Appofeniacs

Ein paar bösartige Deepfakes sorgen nicht nur für ein wenig Wirbel, sondern haben blutige Folgen, in Appofeniacs von Regisseur Chris Marrs Piliero, der bei den Fantasy Filmfest Nights 2026 gezeigt wurde.  

Appofeniacs
Thriller USA 2025. 90 Minuten. Kinostart: unbekannt.
Mit: Aaron Holliday, Paige Searcy, Jermaine Fowler, Sean Gunn, Harley Bronwyn, Michael Abbott Jr., Simran Jehani, Will Brandt, Sean Wing, Chad Addison, Massi Pregoni, Amogh Kapoor u.a. Drehbuch und Regie: Chris Marrs Piliero.



Deep Fakes Fiction

Eine neuartige App vermag dank hochentwickelter künstlicher Intelligenz perfekte Deepfake-Videos zu erstellen. Duke (Aaron Holliday) ist im Besitz dieser App und sorgt mit ein paar seiner Kreationen für Chaos und Gewalt in seiner Umgebung. James (Chad Addison) sieht seine Freundin in einem Fake-Porno und dreht durch. Außerdem kursiert ein Video, in welchem Verkäuferin Lazzy (Paige Searcy) anscheinend rassistische Beleidigungen ausstößt. Und Clinto (Sean Gunn), der Cosplay-Zubehör herstellt, ahnt nicht, dass auch ein fataler Clip mit ihm existiert.   

Nach einem größeren Pensum bei der Hauptveranstaltung des Fantasy Filmfest 2025 und nur einem Film bei den FFF White Nights 2026 (Decorado) habe ich für die FFF Nights (16. bis 19.04.2026 in Berlin, Hamburg, Köln und Nürnberg bzw. 23. bis 26.04.2026 in Frankfurt, München und Stuttgart) wieder den Weg nach Frankfurt am Main auf mich genommen, um drei Genre-Streifen im Harmonie-Kino anzusehen. Als erstes stand für mich am Freitagnachmittag Appofeniacs auf dem Programm. Als Apophänie (von altgriechisch ἀποφαίνειν apophaínein ‚zeigen‘, ‚erscheinen‘, ‚verwirklichen‘) bezeichnet man die Neigung des menschlichen Gehirns, Muster und/oder Zusammenhänge in zufälligen, bedeutungslosen Daten zu erkennen. Diese Wahrnehmung kann auch als Symptom von Psychosen oder Schizophrenie auftreten.

Duke ist der Auslöser

Chris Marrs Piliero, der bisher neben Kurzfilmen vor allem Musikvideos u.a. für Ariana Grande und Britney Spears gedreht hat, legt mit Appofeniacs (der Titel ein Portmanteau aus dem englischen Begriff für das oben beschriebene Phänomen und dem Wort App) sein Langfilmdebüt als Regisseur vor, welches er mit einem eher kleinen Team in Kalifornien gedreht hat. Trotz einer spannenden Prämisse verrennt sich der Genre-Streifen aber zu sehr in überbordenden Gewaltspitzen inklusive Gore und Splatter.  

Aktuell ist das Thema Deepfakes hierzulande dadurch in den Nachrichten, dass dem Schauspieler Christian Ulmen vorgeworfen wird, mit künstlicher Intelligenz erstellte pornografische Aufnahmen seiner Ex-Frau Collien Fernandes an andere Leute weitergegeben bzw. ihre Identität unter Vorspiegelung falscher Tatsachen missbraucht zu haben. Der Ruf nach einer Schließung der Gesetzlücken bei digitaler sexualisierter Gewalt, der überwiegend Frauen zum Opfer fallen, ist berechtigterweise groß. Mit einem solchen Video löst der rücksichtslose Duke im Film nicht nur das Ende einer Beziehung sondern auch eine gewalttätige Kettenreaktion aus. Die weiteren Deep-Fakes bleiben ebenso nicht ohne tödliche Folgen. Die möglichen negativen Auswirkungen von künstlicher Intelligenz auf das alltägliche Leben werden hier also ein Stück weit plausibel dargestellt.

Die Kombination einer sozialkritischen Message mit Genre-Elementen ist in den letzten Jahren zu einem Trend im internationalen Genre-Kino geworden, aus meiner Sicht vor allem im Subgenre „Beauty-Horror“ à la The Substance (2024), The Ugly Stepsister (2025) und Slanted (2025). Dass Thema KI und seine Schattenseiten in einem knalligen Ensemble-Film im Stile von Kultregisseur Quentin Tarantino zu verarbeiten war also an sich keine schlechte Idee. Doch anstatt sich wirklich ernsthaft mit der Problematik auseinanderzusetzen, mutiert der durchaus kurzweilige Streifen zu einer grotesken Gewaltorgie.   

Die episodische Struktur funktioniert gut, ebenso das Aufgreifen von weiteren Themen wie Cosplay-Leidenschaft, Kinks sowie Argumenten für und gegen moderne Technologie. Aber insgesamt scheinen Regisseur Chris Marrs Piliero die teils bizarren Gewaltspitzen wichtiger als die Geschichte adäquat zu erzählen. Zum durchgehend soliden Ensemble von meist unbekannten Schauspieler*innen gehört auch Sean Gunn (Guardians of the Galaxy).     

Fazit: Kurzweiliger, aber insgesamt unnötig drastischer Thriller, der zu wenig aus seiner ganz aktuellen Prämisse um Deepfakes macht.


Evie und Clinto ahnen noch nichts
Lazzy ist in Schwierigkeiten



Marius Joa, 26. April 2026. Bilder: WTFilms.

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