Produktionen aus Südkorea gibt es bei Netflix so einige, darunter auch den Animationsfilm Lost in Starlight von Regisseurin Han Ji-won. Darin lernen sich eine Wissenschaftlerin/angehende Astronautin und ein gescheiterter Musiker kennen und lieben.
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Lost in Starlight (I byeore piryohan)
Animationsfilm/Science-Fiction-Drama Südkorea 2025. 96 Minuten. Starttermin: 30. Mai 2025 Originalsprecher*innen: Kim Tae-ri (Joo Nan-young), Hong Kyung (Jay), Ahn Young-mi (Son Ji-young), Kang Goo-han (Nan-Youngs Vater), Yoon A-young (Di-a), David John Robbins (Eugene) u.a. Drehbuch: Kang Hyun-joo und Han Ji-won. Regie: Han Ji-won.

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Die Astronautin und der Musiker
2026 verunglücken alle Astronaut*innen einer Marsmission aufgrund eines Defekts, darunter auch die Südkoreanerin Son Ji-young (Stimme im Original: Ahn Young-mi). 25 Jahre später will deren Tochter, die auf die Entdeckung möglichen neuen Lebens spezialisierte Dr. Joo Nan-young (Kim Tae-ri), in die Fußstapfen ihrer Mutter treten und ebenfalls zum Roten Planeten reisen. Doch einen wichtigen Härtetest besteht Nan-young nicht und so sind ihre Raumfahrt-Ambitionen vom Tisch.
Nan-Young kehrt nach Südkorea zurück und beginnt weiter an ihrem Detektor zu arbeiten. Zufällig trifft sie auf den früher als Musiker tätigen Jay (Hong Kyung), der mittlerweile veraltete Elektronikgeräte repariert. Auch den Plattenspieler von Nan-youngs Mutter bringt er wieder zum Laufen. Nach einigen Treffen werden die beiden ein Paar. Ermutigt von Nan-young fängt Jay wieder an, Musik zu machen. Da erhält Nan-young doch die Gelegenheit, sich einer neuen Marsmission anzuschließen. Ihre bevorstehende Abreise und die Ungewissheit ihrer Rückkehr stellen die Beziehung Nan-youngs mit Jay auf eine Probe…

Meine Kenntnis des koreanischen Kinos beschränkt sich auf eine Handvoll Produktionen, darunter natürlich den Oscar-Abräumer Parasite (2019) von Bong Joon Ho, den zweiteiligen Science-Fiction-Blockbuster Alienoid (2022/24) und das leise Drama Aloners (2021). In den zahlreichen, mittlerweile auch häufig bei Netflix vertreten K-Dramen (mögen die Südkoreaner*innen Comedy nicht so?) bekommt man zumindest den Beschreibungen nach konstruierten Kitsch serviert. Von daher hatte ich vor der Sichtung von Lost in Starlight ein wenig Bedenken. Doch die Mischung aus Animation, Romanze, Musikfilm und Science-Fiction präsentiert sich weitgehend unkitschig.
Der Animationsfilm entstand ursprünglich als Musikvideo, welches Regisseurin Han Ji-won (The Summer [2023]) für das koreanische Schmuck-Unternehmen StoneHenge produzieren sollte. Nach man bei Climax Studios vom Projekt erfahren hatte, schlug man Han vor, das ganze als abendfüllendes Werk umzusetzen. Lost in Starlight besticht vor allem durch seine wunderschönen Bilder, als surreale Mischung aus handgezeichneten Panels und Computer-Animationen. Vor allem wenn sich die in naher Zukunft gängige Hologramm-Technologie mit den physisch präsenten Szenerien mischen, beweist der erste koreanische Animationsfilm des Streaminganbieters mit dem roten N, dass er auch auf einer großen Kinoleinwand funktioniert hätte.
Im Zentrum steht neben der unterschiedlichen Vergangenheit der beiden Hauptfiguren natürlich ihre zarte Romanze, welche durch die bevorstehende Reise Nan-youngs auf den Mars in Gefahr gerät. Doch anstelle eines großen Beziehungsdramas wird die ganze Geschichte erwachsen und organisch entwickelt. Beide Charaktere erhalten die Gelegenheit, aufgegebene Träume und Ambitionen doch zu verfolgen und das tun sie auch. Das etwas konstruierte, aber dennoch solide Finale erinnert teilweise an Interstellar (2014) von Christopher Nolan und Der Marsianer (2015) von Ridley Scott.
Lost in Starlight ist seit dem 30. Mai 2025 Teil des Angebots von Netflix.
Fazit: Visuell herausragender und inhaltlich solider Animationsfilme aus Südkorea über die erwachsene Liebesgeschichte zwischen einer Astronautin und einem Musiker. 7 von 10 Punkten.
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Marius Joa, 29. Dezember 2025. Bilder: Netflix.


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