste Freundin Nina noch gemeinsam studierten. Während einer Party wurde Nina in stark alkoholisiertem Zustand vor Zeugen vergewaltigt. Den Vorfall kehrte man damals unter den Tisch. Anklage gegen den Täter wurde nicht erhoben. Eines Tages trifft Cassie ihren früheren Studienkollegen Ryan (Bo Burnham), mittlerweile Kinderarzt. Zwischen den beiden bahnt sich eine zarte Beziehung an, welche einen Neuanfang für die junge Frau bedeuten könnte…

Emerald Fennell (geb. 1985) hatte sich bisher vor allem einen Namen als Schauspielerin gemacht, etwa als Hauptdarstellerin in Call the Midwife (2013-2017) oder in der Rolle von Camilla Parker-Bowles in den Staffeln drei und vier der hochkarätigen Historienserie The Crown. Außerdem fungierte die Britin bei Season 2 der feministischen Agentenserie Killing Eve als Chefautorin und Showrunnerin. Mit ihrem vorliegenden Filmdebüt als Autorin und Regisseurin konnte Fennell nicht nur einige Preise gewinnen (darunter in diesem Jahr den Oscar für das beste Originaldrehbuch), sondern auch einen interessanten, eigenwilligen Beitrag zur Debatte um #metoo und die Misshandlung von Frauen in leider noch zu vielen Situationen abliefern.

Vom Promomaterial her wird Promising Young Woman teilweise als bitterböser Rachetriller beworben, was dem Film aber nicht wirklich gerecht wird. Denn (soviel sei verraten) Cassie rächt sich nicht dadurch, dass sie Männer um die Ecke bringt, sondern indem sie diesen einen gehörigen Schrecken einjagt und eine Lektion darüber erteilt, was es heißt “ein netter Kerl” zu sein. Für die meist recht kleinen Parts dieser Herren wurden passenderweise gutaussehende, harmlos wirkende Darsteller gecastet wie Max Greenfield (New Girl), Chris Lowell (Veronica Mars) und Christopher Mintz-Plasse (Kick-Ass). Protagonistin Cassie mutiert quasi zur Vigilantin, wenn sie sich für ihre nächtlichen Missionen diverse auffällige Looks aufträgt. Doch abseits dieser Abenteuer wirkt die frühere Studentin ziellos und verloren, wohnt immer noch bei ihren fürsorglichen, aber ahnungslosen Eltern.

Doch zu absoluter Hochform läuft die Titelheldin auf, wenn sie das systematische Unter-den-Tisch-Kehren, das Vertuschen und die Tatsache, dass dem Opfer fast niemand glaubt, entlarvt und dabei den Spieß konsequent umdreht. Ausgerechnet ein alter Kommiltone scheint Cassie von ihrer “Aufgabe” ablenken zu können und ihr den Glauben daran, dass es auch anständige Männer gibt, zurückzugeben. Doch Fennell hat kein Interesse an einem simplifiziertes Szenario mit einfachen Lösungen . Promising Young Woman ist bisweilen überspitzt, aber zu keiner Zeit überzogen oder reißerisch aufgemacht. Im Gegenteil, mich hat die über weite Strecken absolut ruhige Inszenierung überrascht.

Hauptdarstellerin Carey Mulligan (An Education, Der große Gatsby [2013]) ist als Cassie die Seele des Films und der verlängerte Arm von Autorin/Regisseurin Emerald Fenell. An ihrer Seite agiert ein ebenso passendes Ensemble, darunter Comedian Bo Burnham (The Big Sick, Eight Grade) als Ryan, Jennifer Coolidge (American Pie, 2 Broke Girls) und Clancy Brown (Highlander) als Cassies besorgte Eltern sowie Alison Brie (Mad Men) und Alfred Molina (An Education, Frida), letzterer in einer kleinen Rolle ohne Erwähnung in den Credits.

Fazit: Eine frühere Medizin-Studentin nimmt auf ihre eigene Art “Rache” für das an ihrer Freundin begangene Verbrechen. Ausgewogene Mischung aus Drama und Thriller. 8 von 10 Punkten.

 

Cassie wirkt nur unschuldig
 

Tagsüber mit Gail im Cafe
 

Nachts “betrunken” im Club

 


Marius Joa, 26. August 2021. Bilder: Universal.

 

 

 

 

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