Am vergangenen Wochenende gab es einen kleinen Abstecher zu den Fantasy Filmfest White Nights 2026 nach Frankfurt, wo auch der bunt-schaurige Animationsfilm Decorado von Regisseur Alberto Vásquez gezeigt wurde. Darin kämpft ein Mäuserich mit seiner trostlosen Existenz.
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Decorado
Animationsfilm/Horror Spanien. Portugal 2025. 96 Minuten. Kinostart: unbekannt. Nach dem gleichnamigen Kurzfilm. Drehbuch: Alberto Vázquez und F. Xavier Manuel Ruiz. Regie: Alberto Vázquez.

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Mickey Mouse und Donald Duck in der animierten Hölle
Mäuserich Arnold ist schon seit ein paar Jahren arbeitslos und auch der Job seiner Frau María als Zeichnerin wirft nicht so viel Geld ab wie erhofft. Immer wieder versucht Arnold vergeblich einen Job zu finden. Das Leben in der Stadt Decorado, welche vom allgegenwärtigen Mega-Konzern ALMA unter dem Direktor Gregorio beherrscht wird, scheint auch für viele der weiteren Bewohner*innen alles andere als einfach. Auch Arnolds Freunde, der Mäuserich Ramiro und der verrückte Hahn, haben so ihre Probleme. Aufzuheitern vermag Arnold nur die beliebte TV-Serie mit dem berühmten Erpel Roni. Arnold fühlt sich zunehmend beobachtet und träumt davon, Decorado zu entkommen. Denn jenseits des gefährlichen Waldes und der Berge könnte die Freiheit winken.
Im letzten Jahr konnte ich die White Nights und Nights, die Nebenreihen des Fantasy Filmfests, leider nicht besuchen, dafür aber die Hauptveranstaltung im September umso ausgiebiger. 10 Filme wurden bei den Fantasy Filmfest White Nights 2026 (17./18. Januar in Stuttgart, 24./25. Januar in Berlin, Frankfurt, Köln, München und Nürnberg sowie 31. Januar/1. Februar in Hamburg) gezeigt, darunter mit Dust Bunny auch das Film-Regiedebüt des als Fernseh-Autoren bekannten Bryan Fuller (Pushing Daisies). Und eben Decorado. Die spanisch-portugiesische Produktion basiert auf dem gleichnamigen, 2016 veröffentlichten Kurzfilm, im Gegensatz zu seinem abendfüllenden, farbenfrohen Pendant allerdings in Schwarzweiß.

In welche Richtung der dritte abendfüllende Film von Alberto Vázquez (geboren 1980), der auch als Comic-Künstler arbeitet, geht enthüllt schon der Titel, welcher übersetzt Bühnenbild oder Kulisse bedeutet. Die mit anthropomorphen Tieren bevölkerte Welt als Theaterbühne, welche immer wieder ins Schaurige und Absurde abdriftet. Kein Wunder, dass der Protagonist in Mausgestalt mit seinem trostlosen Leben als unglücklicher Arbeitsloser hadert und seine berechtigterweise schlechte Laune auch Auswirkungen auf seine Gattin hat. Eine kuriose Mischung aus The Truman Show (1998) von Peter Weir und Szenen einer Ehe (1973) von Ingmar Bergman, mit Motiven aus Franz Kafkas Roman Das Schloss (1926). Und all das spielt sich in einer Zeichentrickwelt ab, die nicht von ungefähr an bekannte Disneyfiguren und klassische Cartoons erinnert.
Das Setting wird allerdings nicht nur von bunten, überwiegend niedlich aussehenden Tieren bevölkert, sondern im verbotenen Wald auch von anderen Kreaturen wie einem Kithara spielenden Teufel und einer Meerjungfrau, die anders aussieht als man vermuten würde. Diese überzeichneten Elemente und die düster, aber auch schwarzhumorige Geschichte sorgen für tiefgründige Unterhaltung. Dabei werden Themen wie Midlife-Crisis, Entfremdung, Depression und kapitalistisch Ausbeutung geschickt in die Handlung eingewoben. Einen regulären deutschen Kino- oder Heimkino-Starttermin hat Decorado bisher leider noch nicht.
Fazit: Herrlich bunte, gekonnt schaurige und schwarzhumorige Animationsdystopie aus Spanien, in welcher bekannte Zeichentrickfiguren auf Links gedreht werden.
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Marius Joa, 30. Januar 2026. Bilder: Le Pacte.


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