Kino im Allgemein und Hollywood im Besonderen werden nicht selten als Traumfabrik bezeichnet. Regisseur Bi Gan denkt in seinem dritten Spielfilm, dem episodenhaften Resurrection, dieses Konzept auf seine eigene Art weiter.
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Resurrection (Kuang ye shi dai)
Science-Fiction-Drama China, Frankreich 2025. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 159 Minuten. Kinostart: 25. Juni 2026.
Mit: Jackson Yee, Shu Qi, Mark Chao, Li Gengxi, Huang Jue, Cheng Jongzhong, Guo Mucheng u.v.a. Drehbuch: Bi Gan und Zhai Xiaohui. Regie: Bi Gan.

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Der letzte Träumer
In ferner Zukunft haben die Menschen den Alterungsprozess weitgehend überwunden. Den einzigen Preis, den sie dafür zahlen müssen, ist der Verlust ihrer Fähigkeit zu träumen. Ein letzter Träumer, der sogenannte Phantasmer (Jackson Yee), existiert allerdings noch und hält sich in Filmen versteckt. Eine Fotografin (Shu Qi) kommt ihm auf die Spur, doch muss sie feststellen, dass seine Lebenskraft fast aufgebraucht ist. In seinem Körper findet sie einen Filmprojektor. Um das Leben des letzten Träumers noch ein wenig zu verlängern, setzt die Fotografin Filmrollen ein. Dadurch wird der Phantasmer wiederholt in neue Geschichten transportiert.
In den 1940er Jahren ist er Qiu (Jackson Yee), der Assistent eines Musikers (Nan Yan), der im Besitz eines geheimnisvollen Koffers ist. Nach dem Tod des Musikers macht der Kommandant (Mark Chao) Jagd auf Qiu und den Koffer. Im zweiten Traum hilft eine ehemaliger Mönch (Jackson Yee) einer Gruppe von Plünderern ein verlassenes Kloster auszuräumen und wird von diesen dort zurückgelassen. Dann erscheint ihm der Geist der Bitterkeit (Cheng Jongzhong) in Gestalt seines verstorbenen Vaters. Die dritte Geschichte macht den Träumer zum Trickbetrüger Jia (Jackson Yee), der einem Waisenmädchen (Guo Mucheng) seine Kartentricks beibringt, um die Aufmerksamkeit eines alten Gangsterbosses zu erregen. Schließlich spielt sich der letzte Traum in einer Hafenstadt in der Silvesternacht 1999 ab, als der Kleinkriminelle Apollo (Jackson Yee) in Person von Tai Zhaomei (Li Gengxi) eine besondere Frau trifft…

Mit Resurrection liefert der chinesische Regisseur Bi Gan (geboren 1989) seinen dritten Spielfilm ab, der in einer ersten Schnittfassung Weltpremiere bei den Filmfestspielen von Cannes 2025 feierte. Gut ein Jahr später erfolgte Ende Juni der deutsche Kinostart. Fast wäre mir dieses besondere Werk durch die Lappen gegangen, hätte ich nicht zufällig zwei Rezensionen gelesen und mich spontan zum Kinobesuch entschlossen. Auch wenn manche Aspekte dem Publikum eher verschlossen bleiben ein besonderes Leinwanderlebnis, das vermutlich mit weiteren Sichtungen an positiven Eindrücken gewinnt.
Bi Gan feiert in seinem Film, dessen Originaltitel auf Deutsch übersetzt „wilde Zeiten“ bedeutet, die Magie des Mediums Film. Seine Macht, (Traum-)Welten zu erschaffen und flüchtige Momente für die Ewigkeit festzuhalten. Dazu verwendet der Regisseur in den verschiedenen Episoden unterschiedliche Techniken und Genres. Die erste Sequenz funktioniert als Stummfilm mit Zwischentiteln sowie deutlichen Referenzen an expressionistisches Kino aus Deutschland (z.B. Nosferatu) aber auch die französischen Filmpioniere Georges Méliès und die Lumière-Brüder.
Die Jagd des Kommandanten auf den Musiker und seinen Koffer spielt sich in einem Film-Noir-Setting ab. An Gangsterfilme der 1970er Jahre erinnert die Geschichte vom Trickbetrüger und dem Waisenmädchen. Und als finalen Traum erleben wir eine gut 30 Minute lange Plansequenz ohne Schnitt durch die kriminelle Unterwelt einer Hafenstadt in der Nacht vom 31.12.1999 auf den 01.01.2000, mit einem Hauch von Weltuntergangsstimmung und Vampiren. Schauspieler Jackson Yee verkörpert die Figur des Phantasmers in all seinen fünf Inkarnationen.
Inszenatorisch präsentiert sich Resurrection absolut hochklassig und in mehrfacher Hinsicht eindrucksvoll, zum einen durch die Vereinigung unterschiedlicher Filmgenres, Techniken und Bildformate, zum anderen durch teils surreale und ästhetische Bilderwelten sowie den atmosphärischen Score der französischen Elektronikband M83. Das Konzept hinter diesem episoden-umspannenden Werk funktioniert aus meiner Sicht ebenfalls. Nur macht es die teils verklausulierte Handlung den Zuschauer*innen nicht unbedingt leicht, wobei natürlich nicht alles haarklein erklärt bzw. bis ins letzte Detail auserzählt sein muss.
Fazit: Inszenatorisch und konzeptionell hochklassige, aber inhaltlich recht sperrige Fabel über die Magie des Kinos und die Bedeutung von Träumen.
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Marius Joa, 4. Juli 2026. Bilder: Plaion Pictures.


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