Star Trek: Starfleet Academy

Im September 2026 feiert Star Trek seinen 60. Geburtstag. Zu diesem Anlass wird das von Gene Roddenberry (1921-1991) geschaffene Raumfahrt-Universum erweitert, etwa mit der neuen Serie Starfleet Academy, deren erste Staffel Mitte Januar Premiere feierte. 

Star Trek: Starfleet Academy
Science-Fiction-Serie USA 2026. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 10 Folgen (Staffel 1). Gesamtlänge: ca. 625 Minuten. Starttermin: 15. Januar 2026.
Mit: Holly Hunter, Sandro Rosta, Karim Diané, Kerrice Brooks, Bella Shepard, George Hawkins, Oded Fehr, Gina Yashere, Zoe Steiner, Tig Notaro, Robert Picardo u.v.a. Nach Star Trek von Gene Roddenberry. Idee: Gaia Violo.



Star Trek – Die Teenieserie

Im späten 32. Jahrhundert. Gut ein Jahrhundert nachdem der Brand, ein kataklysmisches Ereignis das interstellare Reisen fast zum Erliegen gebracht und die unterschiedlichen Völker des Alls quasi isoliert hat sowie einige Jahre nachdem die Ursache gefunden werden konnte befindet sich die Vereinigte Föderation der Planeten im Wiederaufbau. Zu diesem Anlass wird die Sternenflottenakademie nach über 100 Jahren wieder eröffnet, unter der Leitung von Kanzlerin/Captain Nahla Ake (Holly Hunter), zur Hälfte Mensch und Lanthanit. Unterstützt bei der Ausbildung des Sternenflotten-Nachwuchs erhält Captain Ake durch den 900 Jahre alten holographischen Doktor (Robert Picardo), ehemals auf der Voyager tätig, die frühere Discovery-Offizierin Jett Reno (Tig Notaro) und Lura Thok (Gina Yashere), Tochter einer klingonischen Mutter und eines Vaters vom Volk der Jem‘Hadar. 

Zum ersten neuen Jahrgang der Kadetten gehören Caleb Mir (Sandro Rosta), der seit 15 Jahren seine Mutter sucht, der heimatlose Klingone Jay-Den Kraag (Karim Diané), die Admiralstochter Genesis Lythe (Bella Shepard) vom Volk der Dar-Sha, der khionische Adelige Arek Reymi (George Hawkins), SAM (Kerrice Brooks), ein junges Hologramm vom Planeten Kasq sowie Tarima Sadal (Zoe Steiner), die übersinnlich begabte Tochter des Präsidenten von Betazed. Schnell werden die jungen Nachwuchsoffiziere ins kalte Wasser geworfen. Denn der Weltraumpirat Nus Braka (Paul Giamatti) und das Verbrechersyndikat Venari Ral bedrohen die intergalaktische Sicherheit…

Das Star Trek-Universum, unendliche Weiten. Mittlerweile umfasst die Mitte der 1960er von Autor und Produzent Gene Roddenberry (1921-1991) ins Leben gerufene Weltraumsaga dreizehn Serien, vierzehn Spielfilme (der bis dato letzte allerdings nur als Stream erschienen) sowie unzählige Büchern Videospiele und weitere Produkte. Seit einer Dekade wird das Franchise von Alex Kurtzman (Transformers) als oberstem Kreativchef geleitet, wobei seine Ära sich dem Ende zu neigen scheint. Für mich ist mit diesem Namen untrennbar ein weitgehender Qualitätsverlust verbunden. Denn die neuen Serien, vor allem Discovery (2017-2024) und Picard (2020-2023) boten zwar durchaus Potenzial und gute Ideen, zeigten aber in der inhaltlichen Umsetzung große Mängel. So verhält es sich leider auch mit der vorliegenden 13. Serienproduktion.

Die Sternenflottenakademie, über die Jahrzehnte Quelle der zahlreichen herausragenden Offiziere an Bord der USS Enterprise und anderer Föderationsraumschiffe, wurde schon vereinzelt in The Next Generation (1987-1994) und Deep Space Nine (1993-1999) besucht, doch in der von Gaia Violo (Absentia) kreierten neuen Show steht die Ausbildungsstätte im Zentrum der Handlung. Die Akademie befindet sich nach den verheerenden Auswirkungen des Brandes im Neuaufbau und nach einem Jahrhundert trifft erstmals eine neue Gruppe von Student*innen dort ein. 

Hier haben wir dann auch gleich schon die ersten inhaltlichen Unebenheiten. Die Föderation und andere Regionen des Weltraums waren ein Jahrhundert lang weitgehend isoliert. Innerhalb von wenigen Jahren nachdem die Discovery die Ursache des Brandes aufgeklärt hat erstrahlt das Sternenflottenhauptquartier in neuem Glanz. Außerdem besteht die Flotte jetzt wieder aus etwa 100 Raumschiffen, obwohl unzählige während der Katastrophe zerstört wurden. Natürlich sind die technologischen Möglichkeiten in dieser fiktionalen Zukunft weit fortgeschritten, aber fast aus dem Nichts eine komplett neue Raumflotte aus dem Boden zu stampfen ist eher ein Indiz für „lazy writing“. Genauso erscheint es völlig unrealistisch, dass nach einem Jahrhundert der Isolation nicht nur die im Mittelpunkt stehenden neuen Kadett*innen, sondern auch ihre zahlreichen Mitstreiter*innen bezüglich der Eingangsvoraussetzungen alle problemlos auf einem Level sind.  

Die erste Staffel von Starfleet Academy hätte auch die Möglichkeit geboten, die titelgebende Bildungseinrichtung mal vor allem hinsichtlich ihrer Organisationsstruktur und ihres Lehrplans etwas näher zu bringen. Doch abgesehen von wenigen Kursen und außergewöhnlichen Aktivitäten erfahren wir über diese Themen fast nichts. Schade, dass dafür nicht einmal Platz in einer einzigen Folge geschaffen wurde. Andere Dinge schienen dem Autor*innen-Team da wichtiger. Zum Beispiel die durchgehend gut aussehende, aber leider eher wenig spannende Gruppe von Sternenflotten-Azubis.

Captain Nahla Ake

Natürlich ist es mir völlig klar, dass ich mit Mitte vierzig der Zielgruppe dieser neuen Serie seit gut zwei Jahrzehnten entwachsen bin. Starfleet Academy wurde gemacht, um die Saga für ein „Young Adult“-Publikum zu öffnen. Aus meiner Sicht hätte es das nicht gebraucht, aber wenn dadurch eine neue Generation von Zuschauer*innen das Franchise für sich entdeckt, warum nicht. Und sicherlich gibt es auch gelungene YA-Serien, ich denke da vor allem an die herausragende Netflix-Produktion Sex Education (2019-2023), die Historiensatire My Lady Jane (2024) oder das Psychodrama Chloe (2022).

Warum müssen allerdings die jungen Hauptcharaktere so vergleichsweise uninteressant sein? Die Geschichte von Caleb Mir steht weitgehend im Zentrum der zehn Episoden. Seitdem er als Junge vor über 15 Jahren von seiner Mutter getrennt wurde, hat er sich als Ausreißer und Kleinkrimineller durchgeschlagen und ist seitdem auf der Suche nach ihr. Alles andere als optimale Voraussetzungen für das Aufwachsen eines Kindes. Dennoch sieht Sandro Rosta in der Rolle aus, als würde er nur zwischen Gym und Modelshooting changieren. Zudem gibt es fast kein technisches Problem, was er nicht lösen kann. Wie spannend. Ähnliches gilt für seine Mitstudent*innen. Sie alle wirken auf den ersten Blick nicht uninteressant, scheinen zumindest aus meiner Sicht aber überwiegend wegen ihres fast perfekten Aussehens und ihrer Vermarktbarkeit für die Zielgruppe da zu sein.

Und dann wären da noch die erwachsenen Figuren, angeführt von der unorthodox handelnden und sprechenden Nahla Ake, gespielt von Oscar-Gewinnerin Holly Hunter (Das Piano). Als ihre rechte Hand fungiert die Klingonin-/Jem’Hadar-Hybridin Lieutenant Commander Lura Thok (Gina Yashere), welche allerdings nur als gestrenge Ausbilderin und Stichwortgeberin wirken darf. Prominente Rückkehrer gibt es auch, vor allem in Person des holographischen Doktors (Roberto Picardo), der im 24. Jahrhundert seinen Dienst auf der USS Voyager begonnen hatte und nun ca. 900 Jahre später immer noch existiert sowie dabei sogar eine Entwicklung durchmachen darf. Gleiches gilt für die ehemalige Discovery-Ingenieurin Jett Reno. Im Finale darf sie sogar über ihre Rolle als Sarkasmus-Beauftragte hinauswachsen.

Man würde sich hier wünschen in die Drehbücher wäre die gleiche Sorgfalt und Mühe wie in die anderen Bereich der Produktion geflossen. Kostüme, Maskenbild und Kulissen wirken mehr als solide. Auch die effektvollen Weltraumszenen bewegen sich auf dem hohen Standard des neuen Star Trek, obgleich weniger Lensflare sicher keine schlechte Idee wäre. Negative Reaktionen hat Starfleet Academy ausgerechnet durch eine seiner positiven Seiten erhalten. Rechte Trolle überzogen die Serie mit schlechten Bewertungen, weil diese angeblich zu „woke“ sei. Für diese Idioten dürfte es vermutlich einen bittere Erkenntnis sein, dass Star Trek jeweils im zeitlichen Kontext der Entstehung der unterschiedlichen Produktionen schon immer für progressives Gedankengut und Diversität stand. Dem trägt auch die neue Show Rechnung.              

Die komplette erste Staffel von Starfleet Academy ist seit dem 12. März 2026 Teil des Angebots von Paramount+. Staffel 2 ist bereits abgedreht und wird voraussichtlich 2027 erscheinen.

Fazit: Trotz des frischen Settings und interessanten Ansätzen leider eine durchwachsene Mischung aus (wie bei Kurtzmans Star Trek-Serien üblich) halbgarer Fanfiction und recht austauschbarer Hochglanz-Teenieserie. 5 von 10 Punkten.


Der holographische Doktor
Lura Thok und Jett Reno
Die USS Athena



Marius Joa, 22. März 2026. Bilder: Paramount.    


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