Father Mother Sister Brother

Verteilt über drei Episoden behandelt Jim Jarmusch (Only Lovers Left Alive, Paterson) in seinem neuen Film unterschiedliche Familienkonstellationen, mit hochkarätiger Besetzung um Tom Waits, Adam Driver, Charlotte Rampling und Cate Blanchett. 

Father Mother Sister Brother
Drama/Komödie USA, Irland, Frankreich, Italien, Japan 2025. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 110 Minuten. Kinostart: 26. Februar 2026.
Mit: Tom Waits, Adam Driver, Mayim Bialik, Charlotte Rampling, Cate Blanchett, Vicky Krieps, Sarah Greene, Indya Moore, Luka Sabbat u.a. Drehbuch und Regie: Jim Jarmusch.



Familientreffen und andere Merkwürdigkeiten

Wie der Titel andeutet besteht der Film aus drei Episoden:

Father:
Die beruflich erfolgreichen Geschwister Jeff (Adam Driver) und Emily (Mayim Bialik) besuchen ihren in einem abgelegenen Teil von New Jersey lebenden Vater (Tom Waits). Dieser hat nie wirklich etwas gearbeitet und wird teils von seinem Sohn finanziell unterstützt. Der Tod der Mutter vor ein paar Jahren hat die Familie auseinandergebracht. Auch wenn sich ihr Erzeuger über den Besuch freut und einen ordentlichen Eindruck macht, so bleiben bei Jeff und Emily ein paar Fragen offen.

Mother:
Obwohl die Bestsellerautorin Catherine (Charlotte Rampling) genau wie ihre Töchter Timothea (Cate Blanchett) und Lilith (Vicky Krieps) in Dublin lebt, treffen sich die drei Frauen nur einmal im Jahr. Bei der aktuellen Zusammenkunft erzählt Timothea von ihrer Beförderung. Die mit Influencern zusammenhängende Arbeit von Lilith erscheint der Mutter dagegen nicht so verständlich.

Sister Brother:
Nachdem ihre Eltern auf mysteriöse Weise bei einem Flugzeugabsturz verstorben sind kommen die Zwillinge Skye (Indya Moore) und Billy (Luka Sabbat) in Paris zusammen, um ein letztes Mal in die mittlerweile leerstehende Wohnung zu gehen. Alte Fotos und andere Gegenstände lassen das Geschwisterpaar in Erinnerungen schwelgen.

Dank Werken wie Night on Earth (1953) und Dead Man (1995) zählt Jim Jarmusch (geboren 1953) zu den wichtigsten Independent-Filmemacher*innen der USA. Ich persönlich kenne und schätze ihn für seine jüngeren Arbeiten wie den Vampirfilm Only Lovers Left Alive (2013), die Zombie-Satire The Dead Don’t Die (2019) und das poetische Alltagsdrama Paterson (2016). Gut fünf Jahre nach „The Dead“ hat der Amerikaner endlich wieder einen neuen Film gemacht. In Father Mother Sister Brother reiht Jarmusch drei Familienbegegnungen unterschiedlicher Art aneinander. Dafür gab es nach der Weltpremiere bei den Filmfestspielen von Venedig im September 2025 den Goldenen Löwen.

Freund*innen und (Ehe-)Partner*innen kann man sich aussuchen, die eigene Familie dagegen nicht, merkt eine der Charaktere des Films treffend an. Und das ist auch das Hauptmotiv von Jarmuschs neuestem Film. Seine Figuren, mit Ausnahme der Zwillinge im letzten Drittel, finden sich in unangenehmen, merkwürdigen Situationen mit Familienmitgliedern wieder. Für Jeff und Emily offenbart der Besuch beim eigenbrötlerisch und als verrückt geltenden Vater, der wie ein Einsiedler wirkt, immer wieder komische Momente. Auch das Zusammentreffen von Mutter Catherine mit ihren komplett unterschiedlichen Töchtern, die eine bieder und solide, die andere unangepasst und knapp bei Kasse, verläuft zwar harmonisch, aber nicht ohne kleine Irritationen.

Jarmusch inszeniert das alles (wie nicht anders von ihm erwartet), unaufgeregt und ruhig, lasst dabei dem Publikum genügend Raum, das Unausgesprochene oder nur Angedeutete zu interpretieren. Denn genaue Details, um die Beziehungen der einzelnen Familienangehörigen untereinander zu verstehen, erfährt man eher wenig. Als einigermaßen krassen Gegenentwurf zu den ersten beiden funktioniert die dritte Episode. Der Anlass für das Treffen von Schwester und Bruder ist traurig, doch in ihrer Vertrautheit und gegenseitigen Zuneigung strahlen die Zwillinge eine ungeheure Wärme aus, welche die Szenen mit ihnen zu den angenehmsten des Films machen.

Eine Cringe-Comedy oder eine bissige Familien-Satire sollte man hier nicht erwarten. Vermutlich hätte allerdings ohne in die genannten Richtungen einzuschlagen etwas mehr Spannung einbauen können. Die 110 Minuten präsentieren sich auch dank des hochkarätigen Casts durchaus kurzweilig-unterhaltsam, aber hinterher beschlich mich das Gefühl, dass hier in mancher Hinsicht mehr drin gewesen wäre. Vor allem wenn man so namhafte Schauspieler*innen zur Verfügung hat.  

Fazit: Leiser, teils witziger Anthologie-Film über drei unterschiedliche Familienkonstellationen mit Starbesetzung.



Marius Joa, 6. März 2026. Bilder: Weltkino.


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