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Von Marius Joa. Publiziert am 8. September 2019

Ed Wood (1924-1978) gilt gemeinhin als der schlechteste Regisseur aller Zeiten. Vor 60 Jahren erschien sein “Opus Magnum”: der Alien-Horror-Streifen “Plan 9 from Outer Space”…

 

Tolkien

Von Marius Joa. Publiziert am 29. Juni 2019

Als Verfasser von Werken wie Der Hobbit und Der Herr der Ringe avancierte der englische Philologe J.R.R. Tolkien (1892-1973) zum Urvater der modernen Fantasy-Literatur. Das Biopic Tolkien von Regisseur Dome Karukoski widmet sich den frühen Lebensjahren des Professors…

Tolkien
Drama USA 2019. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 112 Minuten. Kinostart: 20. Juni 2019.
Mit: Nicholas Hoult, Lily Collins, Anthony Boyle, Patrick Gibson, Tom Glynn-Carney, Craig Roberts, Colm Meaney, Derek Jacobi u.a. Regie: Dome Karukoski. Drehbuch: David Gleeson und Steve Beresford.

 


Liebe, Freundschaft, Allgemeines

1916. Während sich John Ronald Reuel Tolkien (Nicholas Hoult) mit Fieber durch die Schützengräben bei der Schlacht an der Somme im Ersten Weltkrieg schleppt, erinnert sich der 24jährige Jungoffizier und Student an sein bisheriges Leben. Seine Kindheit im idyllischen Sarehole Mill, durch den Verlust seiner Mutter Mabel (Laura Donelly) überschattet, die Zeit in der Obhut des katholischen Priesters Francis Morgan (Colm Meaney) bzw. Mrs. Faulkners (Pam Ferris), die Ronald (Harry Gilby) und seinen Bruder Hilary (Guillermo Bedward, später: James MacCallum) bei sich aufnahm, die glückliche Zeit mit den Freunden Geoffrey Bache Smith (Adam Bregman/Anthony Boyle), Robert Gilson (Albie Marber/Patrick Gibson) und Christopher Wiseman (Ty Tennant/Tom Glynn-Carney) sowie die Begegnung mit der ebenfalls verwaisten Edith Bratt (Mimi Keene/Lily Collins), Tolkiens großer Liebe und künftiger Ehefrau…

 Nicholas Hoult als Tolkien

Seine Begeisterung für Sprachen brachte John Ronald Reuel Tolkien (1892-1973) schon in der Kindheit dazu, eigene zu erfinden. Auf Basis dieser Kunstsprachen kreierte Tolkien sukzessive seine eigene Mythologie. Im Zentrum seines Legendariums, welches über Jahrzehnte hinweg entwickelt wurde, stehen die Romane Der Hobbit (1937) und Der Herr der Ringe (1954/55), durch welche Tolkien zum Begründer heutiger Fantasy-Literatur avancierte. Auch ich selbst wurde durch das Werk des englischen Philologie-Professors massiv beeinflusst. Der Verfilmung des Ring-Epos durch Peter Jackson entfachte (wenige Wochen nach Abschluss der ersten Romanlektüre) vor gut 17 Jahren meine Filmleidenschaft als Erwachsener, ohne die es diese Website nicht gegeben hätte (mehr dazu gibt es HIER nachzulesen). Wie Tolkien selbst wuchs auch Thomas “Dome” Karukoski (geb. 1976) ohne Vater und in Armut auf. Im Alter von 12 Jahren entdeckte der spätere Regisseur (u.a. Das Mädchen und der Rapper, Helden des Polarkreises) das Werk des Autors. Seitdem träumte Karukoski davon, selbst eine Leinwand-Adaption des Herr der Ringe zu stemmen. Im Juli 2017 wurde der Finne für die Regie der vorliegenden Filmbiographie vorgestellt.

Karuokoskis Biopic konzentriert sich auf die jungen Jahres des Protagonisten, was sich als dahingehend sinnvoll erweist, dass 80 Lebensjahre den Rahmen eines abendfüllenden Spielfilms massiv sprengen täten und wenn überhaupt für eine Adaption als Miniserie geeignet wären. Im Zentrum der Handlung stehen neben der Liebesgeschichte zwischen Ronald und seiner späteren Ehefrau Edith Bratt (1889-1971) vor allem die Freundschaft zu den anderen Mitgliedern der T.C.B.S. (Tea Club – Barrovian Society), eine Gemeinschaft literatur- und kunstinteressierter junger Männern, welche durch den Ersten Weltkrieg auf grausame Weise auseinandergerissen wird. Einerseits kommt hierbei ein wenig Club der toten Dichter-Feeling auf, anderseits interpretiert der Film das Quartett als mögliche Inspiration für die Gefährten oder vielmehr die Gemeinschaft der vier Hobbits im Ring-Epos. Mit der Visualisierung von Motiven aus Tolkiens Werken als schemenhafte Gestalten und Erscheinungen auf dem Schlachtfeld der Somme im Ersten Weltkrieg begibt sich das Projekt auf einen schmalen Grat. Denn im Vorwort zur 1966 erschienenen, überarbeiteten Fassung des Herr der Ringe erklärte Tolkien, dass er Allegorien verabschaue und der Roman auch keine zum Zweiten Weltkrieg darstelle. Diese inszenatorische Verknüpfungen funktionieren aber dadurch, dass sie dezent eingesetzt werden und optisch zu Peter Jacksons Adaption der Ring-Trilogie passen.

Auf den ersten Blick kann man Karuokoskis Filmbiographie wenig vorwerfen. Die Inszenierung wirkt solide, die Darstellerleistungen ebenfalls, wenngleich ich mir für die beiden wichtigsten Rollen Akteure mit weniger Glamour-Faktor als Nicholas Hoult (bekannt als Mutant Beast in der X-Men-Reboot-Reihe) und Lily Collins (Spieglein, Spieglein) gewünscht hätte. Auch vergreift man sich hier nicht im Ton oder gibt seine historische Hauptfigur der völligen Banalisierung preis. Doch leider wirkt das ganze Werk zu austauschbar. Es wird hier (meiner Ansicht nach) zu wenig vermittelt, dass wir es hier mit der Lebensgeschichte des großen Weltenschöpfers/Erzählers J.R.R. Tolkien zu tun haben. Vielmehr scheint der Inhalt nur eine Art Platzhalter für die Leben mehrerer Akademiker, deren unbeschwerte Studienzeit durch die Grauen des Krieges überschattet wurden.

Das Thema “Tolkien im Kino” dürfte sich erst einmal erledigt haben, aber bekanntlich wird ja Der Herr der Ringe von Amazon als episch-aufwändige (mit einem angeblichen Gesamtbudget von einer Milliarde Dollar für fünf geplante Staffeln) TV-Serie neu aufgelegt, wobei die Vorgeschichte zum Ringkrieg im Mittelpunkt der Handlung stehen soll.

Fazit: Solide inszeniertes Biopic, insgesamt aber zu brav und austauschbar. 5 von 10 Punkten.

Ronald und seine Freunde
Edith


Auf dem Schlachtfeld

Marius Joa, 29. Juni 2019. Bilder: Fox Searchlight.

 

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