Silence (2025)

Bei den Fantasy Filmfest Nights 2026 wurde mit Silence von Regisseur Eduardo Casanova auch ein kurioser Vampirfilm gezeigt. Als die Pest im 14. Jahrhundert wütet und während der AIDS-Epidemie in den späten 1980ern haben Blutsaugerinnen Schwierigkeiten mit der Nahrungsbeschaffung.

Silence (Silencio)
Horror/Drama/Miniserie Spanien 2025. 56 Minuten.
Mit: Ana Polvorosa, Lucía Díez, María León, Leticia Dolera, Mariola Fuentes, Carolina Rubio, Omar Ayuso u.a. Drehbuch und Regie: Eduardo Casanova.



Schweigen = Tod

Im 14. Jahrhundert sorgt die Pest in Europa für unzählige Tote. Die Vampir-Schwestern Verónica (Ana Polvorosa), Brianda (Leticia Dolera), Lilith (Mariola Fuentes) und Ginebra (Carolina Rubio) haben große Schwierigkeiten an gesundes Blut zu kommen. Ausgerechnet der junge Mann Felipe (Omar Ayuso) könnte den Ausweg für die Schwestern bedeuten. 1989 kämpft in Person von Marva (Lucía Díez) eine Nachfahrin der Schwestern während der AIDS-Krise darum, frisches und gesundes Blut zu erhalten. Außerdem ahnt ihre Geliebte Triana (María León) nichts von Malvas wahrer Natur…

Eduardo Casanova (geboren 1991) startete seine Schauspielkarriere als 13jähriger mit einer Hauptrolle in der spanischen Sitcom Aída, die 2014 nach zehn Staffeln endete. In der Folge arbeitete er nicht nur weiter als Darsteller, sondern auch als Filmemacher, wobei er Kurzfilme, Musikvideos sowie mit Pieles – Du kannst nicht aus deiner Haut (2017) und La Pietà (2022) auch zwei Spielfilme inszenierte. 2025 folgte Silencio, das in Spanien als dreiteilige Miniserie beim Streaminganbieter Moviestar+ veröffentlicht wurde. Mit seiner Gesamtlänge von knapp einer Stunde funktioniert die Produktion aber auch als kurzer Spielfilm und wurde  gemeinsam mit drei Kurzfilmen des Regisseurs bei den Fantasy Filmfest Nights 2026 gezeigt.

Die Vampirschwestern

Die derb-schräge Handschrift Casanovas zeigt sich bereits in den drei Shorts. Eat My Shit! (2015) handelt von einer missgebildeten Frau mit zwei vertauschten Körperöffnungen. I’m Sorry, My Love (Originaltitel Lo Siento Mi Amor, 2018) nimmt mit seiner eigenen Version des Mordes an John F. Kennedy die absurden Verschwörungstheorien aufs Korn. Und in Jamás me echarrás de ti (2016) muss ein entstellter junger Mann Abschied von seiner todkranken Mutter nehmen. Mit Silence liefert der queere spanische Regisseur einen im besten Sinne eigenwilligen Vampirfilm ab.

Man könnte das Werk jetzt einfach als Mischung aus 5 Zimmer Küche Sarg, Only Lovers Left Alive und der Serie True Blood mit Pedro Almodóvar als möglichem Regisseur labeln. Vollständig gerechnet würde man dieser kuriosen Produktion damit aber nicht werden. In den auf drei Episoden verteilten zwei Storylines vereint Casanova nicht nur überbordende Kostüme und knallige Farben mit grauer Tristesse. Vielmehr zeigt er (ähnlich wie Alan Ball bei True Blood) eine klare Parallele zwischen der Ausgrenzung von Homosexuellen und der Verachtung der fiktiven Blutsauger bzw. den gesellschaftlichen Folgen der Pest im Mittelalter und von AIDS in den 1980er Jahren.
In einer überraschenden Gratwanderung gelingt es hier die absurd komischen und grotesken Szenen mit dem ernsten Teil der Geschichte so zu vereinen, dass das Gesamtwerk stimmig wirkt und trotz der kurzen Laufzeit nachhallt. Aus meiner Sicht würde eine Fortsetzung über die Probleem von Vampir*innen während der Corona-Pandemie durchaus Sinn ergeben.

Fazit: Schrill-eigenwillige, aber gleichzeitig auch gekonnt ernsthafte Blutsauger-Kost aus Spanien.

Malva hadert mit ihrer Existenz



Marius Joa, 26. April 2026. Bilder: Gamera Studios.     

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