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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 19. Oktober 2019

Weiter im diesjährigen Horroctober, heute mit einem Film, der auch schon seit Langem auf meiner Watchlist steht. In “Elizabeth Harvest” heiratet eine junge Frau einen reichen Wissenschaftler, der ihr alles bietet. Nur ein Zimmer im gemeinsamen Haus ist tabu…

 

Vivarium

Von Marius Joa. Publiziert am 29. September 2019

Mein zweiter Besuch des Fantasy Filmfest bescherte mir mit Vivarium ein surreales und ruhig-schauriges Kinoerlebnis, in welchem sich ein Paar in ihrem neuen Zuhause gefangen sieht.

Vivarium
Science-Fiction/Mysterydrama Irland, Belgien, Dänemark, USA 2019. 97 Minuten. Kinostart: unbekannt.
Mit: Imogen Poots, Jesse Eisenberg, Jonathan Aris, Senan Jennings, Eanna Hardwicke u.a. Story/Drehbuch: Lorcan Finnegan und Garret Shanley. Regie: Lorcan Finnegan.

 

In der mintgrünen (Vorstadt-)Hölle

Die Grundschullehrerin Gemma (Imogen Poots) und der Landschaftsgärtner Tom (Jesse Eisenberg) sind ein junges Paar auf Wohnungssuche. Der merkwürdige Makler Martin (Jonathan Aris) schlägt ihnen das neue Wohnprojekt “Yonder” vor. Doch während der Besichtigung verschwindet Martin plötzlich. Gemma und Tom müssen bald erkennen, dass sie in der Siedlung voller identischer mintgrüner Häuser gefangen sind. Daher beziehen die beiden das gleichförmig eingerichtete Haus Nr. 9. Jeden Morgen steht ein Karton mit Essen auf dem Gehweg. Eines Tages findet das Paar allerdings ein Baby mit dem Hinweis “Zieht es auf und ihr erwerdet erlöst”. Das Kind wächst unnatürlich schnell und weist auch sonst wenig menschliche Züge auf…

 Ein Bild von einem perfekten Zuhause

Das im September stattfindende Fantasy Filmfest 2019 bot für mich als Liebhaber ungewöhnlichen Kinos so einige interessante Beiträge wie Zhang Yimous Martial-Arts-Epos Shadow, die irische Geisterkomödie Extra Ordinary oder der in englischer Sprache gedrehte österreichische Pflanzenhorror Little Joe von Regisseurin Jessica Hausner. Aus zeitlichen Gründen (die Fahrt nach Nürnberg und zurück ist für einen Kinobesuch sehr aufwändig) war es mir aber auch dieses Jahr (ebenso wie 2018) nur möglich, einen einzigen Film zu sehen. Meine Wahl fiel auf Vivarium, den zweiten Langfilm des irischen Regisseurs Lorcan Finnegan (Without Name).

Finnegans Werk widmet sich auf dem ersten Blick einem nicht nur wegen der allgemeinen Immobilienkrise sehr aktuellen Thema: das Finden von geeignetem und bezahlbaren Wohnraum. Doch handelt Vivarium nicht von den mannigfaltigen Höhen und Tiefen der Wohnungssuche, sondern verwendet die Ausgangssituation des Protagonisten-Paares als Aufhänger für ein schauriges, symbolträchtiges Experiment. Das Gefangensein von Gemma und Tom in der menschenleeren Siedlung völlig gleicher mintgrüner Häuser und ihr Zusammenleben mit einem Kind, das sehr schnell wächst und seine “Eltern” mit andauernden, markerschütternden Schreien sowie dem täuschend echten Nachahmen ihrer Stimmen allmählich in den Wahnsinn treibt, lässt sich dahingehend interpretieren, dass sich auch das vermeintliche Glück mit stylish eingerichtetem Haus und Familie als Käfig wenn nicht Hölle entpuppen kann. Ein absolut gleichförmiges Leben in absolut gleichförmiger Umgebung, in welcher das zuverlässig gelieferte Essen keinen Geschmack hat. Gemma und Tom gehen mit der absurd-aussichtslosen Situation auf unterschiedliche Arten um. Während sie versucht einen Zugang zum “Kind” zu finden, verrichtet er tagein tagaus seine endlose Sisyphos-Arbeit.

Die ganze Angelegenheit bleibt über weite Strecken bedenklich ruhig, varanschaulicht dadurch die zunehmene Resignation der beiden von Imogen Poots (28 Weeks Later, Chatroom, Jane Eyre) und Jesse Eisenberg (The Social Network, Batman v Superman: Dawn of Justice, The Double) authentisch verkörperten Protagonisten. Schaurig gut sind die drei weiteren Schauspieler: zum einen Jonathan Aris (Sherlock, The End of the F***ing World) in seinen wenigen Szenen als grimassierender Makler Martin sowie Senan Jackson und Eanna Hardwicke, die beide das namenlose Kind in unterschiedlichen Altersstufen spielen. Vivarium mag bei weitem kein Wohlfühlfilm sein, aber für Freunde des formal und stimmig inszenierten minimalistischen Genrekinos sicherlich eine Sichtung wert. Hoffen wir auf einen regulären deutschen Kinostart oder wenigstens eine Heimkinoauswertung.

Fazit: Inszenatorisch minimalistischer, aber wirkungsvoll bedrückend-ruhiger Trip in eine seelenlose, sterile Wohnhölle, mit Metaphern über Mensch und Natur gespickt. 8 von 10 Punkten.

 

Gemma und Tom im Kundengespräch…

 

…mit Makler Martin

 

Die junge Familie ist komplett

 


Marius Joa, 29. September 2019. Bilder: Tele München Gruppe.

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