Agatha Christie’s Seven Dials

Heute gibt es zur Abwechslung mal eine Rezension zu einer aktuellen (Mini-)Serie. Denn Chris Chibnall (Drehbuch) und Chris Sweeney (Regie) haben mit Seven Dials einen eher weniger bekannten Roman der Queen of Crime als Dreiteiler für Netflix adaptiert. Darin ermittelt eine junge Adelige im Mordfall eines engen Freundes.

Agatha Christie’s Seven Dials
Krimi-Miniserie UK 2026. 3 Folgen. Gesamtlänge: ca. 160 Minuten. Starttermin: 15. Januar 2026.
Mit: Mia McKenna-Bruce, Edward Bluemel, Helena Bonham Carter, Martin Freeman, Mark Lewis Jones, Alex Macqueen u.a. Nach Der letzte Joker von Agatha Christie. Drehbuch: Chris Chibnall. Regie: Chris Sweeney.



Dial N for Nonsense

1920 stirbt Lord Caterham (Iain Glen) in einer Stierkampfarena im spanischen Ronda. Fünf Jahre später leidet die Familie Caterham unter finanziellen Problemen. Lady Caterham (Helen Bonham Carter) und ihre Tochter, Lady Eileen, genannt Bundle, (Mia McKenna-Bruce) sehen sich daher gezwungen, das eigene Anwesen Chimneys für eine große Party an den schwerreichen Industriellen Sir Oswald Coote (Mark Lewis Jones) und dessen Gattin (Dorothy Atkinson) zu vermieten. Bei dem gesellschaftlichen Event sind auch George Lomax (Alex Macqueen) vom Außenministerium sowie seine Mitarbeiter Gerry Wade (Corey Mylchreest), Ronny Deveraus (Nabhaan Rizwan) und Bill Eversleigh (Hughie O’Donnell) sowie Bundles alter Freund Jimmy Thesiger (Edward Bluemel) anwesend.

Nach einem beschwingten Tanz verabreden sich Bundle und Gerry für die kommende Woche. Ronny und Bill planen Langschläfer Gerry einen Streich zu spielen und verstecken acht Wecker in seinem Schlafzimmer. Alle Wecker läuten am nächsten morgen, doch Gerry steht nicht auf. Bundle und Butler Tredwell (Guy Siner) finden ihn tot in seinem Bett. Allem Anschein nach starb er durch eine Überdosis Schlafmittel und sein Tod wird als Unfall zu den Akten gelegt. Bundle glaubt allerdings, dass ihr geliebter Freund ermordet wurde und beginnt zu ermitteln, entgegen den Anweisungen von Superintendant Battle (Martin Freeman) von Scotland Yard. Bundle findet Hinweise auf eine mysteriöse Gruppe namens „Seven Dials“…

Bundle forscht nach

Zu den neuen Serien des Jahres, auf die ich mich im Vorfeld einigermaßen gefreut hatte, zählte auch Agatha Christie’s Seven Dials, auch wegen der namhaften Besetzung. Meine Erwartungshaltung war dennoch nicht extrem hoch. Dass die dreiteilige Miniserie von Netflix diese allerdings so massiv unterlaufen würde, damit war nicht unbedingt zu rechnen. Wirken die ersten beiden Episoden noch annehmbar, vor allem weil diese noch recht wenig enthüllen, so wird in der letzten Folge nur zu deutlich, wie sehr sich der Streaminganbieter und die Kreativen hier verwählt haben.

Scheinbar hat es niemand bei Netflix für nötig befunden, Autor Chris Chibnall (Broadchurch, Doctor Who) seine Skripts um die Ohren zu hauen. Stattdessen wurden diese einfach durchgewunken. Für mich nur schwer verständlich. Die Romanvorlage von Agatha Christie (1890-1976), The Seven Dials Mystery aus dem Jahr 1929, in Deutschland erstmals 1934 als Sieben Uhren und 1975 in einer Neuübersetzung unter dem Titel Der letzte Joker erschienen, gilt als eines der schwächeren Werke der Erfolgsautorin. Gelesen habe ich diese nicht und kann auch daher eine mögliche Werktreue nicht beurteilen. Aber egal wie schwach der Roman sein mag, die vorliegende Adaption ist sicher schlechter.

Seven Dials hält das Publikum noch lange ganz gut bei der Stande, denn in den ersten beiden Folgen erfährt man recht wenig. Erst im letzten Teil offenbaren sich die ziemlich hirnverbrannten Hintergründe und eine Reihe völlig beliebiger Wendungen, die auf die möglichst blödsinnigste Auflösung hinauslaufen. Schade um das gelungene Ambiente, eine solide Inszenierung und die armen Schauspieler*innen um Mia McKenna-Bruce (How To Have Sex) als Bundle, Edward Bluemel (Sex Education, My Lady Jane) als Jimmy Thesiger, Helena Bonham Carter (The King’s Speech, The Crown) als Lady Caterham und Martin Freeman (Sherlock, Hobbit-Filmtrilogie) als Superintendant Battle, welche gegen einen komplett haarsträubenden Plot und ihre weitgehend unterentwickelten Figuren anspielen. Selbst die teils plumpen und inhaltlich holprigen Agatha-Christie-Verfilmungen von/mit Kenneth Branagh als Hercule Poirot (Mord im Orientexpress [2017], Tod auf dem Nil [2022], A Haunting in Venice [2023]) wirken gegen Seven Dials wie gelungene Krimikost.        

Agatha Christie’s Seven Dials ist seit dem 15. Januar 2026 Teil des Angebots von Netflix.

Fazit: Solide inszenierte und gespielte, aber inhaltlich haarsträubend unsinnige und völlig beliebige Krimi-Miniserie. Ein heißer Kandidat für die Goldene Brummbeere als schlechteste Serie 2026.

Helena Bonham Carter als Lady Caterham
Martin Freeman als Superintendant Battle



Marius Joa, 20. Februar 2026. Bilder: Netflix.

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