Kurioserweise zwei Youtuber haben für die größten Erfolge im Horror-Kino des Jahres gesorgt. Nach dem „liminal spaces“-Streifen Backrooms von Kane Parsons habe ich nun auch Obsession, das schaurige Beziehungsdrama von Curry Baker, gesehen.
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Obsession – Du sollst mich lieben (Obsession)
Horror/Beziehungsdrama USA 2025. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 110 Minuten. Kinostart: 25. Juni 2026.
Mit: Mark Johnston, Inde Navarrette, Cooper Tomlinson, Megan Lawless u.a. Drehbuch und Regie: Curry Barker.

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Ein Wunsch und seine verheerenden Konsequenzen
Bear (Mark Johnston), Nikki (Inde Navarrette), Ian (Cooper Tomlinson) und Sarah (Megan Lawless) sind seit der Highschool befreundet und arbeiten zusammen im Musikinstrumente-Laden von Sarahs Vater Carter (Andy Richter). Seit Jahren schon ist Bear in Nikki verliebt, traut sich aber bisher nicht ihr seine Gefühle zu offenbaren. Als Nikki ankündigt, für zwei Wochen freizunehmen, um an ihrem Buch weiterzuschreiben, startet er einen weiteren vergeblichen Versuch, ihr die Wahrheit zu sagen. In einem Esoterikshop findet Bear einen Wunsch-Weidenzweig, mit dem er sich wünscht, dass Nikki ihn über alles liebt. Wenig später geht sein Wunsch in Erfüllung, allerdings mit drastischen Folgen. Bear und Nikki beginnen schon bald eine Beziehung. Doch ihr unberechenbares und zunehmend verstörendes Verhalten belastet nicht nur das Paar, sondern auch den gemeinsamen Freundeskreis…
Youtuber in ihren Zwanzigern mischen das Horror-Kino auf. Denn nicht nur der 21jährige Kane Parsons hat mit seinem Filmdebüt Backrooms, basierend auf seiner gleichnamigen Webserie über das Internetphänomen um unheimliche, menschenleere Gänge, in welchen die Gesetze der Physik teilweise nicht gelten, einen Kassenschlager (400 Millionen US-Dollar weltweites Einspielergebnis bei einem Budget von 10 Millionen) gelandet, sondern auch der sechs Jahre ältere Curry Baker mit der modernen „Schauer-Romanze“ Obsession (525 Millionen Einnahmen vs. 750.000 Dollar Produktionskosten). Und auch beim zweitgenannten Werk erweist sich der Hype als gerechtfertigt.

Gemeinsam mit Cooper Tomlinson schuf Curry Barker (geboren 1999) den Sketch-Youtube-Channel „That’s a Bad Idea“. Gemeinsam drehten sie den Found-Footage-Horrorfilm Milk & Serial, über zwei junge Männer, deren Pranks völlig außer Kontrolle geraten. Weil alle Versuche einer Kino-Auswertung scheiterten veröffentlichte das Duo seinen ersten abendfüllenden Spielfilm 2024 auf Youtube. Bereits durch Barkers im Vorjahr veröffentlichten Kurzfilm The Chair (2023) wurden Produktionsfirmen auf ihn aufmerksam, so dass er seinen nächsten Film in Angriff nehmen konnte.
Inspiriert durch die zweite Halloween-Folge von Die Simpsons setzte Barker seine eigene Idee über ein obsessives Paar in ein Drehbuch um. Nach den Dreharbeiten im Oktober 2024 feierte Obsession seine Weltpremiere im Mitternachtsblock des Toronto International Film Festivals (TIFF) am 5. September 2025. Zahlreiche weitere Festival-Screenings später (unter anderem bei den Fantasyfilmfest Nights im Mai 2026) folgte ab 15. Mai 2026 die Kino-Auswertungen in den USA sowie ab dem 25. Juni 2026 der reguläre deutsche Leinwand-Start.
Was anfänglich noch wie ein bodenständiges romantisches Drama anfängt entpuppt sich schnell als modernes Horror-Märchen, als perfektes Beispiel für die Redensart „Pass auf, was du dir wünschst“. Wie genau der „one wish willow“, also der magische Weidenzweig, funktioniert wird nicht erklärt. Nur dass der geäußerte Wunsch in Erfüllung geht, daran gibt es keinen Zweifel. Wobei Bear sich das mit der großen Liebe wohl anders vorgestellt hat. Denn Nikkis plötzliche und überschwängliche Zuneigung mündet immer wieder in psychotische Phasen, die ganz offensichtlich nicht gesund oder normal sein können.
Mit bitterer Konsequenz wird das Szenario durchgezogen und sukzessive verschiebt sich auch die Frage danach, wer hier Opfer und Täter ist. Dabei wird Bear als eigentlich sympathischer junger Mann eingeführt, dessen kürzliche Schicksalsschläge ihn sehr mitgenommen haben, weswegen man als Zuschauer*in leicht Empathie für ihn empfinden kann. Doch mit zunehmender Laufzeit kippt diese Konstellation und die wirkliche Rollenverteilung tritt allmählich zu Tage. Denn wer von beiden ist hier eigentlich besessen vom anderen?
Obsession überzeugt nicht nur mit einer Geschichte über eine einseitige Beziehung voller Abstufungen und Abgründe. Die Inszenierung gelingt ähnlich hochklassig. Dabei beweisen Barker und sein Team ein Gespür dafür, wie lange man eine Szene oder Einstellung verlängern muss, um diese unangenehm wirken zu lassen. Stark zudem, wie Nikkis verstörende Anwandlungen hinsichtlich der Verwendung von Licht und Schatten gefilmt wurden. Die Meisterleistung des Films liefert Inde Navarrette mit einer intensiven und nuancierten Performance als Nikki, wodurch man ihr die widersprüchlichen Emotionen und Ausbrüche abnimmt. Und das alles ohne Einsatz von Computeranimation oder künstlicher Intelligenz.
Obsession – Du sollst mich lieben ist seit dem 24. September 2026 auf BluRay sowie als Stream mit Zusatzkosten bei diversen Anbietern erhältlich.
Fazit: Verstörendes und unerbittlich-konsequentes Horror-Drama über eine toxische Beziehung, mit der famosen Inde Navarrette in der weiblichen Hauptrolle.
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Marius Joa, 1. November 2026. Bilder: Universal.


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