Am 28. Juni 1926 wird Mel Brooks 100 Jahre alt. Comedy-Filmemacher Judd Apatow und Dokumentarfilmer Michael Bonfiglio blicken gemeinsam mit dem Kultparodisten in der zweiteiligen Doku Mel Brooks: The 99 Year Old Man! auf dessen Leben und Karriere zurück.
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Mel Brooks: The 99 Year Old Man!
TV-Dokumentation/Miniserie USA 2026. 2 Folgen. Gesamtlänge: ca. 228 Minuten. Starttermin: 23. Januar 2026. Regie: Judd Apatow und Michael Bonfiglio.

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Kleiner Mann, großer Spaß
Mel Brooks hat sich vor allem mit seinen spaßigen Filmparodien einen Namen gemacht. Am 23. Januar 2026, und damit ein halbes Jahr bevor Brooks am 28. Juni seinen 100. Wiegenfest feiert, erschien die zweiteilige Doku Mel Brooks – The 99 Year Old Man! inszeniert von Komödienspezialist Judd Apatow (Jungfrau [40), männlich, sucht, The Bubble) und Dokumentarfilmer Michael Bonfiglio (Oprahs Masterclass, George Carlins amerikanischer Traum) bei HBO Max. Der Titel spielt auf den Kultsketch The 2000 Year Old Man an, welchen Brooks und Carl Reiner (1922-2020) in den 1960ern erstmals aufgeführt hatten.
Als Ausgangspunkt dient ein langes Gespräch zwischen Apatow und Brooks. Der 99jährige, am 28. Juni als Melvin James Kaminsky geboren, erzählt von seiner Kindheit und Jugend in Brooklyn, als jüngster von vier Söhnen einer russisch-jüdischen Mutter und eines aus Polen stammenden, jüdisch-deutschen Vaters, der an Tuberkulose stirbt als der kleine Mel zwei Jahre alt ist. Als 14jähriger steht Melvin erstmals auf der Bühne im sogenannten Borscht Belt, wo er für einen verletzten Comedian einspringt. Außerdem erhält er Schlagzeug-Unterricht. Direkt nach der Highschool wird Mel von der US-Army angeworben, wo er während des Zweiten Weltkriegs als Teil eines Bombenentschärfungskommando in Frankreich und Deutschland dient. Als Autor für die Sketch-Comedyserie Your Show of Shows (1950-1954), angeführt von Komiker Sid Caesar (1922-2014) beginnt die Karriere beim Fernsehen. Dort lernt Brooks auch seinen langjährigen besten Freund Carl Reiner kennen.

Mitte der 1960 entwickelt Mel gemeinsam mit Buck Henry Get Smart (in Deutschland als Minimax oder Die unglaublichen Abenteuer des Maxwell Smart veröffentlicht). Die Comedyserie über den titelgebenden trotteligen Agenten nimmt das Spionage-Genre satirisch aufs Korn und läuft bis zu ihrem Ende nach fünf Jahren erfolgreich. Das ermöglicht Brooks seinen ersten Kinofilm zu drehen: die Satire Frühling für Hitler (Originaltitel The Producers; 1967), über einen Broadway-Produzenten (Zero Mostel), der gemeinsam mit einem Buchhalter (Gene Wilder) ein absichtlich schlechtes Musical über Adolf Hitler auf die Bühne bringen will, um kräftig abzukassieren. Trotz der umstrittenen Thematik gewinnt Mel Brooks den Oscar für das beste Originaldrehbuch und der Film erreicht mit der Zeit Kultstatus. Später wird der Stoff als Broadway-Musical adaptiert und 2005 wiederum als Musical-Film.
Trotz gelegentlicher Rückschläge kann sich Mel Brooks in den 1970ern als erfolgreicher Comedy-Regisseur etablieren und bis in die 1980er kommt alle paar Jahre ein Spielfilm von und/oder mit ihm in die Kinos. 1974 darf als das beste Jahr seiner langen Karriere betrachtet werden, denn nacheinander starten sowohl Blazing Saddles – Der wilde wilde Westen und Frankenstein Junior auf der großen Leinwand. Seine Fähigkeit auch ernste Stoffe umsetzen zu können beweist Brooks mit seiner eigenen Firma Brooksfilms als Produzent der bewegenden Biographie Der Elefantenmensch (1980) von Regisseur David Lynch (1946-2025) und von David Cronenbergs Horror-Remake Die Fliege (1986). Mit Spaceballs (1987) gelingt Mel und seinem Team eine herrliche Parodie auf Star Wars, die kürzlich in Folge 26 des Unter Vieraugen Podcasts besprochen wurde
Seit seiner letzten Regie-Arbeit, Dracula – Tot aber glücklich (1995), hat der 99jährige vor allem als Sprecher in Animationsfilmen wie Toy Story 4 und der Hotel Transsylvanien-Reihe tätig. Und hat in den letzten Jahren trotz seines fortgeschrittenen Alter aufhorchen lassen. Denn gleich zwei der seinerzeit als Meta-Gags angekündigten Sequels wurden angekündigt. Auf die episodenhaften Monumentalfilm-Parodie Die verrückte Geschichte der Welt (1981) folgte 2023 der zweite Teil als Sketchcomedyserie mit Brooks als Erzähler. Und 2027 wird es pünktlich zum 40jährigen Jubiläum zu Spaceballs geben!
Anhand der langen Konversation breiten Apatow, Bonfiglio und ihr Team ein durchaus differenziertes Bil des Porträtierten, wobei hier unzählige Interview-, Talkshow- und Filmausschnitte mit Behind-the-Scenes-Material und unzähligen Weggefährten, Familienmitgliedern und weiteren von Brooks beeinflussten Comedy-Schaffenden als Gesprächspartner*innen montiert werden. Der Schnitt präsentiert sich sehr rasant, etwa wenn zu einem Thema zwischen mehreren Beiträgen hin- und her geschaltet wird, aber nicht so gehetzt, als dass es negativ auffallen würde.
Versteckte sich Brooks früher häufig hinter seiner Comedy-Persona, so zeigt er sich hier sowohl in altem als auch neuem Material als durchaus ernsthaft und reflektiert, vor allem wenn er von seiner jüdischen Identität und seiner einfachen Herkunft spricht oder sich seinen eigenen Reim auf das Leben macht. Bei all dem wiederkehrenden Erfolg werden auch die Rückschläge im Leben des Filmemachers und Komikers nicht ausgespart: vom Scheitern der ersten Ehe mit der Tänzerin Florence Baum, aus welchem die drei ältesten von vier Kindern entstammen, der äußerst schwierigen Zeit nach dem Ausscheiden bei Sid Caesars Fernsehshow und dem Tod von Mels zweiter Ehefrau Anne Bancroft (1931-2005), die nicht nur eine wichtige Partnerin war, sondern ihren Gatten immer wieder aufrichtete und ermutigte. Die innige Beziehung der beiden wird besonders gewürdigt.
Gut drei Stunden und 45 Minuten sind natürlich eine lange Laufzeit, dennoch besitzt Mel Brooks: The 99 Year Old Man! keine Längen und am Ende hätte man manche Aspekte der Werke noch weiter herausarbeiten können. Das ist aber Jammern auf hohem Niveau. Nach der Sichtung habe ich jetzt richtig Lust, mir manche der Filme noch einmal anzusehen und meine Lücken im Brooks-Werk zu schließen.
Mel Brooks: The 99 Year Old Man! ist seit dem 23. Januar 2026 Teil des Angebots von HBO Max.
Fazit: Ausführliche, erhellende und vor allem rasant-witzige Doku-Miniserie über die lange, große Karriere sowie das bewegte Leben von Mel Brooks.
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Filmographie von Mel Brooks (Auswahl)
Filme
1967 Frühling für Hitler (The Producers)
1970 Die Zwölf Stühle (The Twelve Chairs)
1974 Der wilde wilde Westen (Blazing Saddles)
1974 Frankenstein Junior (Young Frankenstein)
1976 Silent Movie
1977 Höhenkoller (High Anxiety)
1980 Der Elefantenmensch (The Elephant Man)
1981 Die verrückte Geschichte der Welt (History of the World, Part I)
1983 Sein oder Nichtsein (To Be or Not To Be)
1986 Die Fliege (The Fly)
1987 Spaceballs
1991 Das Leben stinkt (Life Stinks)
1993 Robin Hood: Helden in Strumpfhosen (Robin Hood: Men in Tights)
1995 Dracula – Tot aber glücklich (Dracula: Dead and Loving It)
2005 The Producers
2027 Spaceballs: The New One
Fernsehen
1950-54 Your Show of Shows
1954-57 Caesar’s Hour
1965-70 Mini-Max (Get Smart)
1975 Robi Robi Robin Hood (When Things Were Rotten)
2004 Lass es, Larry (Curb Your Enthusiasm)
2008-09 Spaceballs: The Animated Series
2023 Die Verrückte Geschichte der Welt, Teil II (History of the World, Part II)
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Marius Joa, 21. Juni 2026.
Bilder: Apatow Productions/HBO Documentary Films.


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