Und nun zum letzten Review 2025. Drei Jahre nach seinem letzten Fall ist Detektiv Benoit Blanc zurück und ermittelt im Fall eines ermordeten, umstrittenen Priesters, in Rian Johnsons Netflix-Whodunit Wake Up Dead Man, dem dritten Teil der Knives Out-Reihe.
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Wake Up Dead Man: A Knives Out Mystery
Krimi USA 2025. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 144 Minuten. Kinostart: 27. November 2025.
Mit: Josh O’Connor, Daniel Craig, Glenn Close, Josh Brolin, Mila Kunis, Jeremy Renner, Kerry Washington, Andrew Scott, Cailee Spaeny, Daryl McCormack, Thomas Haden Church u.v.a. Drehbuch und Regie: Rian Johnson.

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Er kann’s nicht lassen
Nach einem gewalttätigen Ausbruch wird der junge katholische Priester und frühere Boxer Jud Duplenticy (Josh O’Connor) in eine ländliche Gemeinde Chimney Rock im Staat New York versetzt. Dort soll er dem charismatischen Monsignore Jefferson Wicks (Josh Brolin) assistieren. Neben Sekretärin Martha (Glenn Close) und Gemeindegärtner Samson (Thomas Haden Church) versammeln sich meist die lokale Anwältin Vera Draven (Kerry Washington), ihr Adoptivsohn Cy (Daryl McCormack), Arzt Nat Sharp (Jeremy Renner), der Schriftsteller Lee Ross (Andrew Scott) und die im Rollstuhl sitzende Cellistin Simone (Cailee Spaeny) um Wicks. Während des Gottesdienstes am Karfreitag bricht Wicks zusammen und stirbt an einer Stichwunde. Der Verdacht fällt sofort auf Father Jud, vor allem wegen seiner Meinungsverschiedenheit mit dem Monsignore. Wenig später taucht Detektiv Benoit Blanc auf und bittet ausgerechnet Jud, ihm bei der Aufklärung des Mordes zu helfen…
Die Knives Out-Filmreihe von Drehbuchautor und Regisseur Rian Johnson (Looper, Star Wars: Episode VIII) begann 2019 mit dem ersten Teil (in Deutschland ab Januar 2020 im Kino), in welchem der von Daniel Craig gespielte Benoit Blanc den Mord an einem reichen alten Mann aufklärte. 2022 folgte mit Glass Onion der zweite Teil, in welchem ein Milliardär zahlreicher Gäste auf seine Privatinsel einlädt und jemand stirbt. Drei Jahre später ist mit Wake Up Dead Man Teil 3 der Filmreihe erschienen, wie der Vorgänger nach einem kurzen Kinostart bei Netflix.

Von allen Seiten wurde der von den Werken Agatha Christies Werken inspirierte dritte Film der Reihe seit seiner Festival-Premier im September 2025 ziemlich gelobt und gefeiert. Ich persönlich kann mich diesem positiven Überschwang nicht ganz anschließen, auch wenn mir Wake Up Dead Man insgesamt durchaus gefallen hat, trotz seiner überladenen und etwas in die Länge gezogenen Geschichte.
Johnson gewinnt dem Whodunit-Genre durchaus neue Facetten ab, etwa indem der ermittelnde Sleuth in der ersten halben Stunde fast gar nicht zu sehen ist und stattdessen im ganzen Film mehr der junge Priester Jud im Mittelpunkt steht. Oder wenn Werke von Christie und andere Bücher über den vermeintlich perfekten Mord referenziert werden. Insgesamt wirkt die Geschichte solide entwickelt und dank der zahlreichen Wendungen können die Zuschauer*innen hier auch ganz gut miträtseln. Mit knapp zweieinhalb Stunden Laufzeit verlangt die Netflix-Produktion viel Sitzfleisch ab und ich habe mich am Ende gefragt, ob man die ganze Sache auch etwas weniger überladen und straffer hätte aufziehen sollen.
Vor allem wird die Zeit nicht genutzt, um die weiteren Figuren halbwegs plastisch zu gestalten. Von daher wirken die teils namhaften Schauspieler*innen wie Andrew Scott (All Of Us Strangers) und Glenn Close (Eine verhängnisvolle Affäre, Die Frau des Nobelpreisträgers) eher verschenkt. Josh O’Connor (The Crown, La chimera) hingegen kann sein ganzes Können zeigen und das Publikum auf seine Seite ziehen, auch wenn es immer wieder mal Zweifel bezüglich seiner Schuld oder Unschuld gibt.
Auf der Habenseite steht die durchaus treffende Gesellschaftskritik, welche Johnson hier einstreut, indem er etwa Wicks als egomanischen Spalter entlarvt, dessen problematische Predigten in sozialen Medien viral gehen, weil jemand aus seiner Gemeinde diese entsprechend aufbereitet und teilt. Die Bedeutung von Glaube und der (katholischen) Kirche als Institution für viele Menschen wird ebenfalls gut angerissen. Zudem ist das alles wirkungsvoll ins Szene gesetzt und effektvoll montiert.
Dass es sich bei Wake Up Dead Man zumindest vorerst um den letzten Benoit-Blanc-Streifen handelt, erscheint auf jeden Fall als richtige Entscheidung. Zum einen möchte Rian Johnson nach sechs Jahren mal wieder etwas anderes machen und so vermeidet er sich zu wiederholen. Und den ganzen Hype konnte der dritte Teil aus meiner Sicht ohnehin nicht ganz erfüllen.
Wake Up Dead Man ist seit dem 12. Dezember 2025 Teil des Angebots von Netflix.
Fazit: Wendungsreicher, solider Whodunit mit dem Hauptverdächtigen als Protagonisten, insgesamt allerdings etwas überladen. 7 von 10 Punkten.
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Marius Joa, 31. Dezember 2025. Bilder: Netflix.


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