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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 27. September 2020

In “Killing Gunther”, dem Regiedebüt des Schauspielers und Comedians Taran Killam, trommelt ein aufstrebender Auftragskiller eine Gruppe von Kollegen zusammen, um die Nummer Eins im Hitman-Business zu liquidieren.

 

Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt

Von Marius Joa. Publiziert am 19. Juni 2020

Scott Pilgrim spielt mit seinen Freunden in einer Band. Ansonsten verläuft sein Leben wenig spannend. Bis er auf seine Traumfrau trifft. Die hat allerdings eine ganze Reihe von Ex-Freunden im Gepäck, die Scott das Leben zur Hölle machen wollen. Mit Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt verfilmte Edgar Wright eine Comicvorlage über Indie-Rock, (Kampfsport-)Videospiele, und ein kompliziertes Beziehungsgeflecht.


Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt (Scott Pilgrim vs. The World)
Actionkomödie/Fantasy USA, UK, Kanada, Japan 2010. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 112 Minuten.
Mit: Michael Cera, Mary Elizabeth Winstead, Kieran Culkin, Chris Evans, Anna Kendrick, Brie Larson, Alison Pill, Aubrey Plaza, Brandon Routh, Jason Schwartzman, Johnny Simmons, Mark Webber, Mae Whitman, Ellen Wong u.v.a. Nach der Graphic-Novel-Serie
Scott Pilgrim von Bryan Lee O’Malley. Drehbuch: Michael Bacall und Edgar Wright. Regie: Edgar Wright.

Fight the Exes, get the Girl

Der 22jährige Scott Pilgrim (Michael Cera), ein durchaus begabter wenngleich antriebsloser Bassist, hat mit seinen Freunden Stephen (Mark Webber), Kim (Alison Pill) und Neil (Johnny Simmons) die Indie-Rockband “Sex Bob-Omb” ins Leben gerufen, die nun auf einen Plattenvertrag hofft. Obwohl die Trennung von seiner Ex-Freundin Envy (Brie Larson) schon vor einem Jahr passierte, begnügt sich Scott mit seiner eher platonischen Beziehung – Händchenhalten und Umarmungen sind das höchste der Gefühle – zur 17jährigen Schülerin Knives Chau (Ellen Wong). Scotts schwuler Mitbewohner Wallace (Kieran Culkin) und seine Schwester Stacey Pilgrim (Anna Kendrick) sind von dieser Liaison wenig angetan. Da trifft Scott auf die Frau seiner Träume: Ramona Flowers (Mary Elizabeth Winstead), eine Hipster-Braut mit bunten Haaren, kürzlich von New York ins verschneite Toronto gezogen. Ramona scheint Scott auch sehr zu mögen, doch bringt sie einiges an “Ballast” mit in die sich entwickelnde Beziehung. Denn bevor Scott und Ramona glücklich werden können muss der unscheinbare Tagträumer ihre Ex-Partner Matthew (Satya Bhabha), Lucas (Chris Evans), Todd (Brandon Routh), Roxy (Mae Whitman), Kyle und Ken Katayanagi (Shota Saito und Keita Saito) sowie Gideon (Jason Schwartzman) im Kampf besiegen. Dummerweise ist Knives davon wenig begeistert, dass Scott sie abserviert hat. Außerdem taucht die mittlerweile äußerst erfolgreiche Envy wieder auf…

 Scott trifft Ramona…

Zwischen August 2004 und Juli 2010 veröffentlichte der koreanisch-kanadische Comiczeichner/Autor und Musiker Bryan Lee O’Malley die sechsteilige Graphic Novel Scott Pilgrim beim Verlag Oni Press. Bereits nach dem ersten Band gab es Anfragen für eine Verfilmung. Als Regisseur wurde schließlich Edgar Wright engagiert, der damals vor allem für die britische Sitcom Spaced (199-2001) sowie die Komödien Shaun of the Dead (2004) und Hot Fuzz (2007), Teile eins und zwei der mit The World’s End (2013) komplettierten Three Flavours Cornetto-Trilogie, bekannt war. Eine goldrichtige Wahl. Ich selbst bin zwar beileibe kein Videospiel-Afficionado, aber dennoch hat mir Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt sehr viel Spaß gemacht.

Hinsichtlich der grundlegenden Konstellation wandelt die amerikanisch-kanadisch-britisch-japanische Co-Produktion auf den Spuren unzähliger Romantik- oder Beziehungs-Komödie, in deren Verlauf der Protagonist und seine Angebetete erst große Hindernisse überwinden müssen, bevor sie zusammenkommen. Nur dass hier freilich alles herrlich überzeichnet wird und zudem die Grenzen zwischen realistischer Wirklichkeit und Fantasiewelt die ganze Zeit über völlig offen sind. Auch im Film werden die typischen Charakteristika des Mediums Comic zelebriert. So dienen Texteinblendungen zur Vorstellung der Figuren oder Onomatopoesie veranschaulicht Geräusche. Sehr abrupt gestalten sich die Szenenwechsel, vor allem wenn unser Held mal wieder vor sich hinträumt. Auch die fast omnipräsente Musik wird visuell dargestellt. Und nicht zu vergessen: die im besten Beat-Em-Up-Stil gehaltenen Kampfszenen mit Manga-typischer Stilisierung.

 …geht aber mit Knives

Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt bietet einen grellbunten Rausch mit allerlei Anspielungen (auf Musik, Filme, Games) und Versatzstücke, von denen man die meisten vermutlich erst nach mehrmaliger Sichtung überhaupt mitbekommt. Die konsequent durchgezogene Hyperaktivität mag wohl nicht jedem Zuschauer gefallen, ich empfand sie allerdings als sehr erfrischend und würde mir daher wünschen, dass Comicverfilmungen künftiger öfter mit einer derart transmedialen und stilvollen Herangehensweise produziert werden.

Edgar Wright versammelt hier einen vor allem aus heutiger Sicht mehr als namhaften Cast. Michael Cera, der kanadische Jungstar des nordamerikanischen Indie-Kinos (Juno, Nick & Norah: Soundtrack einer Nacht) scheint die Rolle des verträumt-behäbigen Titelhelden wie auf den Leib geschrieben. Mary Elizabeth Winstead (The Ring 2, 10 Cloverfield Lane) spielt die geheimnisvolle, mehrfach die Haarfarbe wechselnde Ramona Flowers. Zu den Darstellern der Ex-Freunde gehören auch Superman Brandon Routh und Chris “Captain America” Evans (siehe auch Fantastic Four). Außerdem dabei: Aubrey Plaza (Parks and Recreation, Legion) als No-Nonsense-Verkäuferin Julie, die spätere Oscar-Gewinnerin Brie Larson (Raum, Captain Marvel) als Scotts fiese Ex-Freundin Envy und Jason Schwartzman (Darjeeling Limited, Grand Budapest Hotel) als schmieriger Plattenboss sowie Alison Pill (In Treatment, Star Trek: Picard) als knurrige Kim, Drummerin der Band Sex Bob-omb.

Manche der Nebenfiguren mögen vielleicht etwas zu kurz kommen, aber die ganze knallige Inszenierung verkommt nie zum Selbstzweck oder Gimmick, sondern steht immer ganz im Dienst der Geschichte. Dass die Kombination von überbordender visueller Fantasie und Videospiel-Ästhetik nicht immer aufgehen muss haben Speedracer (2008) und Pixels (2015) bewiesen. Regisseur Edgar Wright sagt über seinen Film, dass “Scott Pilgrim” wie ein Musical aufgezogen sei, nur eben mit epischen Prügeleien anstelle der Gesangspassagen.

Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt ist auf BluRay und DVD erhältlich sowie bei diversen Streaminganbietern verfügbar.

Fazit: Knalliger, herrlich überzeichneter Hybrid aus Comic-Adaption, Videospiel-Gekloppe, Musikfilm und Beziehungskomödie mit buntem Ensemble. 8 von 10 Punkten.

 

Scott und seine Bandkollegen

 

Die Ex-Freunde wollen Rache

 

Auf in den Kampf!

 

Marius Joa, 19. Juni 2020. Bilder: Universal.

 

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