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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 22. Oktober 2021

Eine ganz andere Art von Angst und Schrecken gibt es im nächsten Beitrag des diesjährigen Horroctobers. In Steven Soderberghs Low-Budget-Thriller “Unsane” wird eine Frau (Claire Foy) gegen ihren Willen in einer Psychiatrie festgehalten.

 

Filles de Joie – Freudenmädchen

Von Marius Joa. Publiziert am 1. Februar 2021

Drei unterschiedliche Freundinnen arbeiten als Prostituierte. Filles de Joie – Freudenmädchen, welcher auf der Internationalen Filmwoche in Würzburg im Original gezeigt wurde, erzählt vom Alltag der Frauen und ihren Problemen.


Freudenmädchen (Filles de Joie)
Drama Belgien, Frankreich 2020. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 90 Minuten.
Mit: Sara Forestier, Noémie Lvovsky, Annabelle Lengronne, Nicolas Cazalé, Jonas Bloquet, Sergi Lopez, Els Deceukelier u.v.a. Drehbuch: Anne Paulicevich. Regie: Frédéric Fonteyne und Anne Paulicevich.

 



Vom Los der Göttinnen

Axelle (Sara Forestier), Dominique (Noémie Lvovsky) und Conso (Annabelle Lengronne) sind drei sehr unterschiedliche Frauen. Im Sommer überqueren die drei Freundinnen täglich die Grenze nach Belgien und arbeiten dort als “Athena”, “Hera” und “Circe” in einem Bordell, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Sie wünschen sich nur Respekt. Doch die Männer in ihrem Umfeld kapieren das nicht. Im strömenden Regen begraben die drei Frauen eine Leiche. Wer ist der Tote?

Filles de Joie, auf deutsch Freudenmädchen, ist mein zweiter Film beim diesjährigen Internationalen Filmwochenende in Würzburg, das wegen der Corona-Pandemie zu einer rein digitalen Filmwoche umgestellt wurde. Die belgisch-französische Co-Produktion wurde unter dem englischen Titel Working Girls als belgischer Beitrag in der Kategorie bester internationaler Film für die Oscar-Verleihung 2021 (25. April 2021) eingereicht. Die Nominierungen werden am 15. März 2021 bekannt gegeben. Bevor sie das Drehbuch zu Filles de Joie schrieb begleitete Autorin und Co-Regisseurin Anne Paulicevich (Tango Libre) echte Prostituierte bei ihrem Alltag. Auf diesen realen Personen basieren die drei zentralen Frauenfiguren. Sicherlich ein Grund warum der von Paulicevich und Frédéric Fonteyne inszenierte Film so authentisch wirkt.

Abgesehen davon, dass die drei Heldinnen in einem Bordell arbeiten, gestaltet sich ihr Leben relativ normal. Axelle hat sich von ihrem Mann Yann (Nicholas Cazalé) getrennt und lebt gemeinsam mit ihren drei Kindern und ihrer Mutter (Els Deceukelier). Ihre Nachbarin im hässlichen Wohnblock ist Conso, die mit Jean-Fi (Jonas Bloquet) einen einigermaßen wohlhabenden Freund hat und von einem besseren Leben träumt. Die ältere Dominique hat mit ihrem ruhigen Ehemann Boris (Sergi Lopez, bekannt aus Pans Labyrinth) zwei fast erwachsene Kinder. Tochter Zoé (Salomé Dewaels) bereitet ihrer Mutter aufgrund ihrer nächtlichen Abwesenheit Sorgen.

Trotz ihrer besonders schweren Tätigkeit und dem meist respektlosen Verhalten der Männer (Axelle wird regelmäßig von Halbwüchsigen sexistisch beleidigt während Conso aufgrund ihrer Hautfarbe auch offenem Rassismus ausgesetzt ist) so besteht die Lebensrealität der drei Göttinnen nicht nur aus Drama und Problemen, sondern auch aus Freude, Freundschaft, Euphorie und Humor. Aus den gemeinsamen Erlebnissen und dem daraus entwickelten Zusammenhalt schöpfen Axelle, Dominique und Conso Kraft.

Spannung kommt in die ganze Geschichte weil das Ende mit dem Verschwindenlassen der Leiche gleich vorweggenommen und in der Folge gezeigt wird, wie es dazu kam. Filles de Joie greift dabei auf einen ähnlichen dramaturgischen Kniff wie die US-Serie The Affair zurück, wenn die vorherigen Geschehnisse nacheinander aus der Sicht der drei Protagonistinnen erzählt werden. Dabei gestaltet sich der Film die komplette Laufzeit über völlig organisch, ohne in reißerische Gefilde abzudriften.

Freudenmädchen ist seit dem 15. Januar 2021 als Stream bei Amazon, Google Play und CHILI verfügbar.

Fazit: Bodenständiger, gekonnt erzählter Film über das relativ normale Leben dreier Frauen im Sexarbeiter-Gewerbe. 8 von 10 Punkten.

 


Marius Joa, 1. Februar 2021. Bilder: Versus Production/O’Brother.

 

 

 

 

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