Immer wieder kommen irische Krimiserien auch nach Deutschland, z.B. Harry Wild – Mörderjagd in Dublin und The Fall – Tod in Belfast aus Nordirland. Meistens werden diese Produktionen aber komplett auf Englisch gedreht. Nicht so Boglands. Nahe eines abgelegenen Ortes im Nordwesten findet man die Leiche einer seit fünfzehn Jahren vermissten Frau im Moor. Ortspolizist Conall darf nicht ermitteln, denn die Tote ist seine Mutter.
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Boglands – Die Tote im Moor (Crá)
Krimidrama/Miniserie Irland, UK 2024. 6 Folgen. Gesamtlänge: ca. 270 Minuten. Starttermin: 1. Januar 2026.
Mit: Dónall Ó Héalai, Alex Murphy, Hannah Brady, Barry McGovern, Róisín Murphy, Tara Breathnach, Alan Mahon, Caoimhe Farren, Niall Mac Eachmharcaigh u.a. Idee und Drehbuch: Doireann Ní Chorragáin und Richie Conroy. Regie: Phillip Doherty.

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Im Sumpf der Vergangenheit
In Carricknanaul, einer kleinen Gemeinde im County Donegal, im irischsprachigen Nordwesten des Landes, haben die beiden Polizisten der örtlichen Dienststelle, Sergeant Conall Ó Súilleabháin (Dónall Ó Héalai) und sein unerfahrener Kollege Barry (Alex Murphy), es meist nur mit toten Vögeln, Geschwindigkeits-überschreitungen, Parksündern und leichten Nachbarschaftsstreitereien zu tun. Doch eines Tages wird eine Leiche im nahe gelegenen Moor gefunden. Die Tote stellt sich als Conalls vor fünfzehn Jahren verschwundene Mutter Sabine heraus, deren Verlust Conall, seinen mittlerweile alten Vater Art (Barry McGovern) und die ganze Gemeinde schwer getroffen hat. Inspektorin Patsy Sweeney (Tara Breathnach) leitet die Ermittlungen. Obwohl er sich nicht einmischen darf wird Conall von Barry über neue Erkenntnisse auf dem Laufenden gehalten. Die zufällig anwesende Journalistin Ciara-Kate (Hannah Brady) beginnt den Fall für ihren True-Crime-Podcast zu recherchieren, sehr um Leidwesen aller Beteiligten. Weil Conall damals betrunken war, kann er sich an die Nacht des Verschwindens seiner Mutter nicht erinnern. Außerdem scheint das Alibi seines Vaters zu wackeln. Sukzessive treten dunkle Geheimnisse der Vergangenheit ans Licht…
Wann bekommt man schonmal, die Gelegenheit eine Serie auf Irisch zu sehen? Zwar sind in Irland alle öffentlichen Schilder zweisprachig, doch gesprochen wird die gälische Sprache nur in den sogenannten Gaeltacht-Regionen. Man nimmt an, dass es lediglich noch 70.000 Muttersprachler*innen gibt. Allein schon deswegen weckte die im November 2024 in Irland und Nordirland sowie im restlichen Vereinigen Königreich im Januar 2025 veröffentlichte Krimiserie Crá (zu deutsch „Qual“) mein Interesse. Außerhalb Irlands wurde die irisch-britische Produktion unter dem Titel Boglands veröffentlicht und so auch beim deutsch-französischen Kultursender Arte im Januar 2026 gesendet.

Wegen des sehr abgelegenen Schauplatzes erinnert die von Doireann Ní Chorragáin und Richie Conroy geschaffene/geschriebene sowie von Phillip Doherty inszenierte Serie etwas an Mord auf Shetland. Doch präsentiert sich Crá personell und insgesamt reduzierter. In der fiktiven Gemeinde Carricknanaul leben einfach nicht viele Leute. Wirklich jede*r kennt jede*n. Außer einem Pub, einem Dorfladen, einer Kirche und einem Fußball-Verein ist hier ansonsten Nichts geboten, zudem die örtliche Dienststelle nur mit zwei Polizisten besetzt. Deshalb gehört irgendwie der halbe Ort zum Kreis der Verdächtigen, auch wenn hier dankbarerweise nicht alle fünf oder zehn Minuten neue mögliche Täter*innen präsentiert werden.
Inhaltlich erfinden die Autor*innen hier das Genre wahrlich nicht neu, vermeiden aber immerhin allzu reißerische Plotelemente oder Twists. Wie in solchen Krimi-Formaten üblich werden ein paar falsche Fährten ausgelegt, wer Sabine getötet haben könnte. Die finale Auflösung entpuppt sich dann zwar als recht stimmig, wirkt aber etwas künstlich aus dem Hut gezaubert. Zudem scheint so manche Wendung holprig und nicht wirklich gut auserzählt.
Stärke und Wiedererkennungswert bezieht Boglands zum großen Teil aus seinem trist-grauen Schauplatz. Passend dazu trägt die von außerhalb kommende Journalistin/Podcasterin als einzige weit und breit sehr farbenfrohe Kleidung. Kameramann Richard Kendrick (That They May Face The Rising Sun) schafft es, die überwiegend aus kargen Moorgebieten und rau-malerischen Küsten bestehende Landschaft stimmungsvoll einzufangen. Der Score des bretonischen Musikers Krismenn kombiniert traditionelle irische Musik mit treibender Elektronik und trägt ebenso zur kühlen Atmosphäre bei.
Was die ganze Geschichte dann recht authentisch wirken lässt sind die fast durchgehend ambivalenten Figuren und das überzeugende Ensemble, vor allem Dónall Ó Héalai (Arracht, Punisher: One Last Kill) als Conall, Alex Murphy (Conversations with Friends) als Barry, Róisín Murphy (What Richard Did, Vikings) als Conalls alte Freundin Anne-Marie, Barry McGovern (Joe gegen den Vulkan, Braveheart) als Conalls Vater Art, Tara Breathnach (Jack Taylor, Dune: Part Two) als Inspektorin Patsy Sweeney und Niall Mac Eachmharcaigh als Fußballtrainer Ray. Auch wenn der Mord an Sabine am Ende aufgeklärt wird, so wurde im November 2025 eine zweite Staffel der Serie bestellt.
Alle sechs Folgen von Boglands sind noch bis einschließlich 30. Juni 2026 kostenlos in der Arte-Mediathek abrufbar, sowohl in der deutschen Synchronisation als auch in der irisch-gälischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
Fazit: Inhaltlich etwas holprige, aber stimmungsvolle und stark gespielte Krimi-Miniserie über Verbrechen in einer abgelegenen irischen Gemeinde.
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Marius Joa, 17. Mai 2026. Bilder: TG4/BBC/Arte.


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