The Bride!

90 Jahre nach Frankensteins Braut gewinnt Schauspielerin/Regisseurin Maggie Gyllenhaal dem klassischen Horror-Stoff völlig neue Facetten ab, mit ihrem wilden Genremix The Bride! Die entfesselte Hauptrolle spielt Jessie Buckley (Hamnet).

The Bride!
Drama/Thriller USA 2026. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 126 Minuten. Kinostart: 5. März 2026.
Mit: Jessie Buckley, Christian Bale, Peter Sarsgaard, Penélope Cruz, Annette Bening, Jake Gyllenhaal u.a. Drehbuch und Regie: Maggie Gyllenhaal.



Die Braut, die sich traut

Chicago, 1936. Ein verhüllter Mann (Christian Bale) wird bei der Wissenschaftlerin Dr. Cornelia Euphronius (Annette Bening) vorstellig. Es handelt sich um niemand Geringeren als die von Dr. Frankenstein vor über hundert Jahren wieder zum Leben erweckte Kreatur. Frank, wie er von Dr. Euphronius kurzerhand genannt wird, sehnt sich nach einem Jahrhundert der Einsamkeit nach einer Gefährtin, einer Braut. Widerwillig stimmt die Wissenschaftlerin zu, ihm zu helfen. Gemeinsam graben sie die Leiche von Ida (Jessie Buckley) aus, die nach einem Anfall von Besessenheit von den Schergen eines Mafiabosses getötet worden war. Nach ihrer Wiederbelebung kann sich die junge Frau allerdings an nichts erinnern. Frank und Cornelia erzählen ihr, dass sie einen schweren Unfall erlitten und ihr Gedächtnis verloren hat.

Trotz anfänglichem Widerstands von Ida, nun Penelope genannt, kommen sich die „Braut“ und ihr „Angetrauter“ etwas näher. Nach einer Party in einem Nachtclub wird die Braut von zwei Männern angegriffen, worauf Frank die Angreifer tötet. Das Paar beginnt eine abenteuerliche Flucht, in deren Verlauf sie nicht nur eine Kinovorstellung sprengen, sondern auch eine High-Society-Feier. Bald sind ihnen Detective Jake Wiley (Peter Sarsgaard) und seine überaus patente Assistentin  Myrna Malloy (Penélope Cruz) auf der Spur…

Frank und die Braut

Nachdem sie unter anderem mit Donnie Darko (2001) an der Seite ihres Bruders Jake Gyllenhaal, Secretary (2002) und The Dark Knight (2008) Erfolge als Schauspielerin feiern konnte begann Maggie Gyllenhaal (geboren 1977) in zu Beginn der 2020er Jahren auch als Regisseurin zu arbeiten. Ihr Regie-Debüt, Frau im Dunkeln (The Lost Daughter; 2021), die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Elena Ferrante, erschien nach kurzer Kinoauswertung bei Netflix. Auch für ihren zweiten Film als Regisseurin wollte Gyllenhaal mit dem Streaminganbieter arbeiten. Unstimmigkeiten über die Locations (sie wollte in New York drehen, Netflix im günstigeren New Jersey) führten schließlich dazu, dass Netflix ausstieg und Warner Bros. die Produktion übernahm.

Maggie Gyllenhaal durchbricht mit The Bride! die Erwartungen vieler Zuschauer*innen, zumindest derer, welche auf ein „einfaches“ Remake des Gruselfilm-Klassikers Frankensteins Braut (1935) von James Whale gehofft hatten. Stattdessen zelebriert die 48jährige ihr eine urgewaltige Mischung aus unterschiedlichen Genres, Motiven und Versatzstücken, vor allem aber die Geschichte einer Frau, die eine zweite Chance erhält und dieses Leben entgegen allen Konventionen voll auskosten will. Und nichts und niemand soll ihr dabei im Weg stehen.

Über weite Strecken funktioniert der Film als „Bonnie-und-Clyde“-Variante, wenn die Titelfigur und Frankensteins Monster im Osten der USA eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Doch das Verhalten der Braut löst auch eine Protest-Bewegung unter Frauen aus, als Anklage gegen die zahlreichen unter den Tisch gekehrten Femizide und die Unterdrückung durch Männer allgemein. Als ob die genannten Themen und Elemente noch nicht genügen würden reichert Gyllenhaal ihre zweite Regie-Arbeit auch mit allerlei Zitaten und Referenzen an alte Horror- und Musicalfilme an. Etwa wenn sich Frank als großer Fan des an Fred Astaire angelehnten Tanz- und Musicalstar Ronnie Reed (gespielt von Jake Gyllenhaal) zeigt oder eine Szene auf Mel Brooks’ stilsichere Parodie Frankenstein Junior (1974) anspielt.

Ein Musical ist The Bride! allerdings nicht geworden, wobei es zwei groß angelegte Tanzszenen gibt, von denen die eine aber eher an das Musikvideo bzw. den Kurzfilm Ghosts von Michael Jackson erinnert. Insgesamt hat die Regisseurin hier wohl etwas zu viel gewollt. Als feministische Neuinterpretation von Frankensteins Braut kann der Film überzeugen, aber weniger Details und Zitate wären vielleicht die bessere Wahl gewesen. Mir fiel es etwas schwer, eine Beziehung zu den Figuren aufzubauen.  

An der darstellerischen Leistung gibt es wiederum nichts auszusetzen. Jessie Buckley (kürzlich Oscar-nominiert für das fiktionale Shakespeare-Drama Hamnet und auch in Frau im Dunkeln Teil der Besetzung) spielt sich hier bei vollem Körpereinsatz die Seele aus dem Leib. Außerdem verkörpert die Irin auch Frankenstein-Autorin Mary Shelley, die quasi als Motor der Handlung wirkt. An ihrer Seite gibt Christian Bale (Dark Knight-Trilogie) die etwas ungelenke und doch einfühlsame Schöpfung Frankensteins. Weitere Akteure, wie Gyllenhaals Ehemann Peter Sarsgaard (Jarhead) und Penélope Cruz (Volver), machen einen soliden Job, treten aber im Vergleich zur Braut und ihrem Bräutigam eher in den Hintergrund.    

Fazit: Wild-verspielter und insgesamt etwas unausgegorener Mix aus Horror-Klassiker, Liebesdrama, und Revenge-Thriller mit einer furios aufspielenden Jessie Buckley.



Puttin‘ on the Ritz!
Ermittler-Duo Wiley und Malloy



Marius Joa, 8. März 2026. Bilder: Warner.


Beitrag veröffentlicht

in

von

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner