State Of Play – Stand der Dinge

Die erfolgreiche britische Miniserie State Of Play (2003) von Regisseur David Yates und Autor Paul Abbott konnte auch im amerikanischen Fernsehen punkten. Für ein Remake als Kinofilm konnten trotz diverser Umbesetzungen einige große Namen verpflichtet werden. Doch kann ein gerade mal zweistündiger Spielfilm die komplexe Story einer knapp sechsstündigen Serie angemessen wiedergeben?

State Of Play – Stand der Dinge (State Of Play)
Polit-Thriller USA/UK 2009. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 127 Minuten. Deutscher Kinostart: 18. Juni 2009.
Mit: Russell Crowe, Ben Affleck, Rachel McAdams, Helen Mirren, Robin Wright Penn, Jeff Daniels, Jason Bateman u.v.a. Regie: Kevin Macdonald. Drehbuch: Matthew Michael Carnahan, Tony Gilroy, Billy Ray. Nach der Miniserie von Paul Abbott.

Intelligentes Polit-Kino

Der Kongress-Abgeordnete Stephen Collins (Ben Affleck) ist geschockt, als er vom plötzlichen Tod seiner Fachreferentin und Assistentin Sonia Baker (Maria Thayer) erfährt. In seiner Trauer wendet sich Collins an seinen guten Freund, den Journalisten Cal McAffrey (Russell Crowe) vom Washington Globe. Das bringt Cal in eine schwierige Lage, ist er doch schon gemeinsam mit seiner jungen Kollegin, der Onlineredakteurin Della Frye (Rachel McAdams), an der Story dran. Denn Sonias Tod war nicht, wie zu Beginn vermutet, Selbstmord. Cals und Dellas Recherchen fördern immer mehr brisante Details zu Tage. Sonia und Collins hatten eine Affäre, die die junge Frau ausnutzte um für das Unternehmen Point Corp zu spionieren, das vom Verteidigungsministerium vergebene militärische Aufträge ausführen soll. Die ans Licht kommenden Verstrickungen werden immer größer. Auch der Druck auf Cameron (Helen Mirren), der Chefredakteurin des Washington Globe, erhöht sich, verliert doch die große Tageszeitung gegenüber dem Internet als Informationsmedium immer mehr an Bedeutung.

Cal, ein Journalist der alten Schule.

Nach anfänglichem Zögern ließ sich Paul Abbott, Autor und Produzent der hochklassigen Miniserie State Of Play (deutscher Titel: Mord auf Seite Eins) doch darauf ein, die Verfilmungsrechte für sein Erfolgsprojekt an ein großes Hollywood-Studio zu verkaufen. Abbotts Zweifel waren berechtigt, denn State Of Play wäre nicht die erste britische Erfolgsserie, die ein dümmliches Hollywoodremake erleiden musste (wie z.B. Mit Schirm, Charme und Melone oder Thunderbirds). Der Trailer des Remakes ließ zudem einen konventionellen, reißerischen Blockbuster vermuten. Doch Abbott behielt als ausführender Produzent die Fäden teilweise in der Hand und so präsentiert sich die Kinoversion von State Of Play als halbwegs angemessene Adaption der Serie.

Kann die komplexe Story einer knapp sechsstündigen Serie auch nur annähernd in die Handlung eines gerade einmal zweistündigen Kinofilms transportiert werden? So manch einer mag es kaum glauben, doch State Of Play – Stand der Dinge gelingt dieses Kunststück relativ gut. Die Drehbuchautoren Matthew Michael Carnahan (Von Löwen und Lämmern), Tony Gilroy (Michael Clayton) und Billy Ray (Flightplan) schafft es tatsächlich, die Grundzüge der Serien-Handlung zu erfassen. Änderungen musste es geben. So wurden viele Nebencharaktere gestrichen oder zu Komparsenrollen gekürzt. Außerdem wurde der Schauplatz von London nach Washington D.C. verlegt. Das zwielichtige Unternehmen ist hier kein großer Energiekonzern, sondern ein großer privater Sicherheitsdienst. Die größte und hauptsächlich der Dramaturgie eines Kinofilms geschuldete Änderung ist allerdings auch die schlimmste. Der Charakter des strauchelnden Politikers Stephen Collins wird hier zur Nebenfigur degradiert. Damit beraubt sich der Film einer Figur, die durch ihre innere Zerrissenheit Potential für großes Kino hätte liefern können. Denn großes Kino ist der Film dann leider doch nicht, trotz guter Voraussetzungen.

Denn Stand der Dinge behandelt nicht nur wie die Serie die Verstrickungen von Politik, Wirtschaft und Medien. Auch die derzeitige beginnende Ablösung der Printmedien durch das Internet als hauptsächliche Informationsquelle wird thematisiert. Unter dem Druck der zu erbringenden Verkaufszahlen lässt sich hier Cameron, die Chefredakteurin des Washington Globe darauf ein, die unerfahrene Online-Kolumnistin Della mit dem „Old School“-Journalisten Cal zusammenarbeiten zu lassen, um eine brisante Story möglichst voran zu treiben.

Schauspielerisch ist der Film solide. Ben Afflecks Rolle als Stephen Collins ist wie bereits erwähnt viel zu klein, dagegen steht Russell Crowe als Cal McAffrey natürlich im Mittelpunkt des Films. Besonders gefällt Helen Mirren als kratzbürstige Chefredakteurin Cameron, sie kommt der Figur des zynischen, männlichen Cameron aus der Serie, dort gespielt von Bill Nighy, recht nahe. Etwas verschenkt wirkt Robin Wright Penn (Die Braut des Prinzen, Forrest Gump), die als Collins’ Ehefrau Anne nur wenig Screentime hat. Ursprünglich sollten Brad Pitt und Edward Norton die Rollen von Cal und Stephen Collins spielen, doch kreative Differenzen sowie Verzögerungen bei den Dreharbeiten zwangen die beiden Hollywood-Stars, das Projekt zu verlassen.

Trotz einer herben Enttäuschung bezüglich der Figur des Stephen Collins kann State Of Play als Adaption der Serie einigermaßen überzeugen und bietet intelligentes Polit-Kino. Dieses Genre konnte allerdings in den letzten Jahren kein großes Publikum erreichen. In den USA spielte State Of Play bei einem Budget etwa 60 Millionen Dollar bisher nur enttäuschende 37 Millionen ein. Mit dem Ticketerlösen aus aller Welt kommt man bisher auf ca. 65 Millionen Dollar. Ein Erfolg sieht sicher etwas anders aus.

Fazit: Ordentlicher Polit-Thriller, der die grundlegende Handlung der Serie gut wiedergibt, aber nicht ganz überzeugen kann. 6 von 10 Punkten.


Cal und sein alter Freund Stephen.

Cameron, Della und Cal.

Anne und Cal gedenken alter Zeiten.
Marius Joa, 22. Juni 2009. Bilder: Universal.

Empfehlung
Wem dieser Film gefällt, der sollte sich folgende Serie ansehen…

State Of Play (2003) (9/10)


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