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Von Marius Joa. Publiziert am 8. September 2019

Ed Wood (1924-1978) gilt gemeinhin als der schlechteste Regisseur aller Zeiten. Vor 60 Jahren erschien sein “Opus Magnum”: der Alien-Horror-Streifen “Plan 9 from Outer Space”…

 

Once Upon a Time in Hollywood

Von Marius Joa. Publiziert am 25. August 2019

Ein Western-Star, dessen Stuntdouble, ein attraktives Starlet und eine unheimliche Hippie-Kommune. Dies sind die Hauptakteure in Once Upon a Time in Hollywood, dem neu(nt)en Film von Kultregisseur Quentin Tarantino…

Once Upon a Time in Hollywood
Gesellschaftsdrama/Komödie/Thriller USA, UK 2019. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 161 Minuten. Kinostart: 15. August 2019.
Mit: Leonardo DiCaprio, Brad Pitt, Margot Robbie, Emile Hirsch, Margaret Qualley, Al Pacino u.v.a. Drehbuch und Regie: Quentin Tarantino.

 



Cowboys, Hippies und nackte Füße

Hollywood, 1969. Einst war Rick Dalton (Leonardo DiCaprio), Hauptdarsteller der erfolgreichen Westernshow Bounty Law, ein gefeierter Fernsehstar. Seit die Serie vor ein paar Jahren abgesetzt wurde, ist Daltons Karriere ins Stocken geraten und er verdingt sich als Bösewicht-der-Woche in diversen anderen TV-Produktionen. Vom Karriereknick Daltons stark betroffen ist auch dessen Stuntdouble Cliff Booth (Brad Pitt). Daher dient Cliff seinem guten Freund Rick als Chauffeur, Assistent und Mädchen für alles. Produzent Marvin Schwarzs (Al Pacino) schlägt Rick unterdessen vor, nach Italien zu reisen und dort in Spaghetti-Western mitzuspielen. Dalton lehnt dies ab und nimmt stattdessen eine Rolle als Bösewicht in der von Regisseur Sam Wanamaker (Nicholas Hammond) inszenierten Pilotfolge der neuen Westernserie Lancer an. Auf dem Anwesen neben Ricks Haus sind unterdessen der aufstrebende polnische Filmemacher Roman Polanski (Rafał Zawierucha) und seine Ehefrau, Schauspielerin Sharon Tate (Margot Robbie), eingezogen. Während Rick beim Dreh des Western-Piloten mit seinem Part kämpft, unternimmt Cliff eine Spritztour mit einem Hippie-Mädchen (Margaret Qualley). Die junge Frau bewohnt mit ihrer von Charles Manson (Damon Herriman) geführten Kommune genau jene Ranch, auf welcher früher Bounty Law gedreht wurde…

 Sharon Tate

Vor ziemlich genau 50 Jahren, am 9. August 1969, ermordeten Mitglieder der sogenannten Manson-Family, einer rassistischen Hippie-Kommune unter Führung von Charles Manson, die hochschwangere Schauspielerin Sharon Tate (Ehefrau von Regisseur Roman Polanski) sowie Tates anwesende Freunde: Hairstylist Jay Sebring, Autor Wojciech Frykowski und Kaffeekonzernerbin Abigail Folger. Steven Parent, ein 18jähriger Mann, der mit dem Hausmeister des Anwesens von Polanski und Tate befreundet war, wurde ebenfalls getötet. Im Juli 2017 gab Quentin Tarantino bekannt, mit seinem nächsten Werk eben jene grausamen Morde filmisch verarbeiten zu wollen. Zwei Jahre später läuft Once Upon a Time in Hollywood, der neunte Film des amerikanischen Kultregisseurs, der nach eigener Aussage seine Regie-Karriere nach zehn Streifen beenden möchte, nun in den Kinos. Ich persönlich bin jetzt kein ausdrücklicher Fan Tarantinos, finde seine Arbeiten aber durchaus interessant. Daher folgt hiermit auch das Bekenntnis, dass ich seine kultisch verehrten drei ersten Filme Reservoir Dogs (1992), Pulp Fiction (1994) und Jackie Brown (1997) noch nicht gesehen habe, wenngleich bis auf den Grindhouse-Beitrag Death Proof (2007) alle Regie-Arbeiten seitdem: Kill Bill, Vol. 1 (2003), Kill Bill, Vol. 2 (2004), Inglourious Basterds (2009), Django Unchained (2012) und zuletzt The Hateful 8 (2015). Letzterer hatte mich im Verlauf der 167 Minuten zunehmend gelangtweilt. Obwohl nur sechs Minuten kürzer trat dieses Gefühl bei Once Upon a Time in Hollywood zu keiner Zeit ein. Von daher hat mir Tarantino Nr. 9 etwas besser gefallen.

Desöfteren liest man über den 161-Minüter, dass in den ersten gut zwei Stunden quasi nichts passiere. Diese These kann ich so nicht stehen lassen. Die Geschichte erforscht das Leben im Hollywoods des Jahres 1969 in Person des abgehalfterten Westernschauspielers Rick Dalton und seines Stuntmans/besten Freundes Cliff Booth. Während Dalton und Booth für das alte Hollywood stehen so verkörpern die junge Schauspielerin Sharon Tate und ihr Ehemann Roman Polanski die neue Traumfabrik, welche stark vom Zeitgeist der Gegenkultur beeinflusst wurde. Im Grunde zwei Parallelwelten, die innerhalb des Films wenig Berührungspunkte haben. Daher spielt auch die von Margot Robbie (Suicide Squad; I, Tonya) verkörperte Sharon Tate für den Hauptplot über weite Strecken gar keine Rolle, sondern tänzelt lediglich beschwingt durch die Szenerie. Bisweilen wirkt Once Upon a Time in Hollywood wie der Pilotfilm zu einem Spinoff der preisgekrönten Werbeweltsaga Mad Men (vor allem zur sechsten Staffel).

Tarantino gelingt es dank großer Detailgenauigkeit und Zitatenreichtum, seine verklärte Vision der Ära zum Leben zu erwecken und er lässt dabei ein großes Starensemble auflaufen. Neben dem Hauptdarsteller-Duo DiCaprio/Pitt und Margot Robbie sehen wir unter anderem die Tarantino-Veteranen Kurt Russel, Michael Madsen und Bruce Dern in klein(st)en Rollen. Die Legenden Steve McQueen (1930–1980) und Bruce Lee (1940-1973), gespielt von Damian Lewis und Mike Moh, tauchen ebenfalls kurz auf. Der im Februar 2019 im Alter von 52 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls verstorbene Serienstar Luke Perry (Beverly Hills, 90210) spielte hier seine letzteRolle. Mit Maya Hawke (Tochter von Uma Thurman und Ethan Hawke), Margaret Qualley (Tochter von Andie Macdowell) und dem früheren Teenie-Star Austin Butler (The Shannara Chronicles, The Dead don’t Die) ist auch die jüngere Schauspiel-Generation vertreten.

In mehrfacher Hinsicht überschattet wird “Nummer 9” allerdings von einem über die Maßen brutalen Finale. Dass es in Tarantinos Kino zu grotesken Gewaltszenen kommt ist so sicher wie das Amen in der Kirche, aber ist es wirklich notwendig z.B. den Kopf eines Gegners 25 Mal gegen eine Glasscheibe zu schmettern? Ein paar unheilvoll eingestreute Momente nehmen das absurde Gemetzel geschickt vorweg, welches so ganz anders abläuft als die meisten Zuschauer vermutet hätten. Doch wie der Titel verrät ist die ganze Geschichte eben kein faktentreues Period Piece sondern ein märchenhaftes, schillerndes Drama mit unerwartetem Ende.

Fazit: Bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzte Gesellschaftsstudie, die in einem widerlich-brutalen und gleichzeitig märchenhaften Showdown mündet. 7 von 10 Punkten.

 

Schauspieler Rick Dalton
Stuntman Cliff Booth

Mitglieder der Manson-Family

 

Marius Joa, 25. August 2019. Bilder: Sony.

 

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